Sonntag, 31. Dezember 2006

Fieberhafte Suche fortgesetzt: Immer noch 400 Menschen nach Fahrunglück vermisst

  • Indonesien: Mindestens 177 Überlebende

Nach dem schweren Fährunglück vor der indonesischen Insel Java haben die Rettungskräfte ihre fieberhafte Suche nach rund 400 Vermissten fortgesetzt. Mindestens 177 Passagiere überlebten das Unglück, wie die Nachrichtenagentur Antara unter Berufung auf das Verkehrsministerium meldete. Mindestens 66 Tote wurden geborgen. Die Fähre "Senopati Nusantara" war in einem Sturm schwer beschädigt worden und gegen Mitternacht gesunken.

Mehrere Schiffe der Marine sowie weitere Schiffe und Flugzeuge suchten im Unglücksgebiet nach weiteren Überlebenden. Heftiger Wind, hohe Wellen und schlechte Sicht behinderten jedoch die Arbeiten. Ein Hubschrauber versorgte eine Gruppe von etwa 30 Überlebenden auf drei Flößen mit Nahrungsmitteln und Wasser, wie Verkehrsminister Hatta Radjasa mitteilte. Boote seien auf dem Weg zu den Menschen. "Bilder aus der Luft haben gezeigt, dass sie alle am Leben sind und nach Hilfe winken", sagte der Minister.

Überlebende berichteten von Szenen der Panik kurz vor dem Untergang der "Senopati". "Die Wellen waren so hoch, und die Besatzung hat uns gesagt, dass wir Ruhe bewahren sollen", sagte der Überlebende Bekti Riwayati der Fernsehnachrichtenagentur APTN. "Aber wir sind in Panik ausgebrochen, und das Schiff sank. Der Untergang hat zwei Stunden gedauert."

Budi Susilo, der sich an ein umgekipptes Floß klammerte und so überlebte, sagte, er habe gesehen, wie drei Menschen ertrunken seien. "Wir haben ihnen gesagt, sie sollen sich festhalten, aber ihnen ist die Kraft ausgegangen." Die Fähre sei stark ins Wanken geraten und auf die Seite gekippt, bevor sie von fünf Meter hohen Wellen davon gerissen wurde. Die Passagiere hätten sich um Rettungswesten gestritten, als die Lichter der "Senopati" erloschen seien.

Augenzeugen sagten, sie hätten Rettungsboote mit weiteren Überlebenden gesehen, von denen die meisten Schwimmwesten getragen hätten. Die indonesischen Tropengewässer sind um diese Jahreszeit 22 bis 29 Grad warm. Am Seehafen Semarang versammelten sich Dutzende Angehörige, die um ihre vermissten Verwandten bangten.

Nach Angaben von Verkehrsminister Radjasa befanden sich 638 Menschen an Bord der "Senopati". Schiffe in Indonesien haben häufig deutlich mehr Passagiere an Bord als in den Listen angegeben, so dass die Behörden oft keine genauen Angaben über die Zahl der Insassen machen können. Die in Japan gebaute und für 850 Passagiere zugelassene "Senopati" kenterte auf der zweitägigen Fahrt von Java nach Borneo in stürmischer See 40 Kilometer vor der Küste der Insel Mandalika.

Im Jahr 2000 waren bei einem Fährunglück vor der ostindonesischen Insel Maluku fast 500 Menschen ums Leben gekommen. Ein Jahr später kostete der Untergang eines Bootes mit Flüchtlingen aus dem Irak und aus Afghanistan 350 Menschen das Leben. Das Boot war auf dem Weg von Java nach Australien.(apa/red)

31.12.2006 13:42