Donnerstag, 28. Dezember 2006

Allen Turbulenzen zum Trotz: Wiener Polizei zeigt sich zufrieden mit Jahr 2006

  • Auch personelle Turbulenzen & Misshandlungsaffären
  • Jugendkriminalität wegen Handydiebstählen gestiegen

Zeitweise konnten Außenstehende heuer den Eindruck gewinnen, dass die Wiener Polizei mehr mit sich selbst beschäftigt ist als mit ihrer eigentlichen Aufgabe. Doch allen personellen Turbulenzen und Misshandlungsaffären zum Trotz: In den Zahlen zur Kriminalität bestätigt sich dieser Eindruck nicht. Die Zahl der angezeigten Fälle ging in den ersten elf Monaten gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zurück, gleichzeitig stieg die Zahl der aufgeklärten Straftaten um 3,2 Prozent und die Aufklärungsquote um 1,5 Prozent, die allerdings noch immer unter 30 Prozent liegt.

Für den amtsführenden Landespolizeikommandanten, Generalmajor Karl Mahrer, weist der Trend in die richtige Richtung, wie er im Gespräch mit der APA sagte. "Die Investitionen haben sich gelohnt, auch die Strategie, dass kriminalpolizeiliche Ermittlungen Aufgabe jedes Beamten sind, hat sich als richtig erwiesen." Der Rückgang sei aber von mehreren Faktoren abhängig und keineswegs allein auf den Erfolg der Wiener Polizeiarbeit zurückzuführen, räumte er ein. "So ist hier die Veränderung der sozialen Rahmenbedingungen zu nennen und auch der Ausbau internationaler Kooperationen."

Schwerpunkt Taschendiebe
Einer der Schwerpunkte und weniger erfreulich war das gehäufte Auftreten von Taschendieben. Im Februar wurde einer bulgarischen Bande, die mit Kindern als Tätern operierte, das Handwerk gelegt. Für die wegen ihrer Strafunmündigkeit vorgeschickten jungen Diebe fanden die Beamten in Zusammenarbeit mit den zuständigen Magistratsdienststellen der Stadt Wien und den bulgarischen Behörden sozial verträgliche Lösungen. Kaum war die Aktivität dieser Tätergruppe zu Ende, trat eine bosnische Bande auf. Ihr allein wurden von März bis Juli mindestens 6.000 Taten zur Last gelegt. Im Juni wurden 3.084 Taschendiebstähle angezeigt, eine bis dahin nicht gekannte Zahl. Nachdem die Bande im Juli auf geflogen war, sank die Zahl der angezeigten Fakten im August auf 1.679. Seither ist sie leicht, aber kontinuierlich im Steigen begriffen. Die Polizei reagiert mit einem zentral gesteuerten Konzept zur Überwachung der öffentlichen Verkehrsmittel in Zivil und in Uniform.

Jugendkriminalität wegen Handydiebstählen gestiegen

Ein wesentlicher Schwerpunkt waren Haus- und Wohnungseinbrüche, die bis Ende November um 13,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zurückgegangen sind. "Drei Maßnahmen sind es, die das Resultat erbracht haben: Erstens die Aufstellung einer Sondereinsatzgruppe gegen osteuropäische Tätergruppen, die Strukturermittlungen durchführt. Zweitens ein neues Streifenkonzept im Bereich der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität. Und drittens auch hier die Präventionsarbeit", nannte der Landespolizeikommandant.
(APA/red)

28.12.2006 12:44