Freitag, 9. März 2007

ATX im Aufwind: Wiener Börse machte zwei Drittel der Vorwochen-Verluste wieder wett

  • Kurssprung bei Bwin und Gewinne für RI und voest
  • Nach Mini-Crash leichte Erholung an den Weltbörsen

An der Wiener Börse sieht die Lage nach dem massiven Kursrutsch der vergangenen Woche wieder etwas entspannter aus. Nachdem der Leitindex ATX diesen Montag mit dem tiefsten Schlusskurs seit Mitte Dezember gestartet ist, legte er danach bis zum Wochenende um rund fünf Prozent zu und machte damit rund zwei Drittel der Vorwochenverluste wieder wett. Die Wiener Börse hat damit weit stärker aufgeholt als die großen internationalen Börsen in Frankfurt, Tokio oder New York.

Die größten Gewinner waren das Internet-Sportwetten-Unternehmen Bwin, der Anlagenbauer Andritz sowie die Indexschwergewichte Raiffeisen International (RI) und voestalpine. Analysten erwarten, dass die Verunsicherung bei den Anlegern allerdings auch noch in den nächsten Wochen anhalten wird. Nach Meinung der Experten der Raiffeisen Centrobank werden die Märkte erst wieder in zwei, drei Monaten zu ihrem langfristigen Aufwärtstrend zurückkehren.

Der ATX ging am Freitagabend mit 4.538,51 Punkten aus dem Handel, das war ein Plus von knapp einem Prozent gegenüber dem Vortag und 4,5 Prozent gegenüber Freitag vergangener Woche. Die Aktien von Bwin (früher: betandwin) legten dagegen im Wochenabstand um rund 45 Prozent zu. Auslöser für diesen Kurssprung war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), wonach Strafen gegen ausländische Anbieter von Internet-Wetten EU-rechtswidrig seien. Außerdem hat Bwin öffentlich sein Interesse an der Übernahme des englischen Konkurrenten Sportingbet bekundet.

Andritz überzeugte die Anleger mit guten Zahlen und bekam außerdem von den österreichischen Behörden grünes Licht für sein umstrittenes Staudamm-Projekt Ilisu in der Türkei. Gleich drei Banken haben daraufhin ihre Einschätzungen für Andritz angehoben, die Aktien legte rund elf Prozent zu. Auch voestalpine konnte ohne wesentliche News um 12 Prozent zulegen. Im Blickpunkt standen diese Woche vor allem eigentlich die erwartungsgemäß guten Bilanzen von OMV und Telekom Austria. Da beide Unternehmen jedoch in ihrem Ausblick etwas vorsichtiger waren, hielten sich die Kursgewinne sowohl bei OMV als auch bei der Telekom mit etwa zwei Prozent in Grenzen.

Kaum noch Reaktion zeigte die Wiener Börse auf die Zinsentscheidung der EZB, die höheren Leitzinsen waren bereits erwartet worden.

Die Liste der Kursverlierer im ATX fiel diese Woche nur kurz aus. Die größten Wochenverluste im Leitindex verzeichnete der Flughafen Wien mit minus 0,7 Prozent. Die AUA, nicht mehr im ATX vertreten, hat nach der Vorlage ihrer Bilanzzahlen diese Woche 0,2 Prozent verloren. Die heimische Airline hat ihre Schulden 2006 um ein Drittel auf 716 Mio. Euro reduziert aber immer noch knapp 130 Mio. Euro Verlust geschrieben.

Praktisch unverändert ging diese Woche die Aktie der Österreichischen Post AG aus dem Handel. Sie wird nächste Woche im Blickpunkt der Anleger stehen, wenn der Vorstand am Mittwoch ihre Bilanzzahlen vorlegt. Die Investoren erwarten nach einer längeren krankheitsbedingten Pause von Post-Generaldirektor Anton Wais vor allem klare Aussagen des Konzernchefs zur angepeilten BAWAG-Beteiligung. Die Zahlen sollten erwartungsgemäß gut ausfallen, ähnlich wie beim Papierkonzern Mayr-Melnhof, der diese Woche ebenfalls seine Vorjahresergebnisse bekannt geben wird.

Wie es mit dem ATX nächste Woche weitergehen wird, ist für die Analysten kaum abzuschätzen. "Die Kursvolatilitäten sollten weiterhin hoch bleiben", meinen die Experten der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG). Im schlimmsten Fall rechnen die Analysten der Erste Bank in den nächsten Wochen mit einem Rückgang des ATX auf rund 4.000 Punkte, wo dann die 200-Tageslinie als starke Unterstützung verläuft. "Wir sehen eventuelle stärkere Rückschläge aber eindeutig als Kaufgelegenheiten", so die Berater der Erste Bank.

Nach Mini-Crash leichte Erholung an Weltbörsen
Nach dem Mini-Crash in der Vorwoche ist es in den vergangenen Tagen wieder zu einer Aufwärtsbewegung an den Weltbörsen gekommen. Die Stimmung hellte sich ab Dienstag wieder deutlich auf. In erster Linie waren gute Vorgaben aus Asien und Europa für den "Rebound" (Erholung) auch in den USA verantwortlich. Die Analysten der Volksbank-Gruppe erwarten auf Wochensicht leichte Kurssteigerungen an den Aktienmärkten. Die Kursvolatilitäten und die Nervosität an den Märkten sollten aber weiterhin hoch bleiben.

Die Index-Entwicklung der größten Aktienmärkte zeigte in der abgelaufenen Handelswoche mehrheitlich nach oben, die vorher erlittenen Verluste sind jedoch noch lange nicht wettgemacht.

Der deutsche Leitindex DAX holte mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 6.716 Punkte einen Teil seiner Verluste wieder auf, blieb jedoch noch weit vom Ende Februar erreichten Jahreshoch entfernt. Auch der britische FTSE-100 legte wieder mehr als 2 Prozent zu, bliebt mit 6.245 Zählern aber weit unter dem heuer bereits erreichten Höchststand von 6.444 Punkten. In Frankreich lag der CAC-40 bei 5.537 Punkten, rund zwei Prozent über dem Schlussstand der Vorwoche, aber deutlich unter dem Ende Februar erreichten Jahreshöchststand von 5.762 Zählern.

Der japanische Nikkei-225 konnte vergangene Woche nicht aufschließen, er schloss am Freitag mit 17.164 Punkten um 0,3 Prozent schwächer als zu Ende der Vorwoche. In den USA kletterte der Dow Jones Industrial im Wochenvergleich bis Freitag mittag (Ortszeit) auf 12.293 Punkte, ein Wochenplus von eineinhalb Prozent.

Die Bodenbildung der wichtigsten Indizes war noch am Montag das wichtigste Ereignis an den europäischen Aktienmärkten. Besonders die positiven Vorgaben aus Asien konnten am Dienstag der seit Tagen andauernden Abwärtsbewegung ein Ende setzen. Der Rebound der europäischen Aktienindizes wurde von vielen Marktteilnehmern mit großer Erleichterung aufgenommen. Am Donnerstag beschloss die EZB erwartungsgemäß die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent zu erhöhen. Die Aktienmärkte blieben davon vorerst wenig beeindruckt, die nächste Anhebung der Leitzinsen wird für Juni 2007 erwartet.

Die amerikanischen Börsen konnten in der abgelaufenen Handelswoche deutliche Aufschläge verbuchen. In erster Linie waren gute Vorgaben aus Asien und Europa für den Rebound verantwortlich, die gemeldeten Wirtschaftsdaten ließen jedoch wenig Euphorie aufkommen, berichten die Analysten der Erste: So meldete das Handelsministerium einen unerwartet stark sinkenden Auftragseingang der Industrie von minus 5,6 Prozent. Das Arbeitsministerium meldete einen Produktivitätsanstieg von lediglich 1,6 Prozent nach zuletzt noch 3 Prozent.

Die Talsohle im Immobilienbereich dürfte noch nicht erreicht sein. D.R. Horton, der zweitgrößte Homebuilder der Vereinigten Staaten, erwartet 2007 erneut weniger Eigenheime als im Vorjahr zu verkaufen. Anteilsscheine der Hypothekenbank New Century Financial befanden sich im freien Fall und verloren knapp 75 Prozent an Wert. Der zweitgrößte Immobilienfinanzierer der USA dürfte kurz vor dem Konkurs stehen und muss sich zudem einer Untersuchung durch die SEC stellen.
(apa/red)

9.3.2007 18:50