Deutsche Springer stecken in historischer Krise: Nur noch drei Adler bei Tournee dabei
- Größte Pleite seit zwölf Jahren droht für den DSV
Mit einem zum Torso geschrumpften Team und der düsteren Aussicht auf die größte Pleite seit zwölf Jahren sind die deutschen Skispringer zum Finale der Vierschanzen-Tournee nach Bischofshofen gereist. Nur noch drei DSV-Athleten werden auf der Paul-Außerleitner-Schanze an den Start gehen - so wenige wie noch nie in der Geschichte der Traditionsveranstaltung. Die von Bundestrainer Peter Rohwein nach dem für die Deutschen enttäuschenden Springen in Innsbruck veranlasste Zäsur stellt den vorläufigen Tiefpunkt in der deutschen Springer-Krise dar.
Nachdem Georg Späth von Rohwein bereits in Oberstdorf wegen Formschwäche aussortiert worden war, ereilte dieses Schicksal vor dem Abschluss-Springen auch Maximilian Mechler und Christian Ulmer. Nur Felix Schoft wurde planmäßig aus der Mannschaft genommen, er soll sich auf die Junioren-Weltmeisterschaften vorbereiten. In Bischofshofen treten damit nur Michael Uhrmann, Martin Schmitt und Jörg Ritzerfeld an. "Es hat nicht die Ergebnisse gegeben, die wir erhofft hatten. Alle haben mehr erwartet", sagte dazu DSV-Präsident Alfons Hörmann.
Beim mit Spannung erwarteten Kampf um den Gesamtsieg der 55. Vierschanzen-Tournee geht es für das verbliebene Trio Uhrmann, Schmitt und Ritzerfeld also nur noch um Schadensbegrenzung. "Wir können vorne nicht mehr eingreifen, sondern nur noch versuchen, zum Abschluss ein akzeptables Ergebnis zu erzielen", formulierte der heftig kritisierte Rohwein das Ziel. Im Mini-Kader, mit dem er nach der Tournee auch zum Skiflug-Weltcup nach Vikersund reisen wird, müsse jetzt jeder seine individuelle Bestleistung bringen.
Große Sprünge nach vorne wird es allerdings nicht geben. Uhrmann hat als Neunter bereits 40,5 Punkte Rückstand auf den vor ihm platzierten finnischen Titelverteidiger Janne Ahonen. Wie der Bayer müssen auch Schmitt (13.) und Ritzerfeld (16.) ihre Plätze gegen starke Konkurrenz verteidigen. Im Vorjahr war Späth als Zehnter bester Deutscher, davor hatte es 1994/95 lediglich zu Rang zwölf für Jens Weißflog gereicht. "Es fehlt insgesamt das hohe Niveau", kritisierte der vierfache Tourneesieger seine Nachfolger.
Trotz des schwachen Abschneidens genießt Rohwein weiter das volle Vertrauen der Verbandsspitze. "Ein Bundestrainer, egal wie er heißt, darf nicht für die Versäumnisse der Vergangenheit büßen. Peter Rohwein leistet gute, solide und professionelle Arbeit, mehr kann er nicht tun. Wir sehen keinen Grund zum Handeln", stellte Hörmann klar. Selbst Weißflog, der zu Rohweins schärfsten Kritikern gehört, stärkte dem Coach den Rücken. "Ich halte einen Trainerwechsel für keine Lösung. Die strukturellen Dinge kann ein Bundestrainer ohnehin nur bedingt beeinflussen", so der dreifache Olympiasieger.
Die Gründe für die Misere liegen lange zurück. "Wir spüren die Auswirkungen einer nicht optimalen Nachwuchsarbeit vor fünf, sieben, neun Jahren. Das fällt uns jetzt auf die Füße", erklärte Hörmann. Schon in sechs Wochen sollen die flügellahmen DSV-Adler in Sapporo aber zu einer Mannschafts-Medaille fliegen. "Voraussetzung dafür wäre, dass einer im Spitzenbereich und die anderen in die Top 15 springen. Sonst wird das nichts", redete Rohwein Klartext. Ihm bleibt daher nur harte Arbeit, den vielen deutschen Skisprung-Fans das Prinzip Hoffnung.
(apa/Red)
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