"Sind zuversichtlich": Mutter von Irak-
Geisel Nussbaumer froh über Lebenszeichen
- Außenamt weist Lösegeld-Spekulationen zurück
- Experte: "Zwischen drei und fünf Millionen üblich"
·Nussbaumer-Video im Irak aufgetaucht!
Österreicher und 4 US-
Geiseln scheinen wohlauf
·Bekannte sprechen über Bert Nussbaumer
"Kämpfer" mit großem
Sinn für Gerechtigkeit

Die Mutter des im Irak entführten Oberösterreichers Bert Nussbaumer hat sich am Freitag für die große Anteilnahme bedankt. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte die sichtlich gezeichnete 46-jährige Maria Nussbaumer am Nachmittag in ihrer Heimatgemeinde Altmünster (Bezirk Gmunden). Sie lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Innen- und Außenministerium sowie mit Bürgermeister Hannes Schobesberger. Das Außenministerium wies indes Spekulationen über Lösegeldforderungen zurück. Es gebe auch keine Kontakte mit den Entführern, sagte Außenamtssprecherin Astrid Harz der APA.
Die Mutter des Entführungsopfers und der 24-jährige Bruder von Bert Nussbaumer beantworteten einen von ihnen vorgegeben Fragenkatalog. Ihr 25-jähriger Sohn dürfte unverletzt und "in keinem schlechten Zustand" sein, so die Frau zu einem Video, das ihn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zeigt. "Darüber war ich sehr froh." Sie habe immer versucht, ihm auszureden, bei einem Security-Unternehmen zu arbeiten.
Berts Bruder Franz berichtete, dass diesem bewusst gewesen sei, dass er sich Gefahren aussetze. Von konkreten gefährlichen Situationen habe er ihm in regelmäßigen Telefonaten aus dem Irak jedoch nichts erzählt.
Trotz der Zweifel, die sie stets gehabt habe, sei die Hoffnung immer stärker gewesen, betonte Maria Nussbaumer. Den Tränen nahe bedankte sie sich bei allen, die für ihren Sohn beten, und für die große Anteilnahme: "Damit hätte ich nicht gerechnet." Ohne die Hilfe der Behörden und des Bürgermeisters hätte sie die Situation nicht durchgestanden, erklärte die Frau.
Der 25-jährige Ex-Soldat aus Altmünster (Bezirk Gmunden) war am 16. November gemeinsam mit vier US-Amerikanern nahe der Stadt Safwan an der Grenze zu Kuwait entführt worden. Die gewordene Videoaufnahme trägt die Datumsanzeige 21. und 22. Dezember.
Experten rechnen indes mit einem Lösegeld von mehreren Millionen Dollar (1 Dollar = 0,763 Euro) für Nussbaumer. "Zwischen drei und fünf Millionen sind üblich", sagte der deutsche Terrorexperte Rolf Tophoven der Tageszeitung "Österreich". Harz sagte dazu, sie wolle "nicht abstrakt" darüber spekulieren. "Es gibt keine Lösegeldforderungen." Bekannt sei lediglich die Forderung nach Freilassung von Gefangenen, die auf dem Video von einem der Mitgefangenen Nussbaumers vorgetragen wurde. Harz sagte weiter, dass die österreichischen Behörden auch nicht über Unterhändler im Kontakt mit den Entführern stünden.
Solchen Dementis schenken Experten wenig Glauben. "Sie machen, was sie wollen und zahlen Millionen, egal, was sie offiziell über die Nichtzahlung von Lösegeld behaupten", charakterisierte ein irakischer Sicherheitsexperte gegenüber der Tageszeitung "Die Presse" die Vorgangsweise westlicher Staaten in Entführungsfällen. Deutschland, Frankreich und Italien hätten in zwei Jahren 45 Mio. Dollar aufgebracht, um ihre Bürger im Irak freizukaufen.
Laut Harz gibt bisher auch noch "keine Ergebnisse" zur Identität und zum Hintergrund der Entführergruppe. Der deutsche Risikoberater Oliver Schneider sagte im Ö1-Morgenjournal, der "Modus Operandi" der Entführung deute auf einen kriminellen Hintergrund hin. Es gebe im Irak immer mehr kriminelle Gruppen, "die Entführung als Business betreiben", sagte Schneider, der für Versicherungen bereits mit Entführern verhandelt hatte. Es sei ein "ganz gutes Zeichen", dass nun schon das zweite Video mit den Entführten aufgetaucht sei. "Jetzt sehe ich es so, dass man die Verbindung hergestellt hat. Im Hintergrund werden Verhandlungen laufen."
Auf dem Video mit Nussbaumer und seinen US-Mitgefangenen bezeichnen sich die Geiselnehmer als "Nationaler Islamischer Widerstand im Irak - Furqan Brigaden". Harz sagte dazu, viele Gruppen im Irak träten unter unterschiedlichen Namen auf und verschwänden dann wieder. Die US-Journalistin Hannah Allam, die ein erstes Video mit Nussbaumer gesehen hatte, sagte der "Presse", sie vermute eine Splittergruppe der schiitischen Mahdi-Armee des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr hinter der Tat.
In der Nähe der südirakischen Stadt Basra wurde indes ein weiterer US-Bürger entführt. Bewaffnete Männer hätten ihn und zwei Iraker an einem falschen Kontrollpunkt nahe der Ortschaft Hartha angehalten und zum Verlassen des Autos gezwungen, teilte die Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mit. In dieser Region waren auch Nussbaumer und seine vier US-Kollegen entführt worden, als sie einen Lebensmittelkonvoi aus Kuwait in den Irak begleitet hatten.
(APA/red)
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