Montag, 12. März 2007

Favoritensterben in Indian Wells: Federer erleidet nach 41 Siegen in Folge Niederlage

  • Tennis-Titan verliert gegen Canas klar mit 5:7,2:6
  • Auch Melzer und Meusburger mussten Segel streichen

Die Jagd von Roger Federer nach gleich mehreren Tennis-Rekorden ist vom Argentinier Guillermo Canas abrupt gestoppt worden. Der Lucky Loser besiegte beim Masters-Series-Event von Indian Wells den mit einem Erstrunden-Freilos versehen gewesenen Schweizer in Runde zwei 7:5,6:2 und beendete damit dessen Serie von davor 41 Erfolgen. In Indian Wells hatte Federer in den vergangenen drei Jahren triumphiert. Auch Jürgen Melzer und Yvonne Meusburger sind bereits ausgeschieden. Der Las Vegas-Finalist musste sich in Runde zwei des Masters Series-Turniers Julien Benneteau (FRA) mit 4:6,4:6 geschlagen geben. Meusburger unterlag in Runde drei Martina Hingis (SUI-3) 2:6,4:6.

Federer hatte wie oft in seinen Auftakt-Partien leichte Anlaufprobleme, bekam es dabei aber mit einem hoch motivierten Gegner zu tun. Denn Canas' Ziel nach seiner im vorigen Sommer überstandenen 15-monatiger Dopingsperre ist es, so schnell wie möglich in die Top 20 zurückzukehren. Mittlerweile arbeitete sich der 29-Jährige von "Null" schon auf 60 vor, und nun geht es natürlich weiter kräftig aufwärts.

Sein Sieg war der erste eines Lucky Losers gegen eine Nummer eins seit der Niederlage des Steirers Thomas Muster in der 1. Dubai-Runde 1996 gegen den Australier Sandon Stolle. "In meinem ersten Masters-Series-Turnier nach der Sperre so zu spielen,", erklärte Canas nach seinem Erfolg, "ist wirklich großartig. Das gibt mir viel Selbstvertrauen."

Der "Gaucho" agierte gegen den nun schon die 163. Woche an der Spitze des Entry-Ranking platzierten Federer respektlos, attackierte vor allem dessen zweite Aufschläge. Da kam der zehnfache Grand-Slam-Sieger lediglich auf einen Prozentsatz von 36. So breakte der Südamerikaner im ersten Satz zweimal und war im zweiten Durchgang noch souveräner, als er sich keinem einzigen Breakball gegenüber sah.

Federer fabrizierte eine ungewöhnlich hohe Anzahl an unerzwungenen Fehlern, war mit seinem Spiel aber dennoch nicht unzufrieden. "So schlecht habe ich sicher nicht gespielt, daher ist die Niederlage okay", meinte er. "Denn Guillermo hat wirklich sehr gut gespielt. Ich habe meine Chancen ausgelassen und habe den Preis dafür gezahlt."

Trotz der Niederlage war Federer auf seine hingelegte Serie stolz. "Ich hatte einen unglaublichen Lauf, und in einer ersten Runde habe ich seit mehr als zwei Jahren nicht mehr verloren. Also kann ich glücklich sein, früher oder später musste es passieren." Der Australian-Open-Sieger hat nun eine mehr als einwöchige Pause, ehe er ins Masters-Series-Turnier in Miami einsteigt. Auch dort ist er Titelverteidiger.

Canas ist der erst elfte Sieger gegen Federer, seitdem dieser am 2. Februar 2004 die Weltranglisten-Spitze übernommen hat. Die anderen sind Tomas Berdych (CZE), Albert Costa (ESP), Richard Gasquet (FRA), Tim Henman (GBR), Dominik Hrbaty (SVK), Gustavo Kuerten (BRA), Andy Murray (GBR), Rafael Nadal (ESP), David Nalbandian (ARG) und Marat Safin (RUS). Dabei gewann nur Nadal mehr als einmal, nämlich gleich sechsmal.

Federer war mit seiner Niederlage als Favorit an diesem 11. März in guter Gesellschaft, denn im Herren-Turnier schieden insgesamt 13 Gesetzte aus. So erwischte es Safin (Nr. 23) gegen Nicolas Mahut, wobei er gegen das erste Service des Franzosen nur fünf Punkte machte. Las-Vegas-Sieger Lleyton Hewitt (19.) unterlag dem Serben Janko Tipsarevic, der Australier war aber durch eine im ersten Game zugezogene Rückenblessur gehandicapt.

Beachtlich auch das 7:6,6:4 von Michael Russell gegen den Tschechen Tomas Berdych (11.). Der US-Wildcard-Spieler hatte vor diesem Turnier vier Challenger en suite bzw. 20 Matches gewonnen und schiebt sich nun schon unter die Top 70 vor. Ebenfalls gescheitert sind u.a. der Spanier Tommy Robredo (7.) und der Zypriote Marcos Baghdatis (17.).

Bei den Damen verlief in Runde drei vorerst alles programmgemäß. Die topgesetzte Titelverteidigerin Maria Scharapowa setzte sich gegen die Französin Nathalie Dechy 7:5,6:2 durch, Martina Hingis (3.) besiegte die Vorarlberger Qualifikantin Yvonne Meusburger 6:2,6:4 und die Serbin Jelena Jankovic (7.) behielt gegen die Deutsche Martina Müller die Oberhand.

Meusburger gegen Hingis respektabel
Hingis gestaltete die 60 Minuten dauernde Partie gegen Meusburger überlegen, musste gegen die Vorarlbergerin aber doch immerhin drei Service-Verluste hinnehmen. Meusburger kassierte zwar deren sechs, spielte mit der Weltranglisten-Sechsten aber wacker mit und bewies, dass sie in ihrem Spiel in jüngster Zeit einiges weiter gebracht hat. Davon zeugen auch ihre neun Siege en suite, ehe sie an Hingis geriet.

Während die 23-jährige Dornbirnerin in der nächstwöchigen Weltrangliste voraussichtlich erstmals unter den Top 100 aufscheinen wird, sollte sich für Melzer als derzeit 28. nicht viel ändern. Denn schon im Vorjahr scheiterte der Niederösterreicher in Indian Wells in Runde eins. Diesmal hatte er sich nach seinem Einzug ins Las-Vegas-Finale freilich um einiges mehr vorgenommen, doch die einwöchige Spielpause brachte ihn etwas aus dem Rhythmus.

Melzer zu schwach
Im Vergleich mit Benneteau agierte Melzer nach einem Freilos in Runde eins beim Service zu schwach, ließ 13 Breakchancen zu. Der Franzose nützte deren vier, ging nach 84 Minuten auch im zweiten Duell mit dem ÖTV-Profi als Sieger vom Platz. Damit wurde die seit 17 Monaten anhaltende ÖTV-Negativserie bei Masters-Series-Events prolongiert. Melzer verpasste damit ein Duell mit dem auf Position sechs gesetzten US-Star James Blake.

(apa/red)

12.3.2007 15:03