Winzer der Woche: Erich Scheiblhofer - Andauer Wurzeln & Know How aus Übersee
- AWC-Winzer des Jahres und Falstaff-Sortensieger
- Jois vinophil: Spannendes Projekt mit M. Altenburger

Erich "der Wikinger" lebt nicht etwa im hohen Norden, sondern ist in der heißesten Region Österreichs zu Hause. Die Weingärten der Familie Scheiblhofer liegen in der burgenländischen Puszta bei Andau, einer der sonnenverwöhntesten Gemeinden des Landes. Hier gibt es keine Weinberge, alles ist brettleben. Dafür kann aber der Wein Berge geben, wenn er so gut gemacht ist wie jener von Erich Scheiblhofer.
Roter Schotter bis zum Grundwasser dominiert die begehrte Riede "Prädium", auf dieser Unterlage fühlen sich Zweigelt, Cabernet Sauvignon, Merlot & Co besonders wohl und gedeihen zur höchsten Güte. Die Weine werden vollmundig und samtig und der Zweigelt Prädium war schon Landessieger, Bundessieger und Gewinner des Falstaff-Grand Prix.
Paradewein
Für Erich Scheiblhofer ist der Zweigelt Prädium auch sein wichtigster Wein. Die Rebstöcke sind 28 Jahre alt und der Wein beeindruckt durch seine schwarz-rubinrote Farbe. Toller Brombeerduft mit feiner Kirsche, röstig und vollmundig mit mächtig-weichem Tannin. Zweigelt ist mit 35 Prozent die wichtigste Sorte. Der Cabernet Sauvignon reift auf den heißen Schotterböden auch besonders gut aus und nimmt ein Viertel der Produktionsmenge ein. Merlot macht 20 Prozent aus, Shiraz 10 und knapp 10 Prozent sind Joiser Blaufränkisch.
Jois vinophil
In Jois arbeitet Scheiblhofer mit Weinprofi Markus Altenburger zusammen und erzielt eine gänzlich andere Stilistik als in Andau. "Oben am Leithaberg werden die Trauben einfach anders. Voller Mineralik, tolle Finesse und ein mächtig herbes Tannin". Die Joiser Lagen der Familie Altenburger werden unter der Regie von Markus Altenburger bewirtschaftet und Erich übernimmt in seiner modernst ausgestatteten Kellerei die Vinifikation. Der "Jois 2004 vinophil" ist eine Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und Cabernet Sauvignon. Ein kraftvoller und finessenreicher Wein mit markanten Tanninen, der jetzt schon viel Trinkfreude bereitet, aber sein enormes Potenzial wohl erst in ein paar Jahren ausspielen wird.
Die Philosophie
Scheiblhofer legt Wert auf schonende Lese in kleinen Gemüsekisten, dann werden die Trauben vorgekühlt und in Stahltanks eingemeischt. Dort erfolgt bei 3°Celsius die Kaltmazeration - ein "ziehen lassen" des Traubenmaterials ohne Gärung, wodurch ein Maximum an Extrakten gewonnen wird. Erst dann wird gepresst, vergoren und in 100 % neuen Barriques gelagert.
Heimische Schule - internationale Erfahrungen
Erich Scheiblhofer hat den Meisterbrief Weinbau und Kellerwirtschaft erworben und ist staalich geprüfter Winemanager. Danach zog es ihn in die Neue Welt und er arbeitete ein halbes Jahr im kalifornischen Sonoma County in der St. Francis Vinery und sieben Monate in Australien bei der Veritas Winery im Barossa Valley.
Big John in the Vineyards
Erich Scheiblhofer führt zwar genauso wie sein Vater Johann (alias Big John) sein eigenes Weingut, dennoch arbeiten sie eng zusammen und teilen sich die technischen Anlagen. Der Senior kümmert sich um die Weingartenpflege und die Logistik und Junior Erich ist der Winemaker und meistens im Keller zu finden. Bei der Ernte helfen dann sowieso alle zusammen, auch Erichs Bruder Harald, der an der BOKU studiert. Mit dem Weinjahr 2006 war Erich hochzfrieden, der schöne Herbst mit heißen Südwinden ließ alle Trauben voll reif werden.
Möglichst nicht eingreifen
Zu biologischer Bewirtschaftung hat Erich Scheiblhofer ein ambivalentes Verhältnis - er weiß, dass Weinfreunde gerne auch mehr für einen Wein bezahlen, wenn sie darauf vertrauen können, dass er unverfälscht und möglichst natürlich in die Flasche kommt. So ist der Andauer auch von der Praxis des "möglichst nicht eingreifen" überzeugt. Den biologischen Weg geht er bis zu einem für sich logischen Grad: "Denn was zählt ist der Wein im Glas. Dem hilft das Bio-Marketing nicht immer."
Ausgezeichnete Weine
Und dieser Weg ist für Scheiblhofer offenbar der richtige: Bei der dritten Austrian Wine Challenge wurde er 2006 bereits zum zweiten Mal zum Winzer des Jahres gekürt. Und im erst kürzlich erschienen Falstaff-Rotweinguide wurde er mit seinem Merlot 2004 Sortensieger. Sein Paradewein bleibt aber der Zweigelt Prädium - der 2003er eroberte als einziger österreichischer Rotwein des Bewertungsjahres eine Goldmedaille bei der International Wine Challenge in London. (red)
Links:
www.andau.com
www.scheiblhofer.at
www.batonnage.com
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