Samstag, 30. Dezember 2006

Straßenfeste in den USA: Irakische
Exilanten feiern Tod von Saddam Hussein

  • "Das ist der Tag, an dem ich zur Ruhe kommen kann"

Irakische Exilanten in den USA haben die Hinrichtung des ehemaligen Diktators Saddam Hussein gefeiert. "Ich möchte mich bei Präsident Bush bedanken", sagte der 35-jährige Haytham Almawla. "Er hat gesagt, er wird Saddam entfernen und er hat es getan." Dutzende von aus dem Irak stammende Männer verbrachten die Nacht der Hinrichtung in Detroit im US-Bundesstaat Michigan gemeinsam auf einem Parkplatz neben einer Tankstelle und zählten die Stunden bis zur Vollstreckung des Todesurteils. Als die Nachricht kam, feierten sie sie in dem Stadtviertel Dearborn mit einem Straßenfest. In Dearborn lebt die größte arabische Gemeinde in den USA.

Die Menschen bedeckten ihre Autos mit irakischen Flaggen, bildeten einen Konvoi und fuhren laut hupend über die Warren Avenue, eine der Hauptstraßen des Viertels. Männer tanzten auf der Straße zu arabischer Musik und verteilten Süßigkeiten und Bonbons, wie es bei fröhlichen Anlässen üblich ist.

Zwei kleine Jungen, die wegen der Kälte in dicke Winterjacken gepackt waren, saßen auf einem Fahrzeug und hielten kleine, handgeschriebene Schilder mit der Aufschrift hoch: "Tod, Tod Saddam" und "Der Irak erhält endlich Frieden".

Alle Teilnehmer des Festes erinnerten voller Wut und Trauer an Familienmitglieder, die von Saddams Schergen umgebracht worden waren. "Das ist der Tag, an dem ich zur Ruhe kommen kann. Das ist der Tag, an dem meine Mutter zur Ruhe kommen kann", sagte Ahmed Timimi, der erst vor wenigen Wochen nach einem eineinhalbjährigen Aufenthalt im Irak nach Detroit zurückgekehrt war. Der 42-Jährige sagte, sein älterer Bruder, ein Universitätsprofessor, sei von Saddams Regierung getötet worden. "Wir kamen alle nach dem Aufstand 1991 hierher. Wir alle haben enge Familienangehörige verloren."

Der 43-jährige Jabar Alzayadi sagte: "Ich wollte Saddam hängen sehen, weil er meinen Bruder gehängt hat. Mein Bruder hat nichts verbrochen. Er war nicht politisch. Er hatte sechs Kinder." Der Bruder diente demnach in der irakischen Armee, als er 1989 hingerichtet wurde.

Trotz der aufgekratzten Stimmung waren einige Männer besorgt um Angehörige, die in Bagdad leben. "Ich habe gerade mit meinen Schwestern und meiner Mutter in Bagdad telefoniert", sagte der 22-jährige Farazdak Alsady, der sich eine irakische Flagge um den Kopf gebunden hatte. "Sie sagen, sie haben sich verbarrikadiert, weil sie sicher sind, dass etwas passieren wird."

Irakische Sunniten haben davor gewarnt, dass die Hinrichtung des Ex-Diktators neues Öl ins Feuer der Gewalt gießen werde. Viele Sunniten haben sich gegen die Neuordnung des Landes zur Wehr gesetzt, mit der die unter Saddam unterdrückten Schiiten und Kurden die Macht übernommen haben. (apa/red)

30.12.2006 08:31