Samstag, 6. Jänner 2007

2007 - das Jahr des Raucherkriegs! Kommt Totalverbot? Wirte steigen auf Barrikaden

  • Ärzte: Es geht um die Gesundheit der Nichtraucher
  • NEWS: Alles über das heurige Streitthema Nummer 1

Dicke Luft 2007. Seit 1. Jänner ist Rauchen in Lokalen eingeschränkt. Wirte fürchten ein Totalverbot und steigen auf die Barrikaden. Nachdem bereits in den vergangenen Jahren die Zigarettenpreise drastisch erhöht wurden und seit dem 1. 1. 2006 ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen wie Spitälern und Bahnhöfen gilt, ist mit dem Neujahrstag des heurigen Jahres eine weitere Verschärfung im Kampf gegen den blauen Dunst in Kraft getreten.

Diese hat bereits im Vorfeld zu heftigen Diskussionen geführt und dürfte die Zigarette im heurigen Jahr an den Wirtshaustischen ebenso wie in der bundesweiten Politarena zum beliebtesten Diskussionsthema machen.

Keine räumliche Trennung
Denn mit 1. Jänner 2007 ist für rund 19.000 heimische Restaurants und Kaffeehäuser eine freiwillige Zielvereinbarung zum Nichtraucherschutz in Kraft getreten. Der Inhalt: Speiselokale mit einer Größe von über 75 Quadratmetern müssen ab sofort 40 Prozent ihres Lokals zum Nichtraucherbereich erklären. Eine Regelung, die Gesundheitsexperten allerdings nicht weit genug geht. Denn: Die Nichtraucherplätze müssen nicht räumlich von den Raucherbereichen getrennt sein - und bringen Nikotin-Verweigerern somit wenig Erleichterung. Hinzu kommt, dass derzeit noch nicht feststeht, wer die Einhaltung der Zielvereinbarung kontrollieren soll - und die Maßnahmen keine gesetzliche Grundlage über allfällige Bußgelder besitzen. "Wir hinken dem Nichtraucherschutz hinterher, und das ist untragbar - vor allem weil wir wissen, dass auch für Passivraucher die Gesundheitsschäden enorm sind", betont Walter Dorner, Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer, die ein striktes Rauchverbot nach italienischem Vorbild fordert. Dorner: "Die Bundesregierung muss dem Nichtraucherschutz dringend höhere Priorität einräumen. Jeder Mensch hat Anrecht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz - auch in der Gastronomie. Es geht nicht darum, die Raucher zu bestrafen - sondern die Gesundheit der Nichtraucher zu sichern."

Musterschüler & Rebellen
Eine Tatsache, die Gastronomen naturgemäß anders sehen. Helmut Hinterleitner, Obmann des Fachverbandes Gastronomie der österreichischen Wirtschaftskammer: "Die Zielvereinbarung ist vollkommen ausreichend und bietet Familien mit Kindern sowie Nichtrauchern genug Sicherheit. Wir haben in Österreich nun einmal sehr viele Genussraucher - und wieso sollen die nicht rauchen dürfen, wo sie wollen?"

Ausgesprochen genau mit dem Nichtraucherschutz nimmt man es im Wiener Traditionsbetrieb Hotel Sacher, wo bereits 60 Prozent des Restaurant-und Cafébereichs rauchfrei sind. Sacher-Chefin Gürtler: "Damit kommen wir einem oft geäußerten Wunsch unserer Gäste nach." Gänzlich anders sieht das Andreas Flatscher, Chef des Wiener Szenelokals "Wäscherei". Der Jungunternehmer hat zwar einige wenige Tische seines Lokals zu Nichtraucherzonen erklärt, hält von der Vereinbarung aber wenig: "Ich habe noch nie Beschwerden gehabt. Man soll doch den Gästen überlassen, ob sie rauchen wollen oder nicht. Ohne eigens getrennte Räumlichkeiten ist das Ganze doch ziemlich sinnlos. Wenn bei mir ein Gast rauchen will und keinen Platz mehr im Raucherbereich bekommt, nehme ich die Schilder sicherlich weg."

Fest steht jedenfalls, dass die Zielvereinbarung nur ein weiterer Schritt hin zu einem Trend ist, dem nach den USA nun auch immer mehr europäische Länder folgen: dem totalen Rauchverbot. Nachdem in Irland, Spanien, Schweden und Italien bereits strikte Rauchverbote herrschen und demnächst Frankreich und Deutschland folgen, ist der Nichtraucherschutz nun auch in den Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP ein Thema. Salzburgs Landeshauptfrau und SP-Gesundheitsverhandlerin Gabi Burgstaller will sogar ein generelles Rauchverbot einführen. "Wir möchten die Gastronomie keinesfalls übergehen. Dennoch geht es darum, maximalen Nichtraucherschutz zu gewährleisten", so Gesundheitsministeriumssprecher Jürgen Beilein.

Die Diskussion um den blauen Dunst veranlasst mittlerweile immer mehr Lokalbesitzer zu eigenwilligen Maßnahmen. So hat ein Gastronom seinem Ärger über die Rauchverbote plakativ Luft gemacht und direkt am Eingang seines Lokals ein Schild angebracht. Der Wortlaut: "Raucherlokal - Betreten für Nichtraucher auf eigene Gefahr!"

Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

6.1.2007 16:48