Prognose der Topbosse: Chefs von Rewe, Uniqa & Telekom Austria im NEWS-Talk!
- Wirtschafts-Gipfelgespräch: So wird das Jahr 2007
- Trend: Sicherung der Spitzenpositionen in Osteuropa

·Ruf als "besseres Deutschland" verloren
Österreichs Wirtschaft in Umfrage zurückgefallen
Ein spannendes Jahr liegt vor uns. Für die österreichischen Topunternehmen geht es um die Sicherung der Spitzenposition in Osteuropa. An der Heimatfront stehen die Herausforderungen Arbeitsmarkt, Steuersenkung und Sicherung des Standorts ganz oben auf der Agenda. NEWS bat drei Topmanager führender österreichischer Unternehmen aus Handel, Technologie und Finanzdienstleistungen zum Wirtschaftsgipfel ins Wiener Luxushotel Imperial.
Uniqa-Chef Konstantin Klien, Telekom-Austria-General Boris Nemsic und Rewe-Boss Martin Lenz analysieren glasklar das Wirtschaftsjahr 2007 und sagen, was jetzt passieren muss. Der Tenor: Österreich muss seine Hausaufgaben mit Ehrgeiz erledigen, um seine Topposition zu halten und weiter profitables Wachstum zu erzielen.
NEWS: Unsere Nachbarländer, insbesondere Deutschland, blickten zuletzt bewundernd auf die österreichische Wirtschaftsstärke. In Österreich sieht man das nicht immer so rosig, beispielsweise bei der Arbeitslosenquote. Mit Blick auf 2007: Wie gut steht es um unsere Wirtschaft tatsächlich?
Konstantin Klien: Die Entwicklung der letzten zwei Jahre bietet eine gute Basis für 2007. Wie im Sport gilt aber: Einmal zu gewinnen ist schön, kann aber Glück sein. Zweimal zu gewinnen ist eine gewisse Bestätigung, aber im dritten Jahr erneut zu gewinnen - das ist die wirkliche Herausforderung. 2007 bedarf einer Menge an Hausaufgaben, um die gute Performance zu stabilisieren.
Martin Lenz: Ich blicke optimistisch auf 2007. Die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute und Banken zeigen guten Wind an. Die Haushaltseinkommen sind 2006 gestiegen, und ich gehe davon aus, dass dies auf den privaten Konsum 2007 positiven Einfluss hat.
Boris Nemsic: Österreich verdient sich mehr Selbstbewusstsein. Denn wir haben allen Grund dazu. Im globalen Wettrennen können wir uns mit anderen vergleichen - und da sind wir sehr gut. Das muss man auch laut sagen. Wir brauchen aber mehr Flexibilität im Kopf, denn nur so können wir das Niveau halten.
NEWS: Wo liegen die Schwächen der österreichischen Wirtschaft? Welche Aufgaben müssen 2007 in Angriff genommen werden?
Nemsic: Nachholbedarf sehe ich bei Investitionen in Infrastruktur und bei der Bildung. Gerade bei der Ausbildung der jungen Leute ist bereits eine Lücke da. Und die müssen wir bei Hochschulen und Universitäten schließen. Denn unser größter Wettbewerbsvorteil weltweit ist ein hoher Ausbildungsstandard.
Klien: Österreich sollte in puncto sprachlicher Weiterentwicklung mehr tun. Das Thema Ostsprachen ist ganz wesentlich. Und die steuerlichen Rahmenbedingungen müssen weiter verbessert werden. Nicht nur die Körperschaftsteuer ist maßgeblich, sondern auch die Einkommensteuer. Gerade für internationale Manager, die von Wien aus tätig sind, ist das sehr wichtig. In Nachbarländern wie Tschechien liegt der Steuersatz bei rund 17 bis 19 Prozent als Flattax. Internationale Manager behalten bei Standortentscheidungen auch die Einkommensteuer im Auge. Und es ist nachweislich so, dass Steuerreduktion über mehr Konsum zu einem insgesamt höheren Steueraufkommen führt. Das Geld muss sich in Wien drehen und nicht weiter östlich oder südöstlich.
NEWS: Stichwort Osteuropa: Besteht die Gefahr, dass unsere östlichen Nachbarländer uns bald wirtschaftlich überholen?
Nemsic: Wir haben die große Chance genützt und Österreich als Teil dieses Raumes positioniert. Es ist Blödsinn, immer noch die Grenzen von 1945 zu ziehen. Problematisch ist aber Folgendes: Weil Österreich technologische und steuerliche Chancen nicht rechtzeitig wahrnimmt, ist die Gefahr gegeben, dass wir hinten bleiben. Nehmen wir ein Beispiel: Österreich und Tschechien haben in etwa die gleiche Penetrationsrate bei Mobiltelefonen. Jetzt liegt Österreich zwar noch bei Breitbandtechnologie vorne, doch was tun wir, um hier vorne zu bleiben? Gar nichts. Wir behindern uns selbst. Daher könnten wir bald erleben, dass diese Länder technologisch vorne sein werden.
Klien: Die Beamtenschaft muss die klare Botschaft bekommen - keine Überbürokratisierung! Versuchen wir das Musterschülerthema Westeuropas zu vergessen. Wir müssen uns der schnelleren Geschwindigkeit der neuen EU-Länder anpassen.
Nemsic: Österreich ist ein Musterbeispiel einer angewandten Bürokratie im Sinne einer Ordnung - das ist fantastisch. Im Ernst: Das ist so gut, dass man es exportieren sollte.
Lenz: Aus meiner Sicht bietet der Osten noch immer mehr Chancen als Risiko. Doch wir dürfen die Entwicklungen im Osten nicht verschlafen.
Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!
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