Österreichs Jungadler springt allen davon: Schlierenzauer siegt bei Vierschanzen-Start!
- 142-Meter-Satz katapultierte Tiroler ganz nach vorne
- Küttel (SUI) & Malysz (POL) auf den Plätzen 2 und 3
·"Schlierenzauer hat den nötigen Schmäh!"
Ex-Klasse-Rodler Prock betreut Shooting Star
·INTERVIEW: ÖSV-Star Gregor Schlierenzauer
Talent aus Tirol im Wort- laut. Plus: Steckbrief

Gregor Schlierenzauer ist in Oberstdorf endgültig im Kreis der absoluten Skisprung-Weltklasse gelandet. Der 16-jährige Tiroler gewann den Auftaktbewerb zur 55. Vierschanzen-Tournee überlegen vor dem Schweizer Andreas Küttel und dem Polen Adam Malysz. Tournee-Debütant Schlierenzauer, der schon im ersten Durchgang mit 135,5 Metern die Höchstweite erzielt hatte, flog der Konkurrenz im Finale mit der Tagesbestweite von 142 Metern auf und davon.
Beachtliche 9,5 Punkte betrug der Vorsprung des Shooting Stars, der in seiner ersten Weltcup-Saison bereits den dritten Sieg feierte und die Weltcupführung übernahm, am Ende auf Küttel. Malysz folgte weitere 6,2 Zähler dahinter. Der Kärntner Martin Koch, der nach dem ersten Durchgang noch auf dem dritten Platz gelegen war, belegte als zweitbester ÖSV-Adler Rang acht, Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern wurde Zehnter. Mit Andreas Kofler (11.), Martin Höllwarth (13.) und Wolfgang Loitzl (14.) klassierten sich nicht weniger als sechs Österreicher unter den Top-15. Andreas Widhölzl, der bisher letzte rot-weiß-rote Tournee-Sieger (1999/2000), kam als 24. auch in die Punkteränge.
Es war Schlierenzauers Tournee-Premiere und sie hätte triumphaler nicht sein können. Nach den Weltcup-Siegen in Lillehammer und Engelberg hatten ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner und Rennsportdirektor Toni Innauer noch vergeblich versucht, die ungeliebte Favoritenrolle vom Youngster fern zu halten. Nach dem ersten österreichischen Tournee-Tageserfolg seit dem 6. Jänner 2005, als Martin Höllwarth in Bischofshofen nicht zu bezwingen war, und dem insgesamt 40. ÖSV-Sieg auf der Tournee, zählt der Senkrechtstarter aus Fulpmes nun zum engsten Favoritenkreis auf den Gesamtsieg.
Voll im Rennen um den Nissan-Geländewagen für den Tournee-Champion sind aber auch noch Newcomer Anders Jacobsen, der als Vierter 16,3 Punkte Rückstand auf Schlierenzauer aufweist, sowie der Schweizer Simon Ammann (5./19,1 Punkte zurück). Der vierfache Tournee-Sieger und Titelverteidiger Janne Ahonen verlor als Siebenter 21,2 Punkte auf den Tiroler Leader.
Überflieger Schlierenzauer, der im Wettkampf nicht einen Hauch von Nervosität zeigte, war nach seinem "bisher größten Sieg" natürlich überglücklich: "Ich bin heute wieder superfroh, dass mir zwei Supersprünge geglückt sind. Ich freue mich über alles." Der Teenager war von der Atmosphäre in der mit 20.000 Zuschauern gefüllten Arena schwer beeindruckt: "Da kommen einem fast die Tränen, so tolle Fans und ein Publikum, das zu einem hilft." Wie er mit dem Druck des Halbzeitführenden zurechtkam? "Ganz gut, ich war im Kopf relativ leicht und locker. Aber es ist schon schwer, so viele Medien und Zuschauer, da steigen die Erwartungen."
An den möglichen Gesamtsieg denkt Schlierenzauer noch nicht: "Ich muss mich wieder aufs Neue motivieren, werde wieder mein Bestes geben und freue mich auf das nächste Springen. Natürlich ist jetzt vieles möglich, aber ich versuche, locker zu bleiben und nicht zu viel auf die Ergebnisse zu schauen, dann haut das hin." ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner stellte seinem heißesten Tournee-Eisen ein ausgezeichnetes Zeugnis aus: "Gregor hat es sehr gut gemeistert, hat im Finale einen sensationellen Sprung gezeigt und ihn mit so einer Coolness runtergestellt. Die Voraussetzung für die Gesamtwertung ist sehr gut."
Martin Koch zog ebenfalls ein positives Resümee: "Ich bin mit meiner Leistung voll zufrieden. Der achte Platz ist Weltklasse." Ebenso zufrieden war Thomas Morgenstern, der in Oberstdorf im Vorjahr schon im ersten Durchgang ausgeschieden war: "Ehrlich gesagt bin ich voll zufrieden, es war sehr schwierig, da ganz vorne reinzuspringen, es war alles eng zusammen. Was mir noch fehlt, sind ein paar Sprünge und das Gefühl, das ich bisher erst zweimal hatte - in Liberec und bei Olympia." Andreas Kofler hatte gemischte Gefühle: "Ich bin nicht ganz zufrieden, aber nicht so weit weg. Es war insgesamt ein bisschen zu brav, die Sprünge waren in Ordnung."
Martin Höllwarth gewann seinem Auftakt ebenfalls einige positive Seiten ab: "Ich bin von der Form nicht weit weg, mache schon ganz gute Sprünge vom Absprung her. Es geht noch eine Kleinigkeit ab." Wolfgang Loitzl meinte: "Nicht vom Ergebnis her, aber vom Gefühl beim Sprung geht es aufwärts." Und Andreas Widhölzl war in erster Linie froh, unter den Top-30 zu sein: "Es war ganz okay. Der Sprung war aggressiv, bei Rückenwind nicht optimal. Ich bin aber auf solider Basis unterwegs, es ist nicht einfach, wieder in Schwung zu kommen."
| 1. | Gregor Schlierenzauer | AUT | 296,0 (135,5/142,0) |
| 2. | Andreas Küttel | SUI | 286,5 (133,5/136,5) |
| 3. | Adam Malysz | POL | 280,3 (132,0/134,0) |
| 4. | Anders Jacobsen | NOR | 279,7 (131,5/135,0) |
| 5. | Simon Ammann | SUI | 276,9 (135,0/133,0) |
| 6. | Arttu Lappi | FIN | 276,3 (131,0/135,0) |
| 7. | Janne Ahonen | FIN | 274,8 (132,5/131,0) |
| 8. | Martin Koch | AUT | 270,6 (135,0/129,5) |
| 9. | Anders Bardal | NOR | 267,1 (130,0/129,5) |
| 10. | Thomas Morgenstern | AUT | 265,2 (130,5/128,5) |
| 11. | Andreas Kofler | AUT | 255,3 (128,5/125,0) |
| 12. | Jörg Ritzerfeld | GER | 254,7 (129,5/124,5) |
| 13. | Martin Höllwarth | AUT | 254,4 (127,5/125,5) |
| 14. | Wolfgang Loitzl | AUT | 251,8 (126,5/124,5) |
| 15. | Michael Uhrmann | GER | 249,3 (128,5/122,5) |
| 16. | Roar Ljökelsöy | NOR | 246,2 (128,0/121,0) |
| 17. | Harri Olli | FIN | 243,3 (126,5/122,0) |
| 18. | Martin Schmitt | GER | 241,4 (126,0/122,0) |
| 19. | Matti Hautamäki | FIN | 239,7 (126,5/120,0) |
| 20. | Denis Kornilow | RUS | 236,5 (125,0/120,0) |
| 21. | Jakub Janda | CZE | 235,0 (121,5/123,5) |
| 22. | Jernej Damjan | SLO | 234,2 (125,0/119,0) |
| 23. | Dmitrij Wassilijew | RUS | 232,8 (123,0/120,5) |
| 24. | Andreas Widhölzl | AUT | 232,4 (123,5/119,5) |
| 25. | Veli-Matti Lindström | FIN | 231,9 (125,0/118,0) |
| 26. | Janne Happonen | FIN | 230,1 (119,0/123,0) |
| . | Kenshiro Ito | JPN | 230,1 (123,5/118,5) |
| 28. | Björn Einar Romören | NOR | 227,0 (122,0/118,0) |
| 29. | Kamil Stoch | POL | 226,0 (123,5/116,5) |
| 30. | Roman Koudelka | CZE | 215,8 (120,0/116,0) |
(APA/red)
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