BAWAG-Deal ist endgültig perfekt: Vertrag zum Verkauf an Cerberus unterzeichnet!
- Job-Sicherheiten, doch keine Garantie im Vertrag
- Keine Sektlaune beim ÖGB: Schwere Trennung
Am vorletzten Tag des BAWAG-Skandaljahres 2006 war es endlich geschafft: Der Verkauf der Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. an die Amerikaner ist vertraglich fixiert. Die österreichische Bank geht im April oder Mai 2007 an ein Konsortium unter Führung des US-Investors Cerberus. Erst dann ist der Kaufpreis in den Kassen des Verkäufers, des ÖGB. Als Forderung kann die Gewerkschaft den erwarteten Zufluss aber schon jetzt für die aktuelle Bilanz verbuchen.
Direkte Bankaktionärin ist die ÖGB-eigene "Schuldenholding" AVB (Anteilsverwaltung BAWAG). In ihr sind die "Karibik"-Altlasten der alten BAWAG geparkt. Als unmittelbare Verkäufer haben deshalb die AVB-Spitzen den druckfrischen Vertrag unterfertigt.
Der amerikanische Private-Equity-Fonds Cerberus nimmt für die fünftgrößte Bank des Landes rund 3,2 Mrd. Euro in die Hand. Mit an Bord hat Cerberus die Generali Versicherung und Wüstenrot sowie die österreichische Post. Auch mehrere österreichische Industrielle rund um Hannes Androsch wollen minimale BAWAG-Aktienpakete kaufen.
ÖGB kann Schulden abbauen
Mit dem Bankverkauf muss der ÖGB seine existenzbedrohenden Schulden abbauen. Das wird, wie ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider prognostizierte, "im höchstmöglichen Ausmaß" der Fall sein.
Deal ließ auf sich warten
Letzte offene Haftungsfragen bei Bank und Banktöchtern galten zwar schon am Freitag als ausgeräumt. Dennoch ließ der Deal auf sich warten: Kurz nach halb fünf Uhr früh war nach einem am Nachmittag davor begonnen Sitzungsmarathon das "Signing" des 80-seitigen Kaufvertrags samt meterhoher Anlagen-Stapel beendet. Sektkorken knallten nicht. Nicht nur mit Rücksicht auf die vorgerückten Stunde, wie der ÖGB-Finanzchef am heutigen Samstagvormittag gegenüber der APA bekannte. Auch wegen der Umstände an sich. Es war ja ein Notverkauf: "Der ÖGB hätte seine BAWAG nicht verkauft, wenn er nicht hätte verkaufen müssen".
Schneider sprach von der größten Bar-Transaktion, die Österreichs Bankenwelt je gesehen habe. Und für den ÖGB, die Bank selbst, für den Finanzstandort und für die Sozialpartnerschaft war es eine der wichtigsten überhaupt.
Bundesgarantie wird abgelöst
2,6 Mrd. Euro bekommt der ÖGB für die über die AVB gehaltenen BAWAG-Aktien. Cerberus und Konsorten werden die BAWAG zudem mit rund 600 Mio. Euro Kapital ausstatten, um die bis zum Verkauf befristete Bundesgarantie abzulösen.
Schuldenhöhe der ÖGB noch unklar
Ob und wie viele Schulden dem ÖGB nach dem Bankverkauf bleiben, wird erst nach der Bilanzierung fest stehen. Der ÖGB werde so weit wie möglich schuldenfrei sein, es gebe keine Insolvenzgefahr. Die habe auch nie bestanden, erklärt Schneider, "allen wüsten Behauptungen zum Schuldenstand zum Trotz".
Keine Arbeitsplatzgarantie
Eine Arbeitsplatzgarantie für die rund 4.500 BAWAG-Mitarbeiter in der Kernbankengruppe ist im Vertrag nicht enthalten. "Das steht im Konzept von Cerberus, und das war damit für uns ausschlaggebend". Dieses Konzept garantiere im höchstmöglichen Maß, dass Arbeitsplätze erhalten blieben. Vor "Heuschrecken"-Manieren eines auf Sanierungen spezialisierten US-Fonds hat Schneider keine Angst: "Absolut nicht. Die Investoren werden nicht sehr viel Geld einbringen, um das Unternehmen dann zu zerschlagen". Die BAWAG P.S.K. als Gesamtheit sei Gewähr für Wachstum und Wertsteigerung. In drei bis fünf Jahren sieht die Käufergruppe die Bank börsereif.
"Es gibt eine Zukunft, und die ist heute ein Stück näher gerückt", sagte Schneider vor allem auch in Richtung der eigenen, der Gewerkschafts-Belegschaft.
Versteckte Risiken?
Dass versteckte Risiken oder Unstimmigkeiten den Kaufvertragsabschluss verzögert haben, bestreitet der ÖGB-Finanzboss vehement. Über Vertragsdetails selbst - auch zu den bisher schon genannten Kaufpreisvorbehalten bis zum Closing im Frühjahr - sei mit Cerberus Stillschweigen vereinbart.
Schwere Trennung für ÖGB von BAWAG
Für den ÖGB war es ein schwerer Schritt, sich von seiner Bank zu trennen. Sie war das letzte große Asset. Teure Fehlspekulationen der einstigen Bankführung in Übersee und letztlich der Zusammenbruch des US-Brokers Refco hatten sowohl die BAWAG als auch deren Eigentümer ÖGB an den Rand der Pleite getrieben. Nur mittels Bundesgarantie über 900 Mio. Euro konnte ein Bankzusammenbruch heuer im Mai verhindert werden.
Der BAWAG-Skandal gilt schon jetzt als der größte Wirtschaftsskandal der Nachkriegszeit. Auf die Schlüsselfiguren und Mittäter der einstigen Fehlspekulationen warten lange und wohl spektakuläre Gerichtsprozesse.
Nowotny wird als Bankchef übernommen
Der seit Jänner amtierende BAWAG-Chef Ewald Nowotny, dessen Vertrag im Frühjahr 2008 ausläuft, wird im Moment des Closing einen neuen Fünfjahresvertrag als Vorstandschef bekommen. Über die anderen Vorstände verlautet zunächst noch nichts. (apa/red)
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