Freitag, 5. Jänner 2007

US-Eltern stoppen Entwicklung: Behinderte Neunjährige bleibt körperlich für immer Kind

  • Ashley verfügt über geistige Fähigkeiten eines Babys
  • Fall sorgt für Aufsehen und eine ethnische Debatte

In den USA haben Mediziner auf den Wunsch der Eltern die körperliche Entwicklung eines neunjährigen schwerstbehinderten Mädchens aus Seattle gestoppt. Als Ashley sechs Jahre alt war, begannen die Ärzte mit der Behandlung: Hohe Dosen des Hormones Östrogen sollten ihre Größe und Gewicht "einfrieren".

Dies berichtete Reuters. Das Mädchen kann nicht gehen, sprechen oder ihren Kopf selbstständig halten und befindet sich geistig im Zustand eines Babys. Sie leidet an "statischer Enzephalopathie", einem irreparablen Gehirnschaden.

Entfernung der Gebärmutter
Die Mediziner entfernten dem Kind auch die Gebärmutter, um laut Eltern Krebs oder Unannehmlichkeiten und Beschwerden durch die Menstruation zu verhindern. Die Entwicklung der Brust hemmten die Ärzte durch Entfernung der Brustknospen.

Ethnische Debatte ausgelöst
Der Fall hat nach der Veröffentlichung von Ashleys Geschichte in einem Medizin-Journal im Oktober für Aufsehen gesorgt und neuerlich eine ethische Debatte in der Medizin ausgelöst. Viele Ärzte kritisierten den künstlichen Wachstums-Stopp. In der ersten Jänner-Woche wandten sich die Eltern nun erstmals an die Öffentlichkeit: In einem Weblog verteidigen sie ihre Entscheidung zu der Behandlung und bezeichnen diese als notwendig für die Lebensqualität des Kindes.

Eltern: "humanere Lösung"
Diese zu erhöhen, sei das wenigste, was sie als liebende Eltern und Pfleger des Kindes zu könnten. Das Paar bezeichnete sein Vorgehen als "humanere Lösung" für Ashley. Es sei ein Missverständnis, dass es ihnen um ihren eigenen Vorteil gehe. Die Entscheidung für diese Eingriffe sei keine schwierige gewesen, schreiben die Eltern auf der Website (http://ashleytreatment.spaces.live.com/blog/).

Für immer 1,30 Meter groß
Der "Pillow-Angel" (Kissen-Engel) - die Eltern bezeichnen die Neunjährige so, weil sie ihren Kopfpolster nicht verlässt und so "süß" ist - wird durch das Östrogen für immer 1,35 Meter groß und 24 Kilogramm schwer bleiben. "Ashley kann sich so weiter entzücken, in unseren Armen gehalten zu werden, sie kann bewegt werden und öfter auf Ausflüge mitgenommen werden und wird mehr Möglichkeit zu gesellschaftlichem Zusammensein haben", argumentierte das US-Paar. Ohne der Behandlung würde Ashley Schätzungen zufolge zu einer 1,67 Meter großen 57 Kilogramm schweren Frau heranwachsen.

Uniprofessor: "Keine Lösung"
"Pubertät, Wachstum und Altern passieren uns allen und es gibt eine Menge Menschen, die Hilfe von ihrer Familie oder der Gesellschaft brauchen würden", sagte Arthur Caplan von der Universität Pennsylvania. Es sei keine Lösung, jeder Person, die schizophren, autistisch oder verhaltensauffällig ist in Kind-ähnlichem Zustand zu belassen, meinte er. David Fleming von Zentrum für Gesundheitsethik der Universität Missouri wiederum sagte: "Es scheint, als hätten die Eltern im besten Interesse für ihr Kind gehandelt."

Zustimmung eingeholt
Bevor die Ärzte im Jahr 2004 mit den Operationen und der Hormon-Behandlung begannen, holten sie die Zustimmung eines 40-köpfigen Ethik-Komitees des Kinderkrankenhauses in Seattle ein.

(apa/red)

5.1.2007 15:47