Sonntag, 31. Dezember 2006

Jubel und internationale Kritik: Irakischer
Ex-Präsident Saddam Hussein hingerichtet

  • Augenzeugen berichten: "Hinrichtung verlief ruhig"
  • Schiiten feiern Tod - EU sieht einen barbarischen Akt

Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein ist gehängt worden. Er starb am Galgen in der Hauptstadt Bagdad, in der er bis zu seinem Sturz im Jahr 2003 fast drei Jahrzehnte lang mit eiserner Hand geherrscht hatte. Das Todesurteil war von einem irakischen Gericht gefällt worden, das ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig sprach. Die Reaktionen auf die Hinrichtung des früheren irakischen Diktators fielen sehr unterschiedlich aus. In vielen Stimmen wurde dabei eine generelle Kritik an der Todesstrafe laut.

Das irakische Fernsehen zeigte, wie Saddam in einem früher von seinem Militärgeheimdienst genutzten Gebäude zum Galgen geführt und ihm die Schlinge um den Hals gelegt wird. Er machte einen gefassten Eindruck. Die Hinrichtung selbst wurde nicht im Fernsehen gezeigt. Das irakische Fernsehen zeigte auch Bilder einer Leiche, bei der es sich um die Saddams handeln soll. Der Mann lag in weißes Tuch gewickelt auf einer Bahre. Sein Kopf war nicht bedeckt und sein Hals verdreht. Am Hals und weißen Tüchern schienen Blutflecken zu sehen. Die Augen waren geschlossen. Die Regierung teilte mit, sie erwäge, der Familie die sterblichen Überreste auszuhändigen. Saddams Töchter wollen den Leichnam zunächst in Jemen bestattet sehen.

Augenzeugen berichteten, die Hinrichtung sei ruhig verlaufen. "Es ging sehr schnell. Er starb sofort", sagte ein irakischer Regierungsvertreter. Der 69-Jährige Saddam sei gefesselt gewesen, aber mit unbedecktem Gesicht. "Er machte einen ruhigen Eindruck, er zitterte nicht", sagte der Augenzeuge. Unmittelbar vor seiner Hinrichtung habe er das muslimische Glaubensbekenntnis gesprochen: "Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet". Außerdem habe er gesagt: "Gott ist groß. Die Nation wird siegen, und Palästina ist arabisch." Entgegen ersten Berichten wurden die beiden mit Saddam zum Tode Verurteilten - sein Halbbruder Barsan al-Tikriti und der ehemalige Richter Awad al-Bander - noch nicht hingerichtet.

Ministerpräsident Maliki forderte die Anhänger Saddams auf, sich an der politischen Neuordnung des Landes zu beteiligen. "Ich rufe die Anhänger des gestürzten Regimes auf, ihre Haltung zu überdenken", sagte er. "Die Tür steht noch immer für alle offen, die kein unschuldiges Blut an den Händen haben, beim Wiederaufbau des Iraks für alle Iraker zu helfen."

Freude und Entsetzen unter Irakern
Die Hinrichtung löste unterschiedliche Reaktionen aus. Im schiitischen Stadtteil Sadr City tanzten hunderte Iraker vor Freude auf den Straßen, andere gaben Schüsse in die Luft ab. In Tikrit bedauerten die Menschen den Tod. Der Präsident sei ein Märtyrer, sagte Scheich Yahya al Attawi. Die Stadt wurde aus Sicherheitsgründen ebenso abgeriegelt wie eine weitere sunnitische Hochburg, Samarra. Dort verhängten die Behörden ein Ausgehverbot, nachdem 500 Iraker gegen die Hinrichtung protestiert hatten. Pro-Saddam-Demonstrationen gab es auch in Ramadi und Adwar. In dem Dorf nahe Tikrit war Saddam von US-Truppen gefasst worden.

In der Welt stieß die Hinrichtung auf ein geteiltes Echo. US-Präsident George W. Bush sagte, der Tod Saddams werde die Gewalt im Irak nicht beenden, "aber es ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg des Irak, eine Demokratie zu werden, die sich selbst regieren, am Leben erhalten und verteidigen kann." Positive Reaktionen gab es auch im Iran, Israel, Australien und Polen. Dagegen rief die Hinrichtung unter sunnitischen Moslems, insbesondere den Palästinensern, Bestürzung aus. Kritisiert wurde insbesondere der Zeitpunkt der Tötung zum islamischen Opferfest. Libyen rief eine dreitägige Staatstrauer wegen des Todes von Saddam aus.

Die Europäische Union verurteilte die Hinrichtung als barbarisch. EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel sagte, die Vollstreckung des Urteils könnte Saddam zu einem Märtyrer machen. "Man kann Barbarei nicht mit Mitteln bekämpfen, die genauso barbarisch sind". Das österreichische Außenministerium bekräftigte ebenso wie zahlreiche andere europäische Staaten sowie der Vatikan und Russland seine grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe. (apa/red)

31.12.2006 07:24