Mittwoch, 27. Dezember 2006

USA trauern um ehemaligen Präsidenten:
Gerald Ford ist mit 93 Jahren verstorben

  • Übernahm Amt von Nixon nach Watergate-Affäre
  • Einziger nichtgewählter US-Präsident der Geschichte

Der frühere US-Präsident Gerald Ford ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Ford starb am Dienstagabend in seinem Haus im südkalifornischen Rancho Mirage. Er war der 38. Präsident der USA und der einzige, der niemals ins Amt gewählt wurde. Ford löste 1974 den wegen der Watergate-Affäre zurückgetretenen Richard Nixon ab. In seine kurze Amtszeit fiel das Ende des Vietnamkriegs, der 1975 mit der Niederlage der USA endete. Die Beerdigungsfeierlichkeiten sollen in Washington und Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan stattfinden.

US-Präsident Bush und seine Frau Laura sprachen der Familie des 38. Präsidenten der Vereinigten Staaten ihr Beileid aus. Ford sei ein "großer Amerikaner" gewesen, der seinem Land viele Jahre hingebungsvoll gedient habe. Er habe sein Amt zu einer Zeit des "nationalen Tumults und der Spaltung" übernommen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Mit seiner "stillen Integrität und seinem Menschenverstand" sei es ihm gelungen, die Wunden zu heilen. Vizepräsident Dick Cheney sagte, Ford habe dafür gesorgt, dass die amerikanische Bevölkerung wieder "mit Vertrauen und Zuversicht" in die Zukunft gesehen habe.

Fords Leben sei "voller Liebe zu Gott, seiner Familie und seinem Land" gewesen, hieß es außerdem in einer Erklärung seiner Frau Betty. Die ehemalige First Lady Nancy Reagan nannte Ford einen "engen politischen Verbündeten" und würdigte seine Unterstützung für die Stammzellenforschung. Seit dem Tod ihres Mannes, des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan (1981-1989), im Jahr 2004 an der Alzheimer-Krankheit, hat sie sich besonders für dieses Thema engagiert.

Ford wurde am 14. Juli 1913 als Leslie Lynch King geboren, erhielt aber einen neuen Namen, als seine Mutter wieder heiratete und auf diese Weise adoptiert wurde. Nach dem Rücktritt Nixons übernahm der studierte Jurist am 9. August 1974 das Präsidentenamt, behielt es jedoch nur 895 Tage lang: Bei der Wahl Ende 1976 unterlag der Republikaner dem Demokraten Jimmy Carter. Beobachter führen die Niederlage auf Fords Entscheidung zurück, Nixon wegen der Watergate-Affäre pauschal zu amnestieren. Später zollten Ford jedoch viele Respekt für diesen Schritt, denn er habe dazu beigetragen, dass das Land den Skandal hinter sich ließ und nach vorne blickte. In einer Umfrage im Jahr 2002 erklärten 60 Prozent, die Amnestie sei die richtige Entscheidung gewesen. Nixon entging nur dadurch einer Strafverfolgung.

Ältester Präsident
Ford wurde von allen bisherigen Präsidenten der USA am ältesten. Zwei Attentatsversuche im Jahr 1975 überlebte er unverletzt. Im August erhielt Ford einen Herzschrittmacher, im Jänner 2006 lag er wegen einer Lungenentzündung knapp zwei Wochen im Krankenhaus. 2000 erlitt er mehrere leichte Schlaganfälle. Mit seiner Frau Betty hat er drei Söhne und eine Tochter.

2001 nahm Ford drei Tage nach dem 11. September mit den Expräsidenten Carter, George Bush und Bill Clinton an einem Gedenkgottesdienst für die Opfer der Terroranschläge teil. Im Juni 2004 besuchte er mit den anderen drei früheren Präsidenten die Trauerfeier für den verstorbenen Expräsidenten Ronald Reagan.

Auf die Frage nach seinen größten Erfolgen sagte Ford einmal auf einer Pressekonferenz, er habe das Vertrauen ins Weiße Haus wiederhergestellt. Die Aufzählung seiner Fehler überlasse er seinen politischen Gegnern, aber "ich glaube, es waren nicht viele".

(apa/red)

27.12.2006 13:23