Donnerstag, 4. Jänner 2007

Grasser-Kabinettchef bringt Staatsoper zum
Toben: Begehrte Tickets verfallen lassen

  • Repräsentative Plätze für Netrebko-Gala blieben leer
  • Oper aus dem Häuschen: Noch nie zuvor passiert

Der Kabinettchef von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Matthias Winkler, hat Karten für eine Loge in der Wiener Staatsoper, die eigentlich für Repräsentationsaufgaben des Finanzministers reserviert sind, privat verwendet und sich damit Unmut im Opernpublikum zugezogen. Denn Winkler hat alle sechs Karten in der Loge für eine besonders begehrte Aufführung von Bellinis "La sonnambula" mit Opernstar Anna Netrebko am 22. 11. erstanden, ist jedoch dann allein mit seiner Frau erschienen.

Damit blieben vier Plätze der umjubelten Vorstellung leer. Die Vorgangsweise, "eine ganze Loge zu kaufen, dann aber nur zweit dort zu sitzen, ist absolut inakzeptabel", sagt der kaufmännische Direktor der Staatsoper, Thomas Platzer. Winkler teilte laut "Standard" mit, dass "ich ganz normal Karten für die Oper gekauft habe, und zwar alle Karten dieser Loge."

"Ich bin 26 Jahre hier im Haus. So etwas habe ich noch nie gehabt", so Platzer zur APA. Die Staatsoper habe das Finanzministerium aufgefordert, Derartiges "nach Möglichkeit künftig zu unterlassen". Weiters soll künftig beobachtet werden, wie die Loge genutzt wird, kündigt Platzer an.

Repräsentationslogen in der Staatsoper können bis eine Woche vor der Vorstellung vom Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler, dem Finanzminister und dem für die Bundestheater zuständigen Minister gebucht werden. Die Karten werden dabei zum Vollpreis erstanden. Werden die Plätze nicht benötigt, kommen sie in den regulären Verkauf.

Bisher sei nicht überprüft worden, wer die Karten bei einer Anforderung durch das Finanzministerium verwendet, so Platzer. "Das Finanzministerium fordert an, das Finanzministerium schickt hin". Dabei sei es auch möglich, dass der Finanzminister jemanden anderen für Repräsentationsaufgaben in die Vorstellung entsendet, schildert Platzer, beispielsweise den Kabinettschef mit einem ausländischen Kabinettschef. Unstimmigkeiten dabei seien zuvor niemandem aufgefallen.

Netrebko hat im November 2006 vier ausverkaufte Vorstellungen von Bellinis "La sonnambula" in der Wiener Staatsoper gesungen.

(apa/red)

4.1.2007 13:43