Fußballmanager in schwieriger Mission: FIFA-Beauftragter berät Südafrikas WM-Pläne
- FIFA-Beauftragter: "WM 2010 wird zum Erfolg"
- 2007 wird "ein ganz wichtiges Umsetzungsjahr"
Neun Fußball-Weltmeisterschaften hat der Deutsche Horst R. Schmidt bisher mit organisiert. Als Abteilungsleiter bei der ersten Heim-WM 1974, als Experte des Weltverbandes FIFA und als hochgelobter OK-Vizepräsident des "Sommermärchens" 2006. Seine zehnte Mission, die Vorbereitung auf die WM 2010 in Südafrika, wird vielleicht die schwierigste werden. Da ist der Macher vor allem gefordert als Diplomat.
"Es ist ein spannender Rollentausch", sagte Schmidt am Ende des ziemlich glorreich verlaufenen deutschen WM-Jahres 2006 und vor Beginn des südafrikanischen WM-Vorbereitungsjahres 2007, das der DFB-Generalsekretär als "ganz wichtiges Umsetzungsjahr" bezeichnet. Zumindest verbal hat er die neue Rolle als FIFA-Beauftragter der nächsten Weltmeisterschaft bereits angenommen.
"Bitte, bitte nicht über Alternativvorschläge nachdenken. Es lohnt sich nicht", lautet der Leitspruch des 65-jährigen Aschaffenburgers. "Die WM 2010 wird zu einem Erfolg, sie wird zu einem afrikanischen Erfolg." Südafrika habe sich im Bereich "Regierung und Organisationskomitee hervorragend aufgestellt, alle Kräfte sind aufgeboten, um erfolgreich zu sein".
Feuerwehrmann und Krisenmanager nennen ihn diejenigen, die die WM gefährdet sehen. Und selbst FIFA-Chef Joseph Blatter, der Pate dieser WM-Premiere auf dem afrikanischen Kontinent, zeigte jüngst Ungeduld: "Sie haben Pläne, Geld und bereits Entscheidungen getroffen, aber ich habe dort noch niemanden mit Spitzhacke und Spaten gesehen." Nun soll es Schmidt richten helfen, seit Oktober eine Art FIFA-Supervisor mit regelmäßigen Aufenthalten in Johannesburg.
Der noch amtierende Vizepräsident des deutschen OK, bis zum November 2007 auch DFB-Generalsekretär, sagt zu seiner Rolle: "Berater trifft es am ehesten." "Nie" werde er "für die Operation verantwortlich sein", er bleibe lediglich "in der Nähe der Projekte".
Wie delikat Schmidts sportpolitische Aufgabe ist, zeigt ein Entschuldigungsbrief von Franz Beckenbauer. "Es tut mit Leid, dass meine Aussagen falsch dargestellt worden sind. Ich werde alles mir Mögliche tun, um die WM 2010 zu unterstützen", schrieb der deutsche OK-Präsident vor gut zwei Monaten nach Johannesburg. Beckenbauers Kritik am schleppenden Vorbereitungstempo war in Südafrika als höchst unerwünschtes deutsches Oberlehrertum verstanden worden. Dort will man so wenig wie möglich die FIFA und schon gar nicht die Deutschen als Vormund haben.
"Ich bin gut aufgenommen worden, ich werde mit großem Respekt behandelt", meinte Schmidt nach seinen ersten Visiten im Kap-Staat und verweist auf die nun beginnende "Umsetzungsphase". Im Jänner, Februar würden auf allen WM-Schauplätzen "die Bagger stehen", die Regierung sei "ein Garant für die Umsetzung". 15 Milliarden Rand (1,6 Milliarden Euro) hat die Regierung für die Fertigstellung der zehn WM-Stadien in den neun Städten und zur Stärkung der Infrastruktur bisher garantiert. Doch das wird wohl längst nicht das letzte Wort sein können.
Die Problematik wird besonders am Soccer-City-Stadion in Johannesburg deutlich. 210 Millionen Euro soll der Umbau zum größten Stadion Afrikas nun kosten und damit so viel, wie ursprünglich für alle zehn Arenen kalkuliert worden war. Noch bis vor zwei Monaten sollte Soccer-City seine Generalprobe im Confederations-Cup im Juni 2009 feiern. Diese ist wegen der Bauverzögerungen bereits abgesagt worden. Schmidt: "Zeitvergleiche sind schwer möglich. Doch bei den Stadien waren wir Ende 2002, abgesehen vom Bau der Arena in München, weiter."
Die Stadien sind jedoch nur eine unter vielen Problematiken in einem Land, in dem es bisher so gut wie keine belastbaren Nahverkehrsmittel gibt und in dem jährlich 39.000 Morde und Mordversuche und 55.000 Vergewaltigungen registriert werden. Südafrika kalkuliert mit etwa 400.000 ausländischen WM-Besuchern. Sie allein können die Stadien längst nicht füllen. Fußball ist in Südafrika der Sport der Schwarzen, die einen Zwei-Drittel-Anteil an der Bevölkerung haben. In ihrer ganz großen Mehrheit sind sie nicht in der Lage, die in den Bewerbungsunterlagen vorgeschlagenen Eintrittspreise zwischen 16 und 853 Euro zu bezahlen.
Hier nun wird ein weiteres Spannungsfeld von Horst R. Schmidt deutlich. Er ist mit der FIFA und dem Südafrika-OK Diener zweier Herren. Dem Weltverband rang er für die WM 2006, zusammen mit Franz Beckenbauer, die Organisation des gesamten Karten-Verkaufs ab. 2010 ist diese, über eine Agentur, allein Sache der FIFA. Klar scheint, es muss für südafrikanische Fans subventionierte Eintrittspreise geben. Unklar ist, ob dann der Zuschuss von der FIFA übernommen wird oder von Südafrika selbst.
(APA/red)
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