Kometenhafter Aufstieg und schneller Fall: Ex-Sieger Nieminen beneidet Schlierenzauer
- Finne resümiert: "Er hat Leute, die auf ihn aufpassen"
- 29-Jähriger trainiert jetzt das Junioren-Nationalteam
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Der Finne Toni Nieminen ist das Paradebeispiel dafür, wie nahe im Skisprung-Sport kometenhafter Aufstieg und bodenloser Fall beieinander liegen können. Trotz seines kurzen Aufenthalts in der Weltspitze ist der heute 29-Jährige einer der erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten. In der Saison 1991/92 holte das damals 16-jährige Wunderkind bei den Olympischen Winterspielen von Albertville zwei Goldmedaillen (Großschanze und Teambewerb) und ein Mal Bronze (Normalschanze).
Außerdem gewann Nieminen in dieser Zeit acht Weltcup-Springen (1995 folgte noch sein "verspäteter" neunter Sieg in Kuopio) und den Gesamt-Weltcup. Mit Tageserfolgen in Oberstdorf, Innsbruck und Bischofshofen sowie einem zweiten Platz in Garmisch-Partenkirchen verpasste er den ersten Grand Slam der Vierschanzen-Tournee nur um Haaresbreite.
Genau zehn Jahre später sollte dem Deutschen Sven Hannawald dieses Kunststück gelingen. Der Stern des Finnen, der als bis heute jüngster Gesamtsieger (16 Jahre und 220 Tage) in die Tournee-Geschichte einging, war da schon längst verglüht.
Der in Lahti geborene Nieminen, einer der ersten V-Stil-Springer überhaupt, konnte an die Erfolge von 1992 nie mehr anknüpfen. Gewichts- und Wachstumsprobleme warfen das damalige Milchgesicht aus der Bahn, die später durch Alkohol noch schiefer werden sollte. Nur im März 1994 ließ Nieminen noch einmal gewaltig aufhorchen, als er in Planica/Slowenien als erster Skispringer einen Flug über 200 Meter stand. Andreas Goldberger war zuvor nach einem 202-m-Flug gestürzt, somit fand der Finne mit 203 m erneut Eingang in die Geschichtsbücher.
14 Jahre nach seiner Glanzzeit begleitet ein durch die harte Schule des Lebens gegangener und geläuterter Toni Nieminen die Tournee als Co-Kommentator für den finnischen Fernsehsender MTV3. Außerdem ist er Trainer des finnischen Junioren-Nationalteams. Das Milchgesicht ist einem reifen und kantigen Gesichtsausdruck gewichen. Die Leistungen des Österreichers Gregor Schlierenzauer, der die Tournee am 7. Jänner, seinem 17. Geburtstag, gewinnen könnte, verfolgt Nieminen natürlich mit großem Interesse.
Er weiß aus eigener Erfahrung: "So einen jungen Burschen muss man einfach springen lassen. Man darf ihm nicht zu viel dreinreden." Um die Strukturen im ÖSV beneidet Nieminen den Tiroler. "Er hat Leute, die auf ihn aufpassen und ihm bei vielen Sachen helfen. Das ist ein unschätzbarer Vorteil. Solche Leute habe ich nicht gehabt."
Der frühere finnische Superstar, der mehrere Jahre das Leben eines Pop- oder Rockstars führte, räumte aber auch ein: "Der große Unterschied zwischen uns ist natürlich die Sprache. Mit mir haben damals bei der Tournee viel weniger Journalisten geredet und daher habe ich auch viel weniger Druck gehabt." Ganz anders sei die Situation da bei Schlierenzauer: "Gregor steht in Österreich und Deutschland immer total im Mittelpunkt, das macht es noch viel schwerer für ihn." Ob er Schlierenzauer schon kennen gelernt hat? "Nein, zum Reden haben wir noch keine Zeit gehabt."
(apa/red)
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