Donnerstag, 4. Jänner 2007

Marlies Schild weiter eine Klasse für sich: "Snow Queen" triumphiert in Slalom in Zagreb

  • Sensationsläufe: 1,66 Vorsprung vor Kroatin Jelusic
  • Neunter ÖSV-Sieg im 14. Damenrennen der Saison

Das Missgeschick vom Semmering ist Geschichte, wenn sich Marlies Schild nicht selbst schlägt, dann ist sie im Slalom derzeit nicht zu schlagen. Die 25-jährige Salzburgerin krönte sich auf dem Sljeme bei Zagreb überlegen vor der Kroatin Ana Jelusic (1,66 Sek. zurück) und der Tschechin Sarka Zahrobska (1,85), die beide erstmals aufs Weltcup-Podest fuhren, zum zweiten Mal en suite zur "Snow Queen" und ließ sich im höchstdotierten und einem der genialsten Weltcuprennen des Winters vor 25.000 Zuschauern feiern. Es war ihr zwölfter Weltcupsieg, der zehnte im Slalom und insgesamt fünfte erste Platz in dieser Saison.

Die Organisatoren des Nacht-Events hatten aus wenig Schnee das Beste herausgeholt und eine gute Piste, die auch dem Regen trotzte, hingezaubert. Schild - sie stellte mit vier Slalomsiegen den rot-weiß-roten Saisonrekord von Roswitha Steiner 1985/1986 ein - ging mit einem Guthaben von 1,09 Sekunden auf die Schwedin Anja Pärson, die zuletzt den Semmering-Slalom wegen einer Knieverletzung ausgelassen hatte, und 1,40 auf Jelusic in den zweiten Durchgang. "Es war ein sehr guter Lauf, die Verhältnisse waren schwierig. Ein paar Hackler waren drinnen, aber etwas zu bemängeln gibt es immer", sagte Schild zur Halbzeit.

Hexenkessel-Stimmung pur dann im Finale auf dem Bärenberg: Die WM-Dritte Zahrobska, die 14. nach dem ersten Durchgang, lag noch in Führung, als die Top-Fünf ins Rennen gingen. Semmering-Siegerin Therese Borssen aus Schweden schied auf dem Weg zu einer neuen Bestzeit aus. Resi Stiegler (USA) fiel zurück. Und als dann Lokalmatadorin Jelusic in Führung ging und es wenige Tore vor dem Ziel Pärson aushob und aus dem Rennen warf, da konnte nur noch Schild einen kroatischen Heimsieg, den Janica Kostelic in bisher zwei Auflagen nicht geschafft hat, verhindern. Doch die Salzburgerin behielt Nerven, trotz ein paar Hackler brachte sie einen Vorsprung von 1,66 Sekunden ins Ziel und erhielt standesgemäß Krone und Mantel sowie 60.000 Euro Preisgeld.

Einen Sieg vor Gleichstand mit Raich
Österreichs erfolgreichste Slalomläuferin der Weltcup-Geschichte fehlt in dieser Disziplin übrigens nur noch ein Erfolg, um mit Freund Benjamin Raich gleichzuziehen, der die ÖSV-Rekordzahl von elf Slalomsiegen zu Buche stehen hat.

Niki Hosp hatte bereits im ersten Durchgang alles verspielt. "Bei der Besichtigung hat es härter ausgesehen, ich habe es nicht so weich erwartet, ich bin zu hart gefahren", ärgerte sich die Tirolerin, die als Achte +1,99 Sekunden zurückgelegen war und im Finale auf Rang elf landete (+2,94 Sek.). Nicht besser war es Kathrin Zettel ergangen, die wortlos wieder den Sessellift rauf zum Start zur Besichtigung des zweiten Laufes genommen hatte und sich am Ende als Zwölfte (3,04) klassierte. Allerdings ist die Niederösterreicherin gesundheitlich angeschlagen.

Trauerflor für verstorbene Prokop
Daniela Zeiser hatte als 31. das Finale verpasst (4,00 Sek.), klar am zweiten Lauf vorbei fuhr Christine Sponring als 46. (+6,40). Michaela Kirchgasser war im ersten Durchgang ausgeschieden. Zettel und Sponring waren mit Trauerflor für die verstorbene Innenministerin Liese Prokop gefahren.

Vor Marlies Schild verneigt sich die direkte Konkurrenz - auch auch andere. Wie etwa die Geschwister Kostelic, die beide als Vorläufer dabei waren. Die dreifache Gesamtweltcupsiegerin Janica, die in diesem Winter pausiert, meinte kritisch: "Wenn ich mir das so anschaue, dann bin ich froh, dass ich heuer nicht Teil des Weltcups bin, mit Ausnahme von Marlies, die Meilen voraus ist, schaut das im Slalom alles so schlecht aus." Einzig Pärson wollte sie zusätzlich noch ausnehmen. Ihr Bruder Ivica beobachtete ebenfalls ganz genau: "Marlies ist einen Schritt weiter als alle anderen. Mein Vater würde sagen, das ist nur das Training, ich sage, es ist Training und Talent."

Respekt: "Sie ist eine eigene Liga"
Die Deutsche Monika Bergmann-Schmuderer (Siebente) meinte zur Überlegenheit der Salzburgerin Marlies Schild: "Sie ist eine eigene Liga und derzeit nicht zu schlagen, da muss sie schon selbst Fehler machen. Für uns ist das ein bisschen frustrierend. Wir können nur weiter hart arbeiten." Für Österreichs Damen bedeutete dies den neunten Erfolg im 14. Rennen des WM-Winters 2006/2007.

Tabelle
1.Marlies SchildAUT1:59,40 Min.57,7761,63
2.Ana JelusicCRO2:01,06+1,6659,1761,89
3.Sarka ZahrobskaCZE2:01,25+1,8560,2561,00
4.Chiara CostazzaITA2:01,42+2,0259,5861,84
5.Resi StieglerUSA2:01,50+2,1059,1962,31
6.Tanja PoutiainenFIN2:01,71+2,3159,8261,89
7.Monika Bergmann-SchmudererGER2:01,75+2,3559,9461,81
8.Julia MancusoUSA2:02,01+2,6160,4561,56
9.Veronika ZuzulovaSVK2:02,24+2,8460,9561,29
10.Manuela MoelggITA2:02,27+2,8760,4061,87
11.Nicole HospAUT2:02,34+2,9459,7662,58
12.Kathrin ZettelAUT2:02,44+3,0460,1662,28
13.Sandrine AubertFRA2:02,81+3,4160,1962,62
14.Sanni LeinonenFIN2:02,82+3,4260,1062,72
15.Kathrin HölzlGER2:02,94+3,5461,4761,47
16.Katarzyna KarasinskaPOL2:03,00+3,6061,2261,78
17.Kaylin L. RichardsonUSA2:03,02+3,6260,2662,76
18.Lindsey C. KildowUSA2:03,06+3,6660,8862,18
19.Florine de LeymarieFRA2:03,08+3,6861,0262,06
20.Maria Pietilä-HolmnerSWE2:03,20+3,8059,5563,65
21.Anna OttossonSWE2:03,23+3,8360,7462,49
22.Vanessa VidalFRA2:03,38+3,9860,7762,61
23.Annalisa CeresaITA2:03,59+4,1960,7962,80
24.Fanny ChmelarGER2:03,68+4,2861,3462,34
25.Brigitte ActonCAN2:04,29+4,8961,2963,00


Ausgeschieden:
Im 1. Durchgang, u.a.: Michaela Kirchgasser (AUT), Annemarie Gerg,
Maria Riesch, Susanne Riesch (alle GER), Nina Löseth (NOR)
Im 2. Durchgang: Anja Pärson, Therese Borssen (beide SWE), Lene
Löseth (NOR)
Disqualifiziert nach dem 2. Durchgang: Nicole Gius (NOR), Aita
Camastral (SUI)

(apa/red)

4.1.2007 22:23