Samstag, 6. Jänner 2007

Äthiopien kündigt an: Truppen werden aus Somalia binnen zwei Wochen abgezogen

  • Soldaten sollen Lage im Land noch stabilisieren
  • UNO: Helfer könnten bald nach Somalia zurückkehren

Äthiopien will seine Truppen in Somalia nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Wochen abziehen. In dieser Zeit sollten die Soldaten der somalischen Übergangsregierung weiter dabei helfen, das von einem Bürgerkrieg mit Islamisten zerrüttete Land zu stabilisieren, sagte Ministerpräsident Meles Zenawi in einem vom Fernsehsender Al Jazeera ausgestrahlten Interview. Unterdessen stellte die UNO in Aussicht, ihre Helfer bald nach Somalia zurückkehren zu lassen.

Die äthiopischen Soldaten blieben nicht länger als nötig. Die Kämpfe seien beendet. Die äthiopischen Truppen hätten versucht, den Islamisten hohe Verluste beizubringen, damit diese sich möglichst nicht wieder neuformieren könnten.

Die somalischen Regierungstruppen hatten in den vergangenen zwei Wochen nur mit massiver Unterstützung der äthiopischen Armee die Islamisten vertreiben können, die im Juni die Macht in weiten Landesteilen übernommen hatten, unter anderem in der Hauptstadt Mogadischu.

Frankreich hat einem Diplomaten zufolge unterdessen das UNO-Waffenembargo gegen Somalia in Frage gestellt. Ein Ende des Boykotts könnte nach Meinung der Regierung in Paris ein Ungleichgewicht beim Waffenbestand von Regierungstruppen und Islamisten verhindern, sagte der EU-Diplomat am Freitag in Brüssel. Er äußerte sich nach einem Treffen von Vertretern der Europäischen Union (EU), die über Wege zur Befriedung Somalias beraten hatten.

Somalische Regierungstruppen hatten in den vergangenen zwei Wochen nur mit massiver Unterstützung der äthiopischen Armee die Islamisten vertreiben können, die im Juni die Macht in weiten Landesteilen übernommen hatten, unter anderem in der Hauptstadt Mogadischu.

Ein Embargo der Vereinten Nationen (UNO) aus dem Jahr 1992 verbietet der somalischen Regierung, Waffen im Ausland zu kaufen. Das Embargo wird jedoch weitgehend ignoriert. Im Dezember hatte der UNO-Sicherheitsrat das Einfuhrverbot bereits offiziell gelockert.

UNO-Helfer bald zurück?
Die Vereinten Nationen sind bereit, Helfer nach Somalia zurückzusenden. Zuvor müsse jedoch sichergestellt werden, dass diese ungefährdet arbeiten und zu den hilfsbedürftigen Menschen gelangen könnten, sagte UNO-Hilfskoordinatorin Margareta Wahlström. Die Vereinten Nationen verhandelten derzeit mit der somalischen Übergangsregierung.

Die Organisation zog alle bis auf zwei ausländische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Dezember aus Somalia ab, als die Kämpfe zwischen Islamisten sowie äthiopischen und somalischen Regierungstruppen begannen. Die somalischen Mitarbeiter blieben dagegen im Land und setzten ihre Arbeit so gut wie möglich fort. Vor den Kämpfen waren etwa 20 ausländische Helfer in Somalia.

Das Land ist laut Wahlström seit dem Sturz des Diktators 1991 ohne funktionierende Regierung und von der Hilfe der UNO abhängig. Der Sieg der Regierungstruppen über die Islamisten lasse nun Hoffnungen aufkommen, dass sich die Situation in dem Land verbessern könnte. Allerdings warnte Wahlström vor zu viel Zuversicht. Beobachter befürchten einen Guerillakrieg ähnlich dem Aufstand gegen die Regierung im Irak.

(apa/red)

6.1.2007 08:24