Dienstag, 26. Dezember 2006

Beratungen im Iran: Teheran schließt Öl als Waffe gegen UNO-Sanktionen nicht aus

  • Forscher: Iran braucht Atomkraft für Energiesektor

Nach den Sanktionen des Weltsicherheitsrates hat Teheran indirekt damit gedroht, die Öl-Exporte zu drosseln. "Wenn nötig, wird das Land jede Waffe nutzen, um sich selbst zu schützen", sagte Öl-Minister Seyed Kazem Vaziri Hamaneh der Nachrichtenagentur Fars auf die Frage, ob Teheran Öl als Waffe einsetzen würde. Nach Angaben von Außenminister Manouchehr Mottaki sollen 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung "bald" betriebsbereit sein.

Teheran hatte im Streit um das iranische Atomprogramm bereits mehrmals gedroht, im Falle von Sanktionen "Öl als politisches Instrument einzusetzen" und keine Öl-Exporte aus dem Persischen Golf mehr zuzulassen. International wurden damit Ängste geschürt, Teheran könnte die Straße von Hormus für Öl-Lieferungen blockieren.

Unterdessen berieten Regierung und Parlament in Teheran hinter verschlossenen Türen über nächste Schritte nach der Entscheidung des Weltsicherheitsrates. Das wichtigste UNO-Gremium hatte nach monatelangen Auseinandersetzungen am Samstag Strafmaßnahmen gegen Teheran beschlossen. Die Resolution untersagt unter anderem die Lieferung von Nukleartechnologie an den Iran und fordert eine Einstellung der Urananreicherung im Land. Der Westen befürchtet, dass der Iran heimlich an der Entwicklung der Atombombe arbeitet.

Außenminister Mottaki sagte laut dem iranischen Nachrichtensender Khabarnach der Parlamentssitzung, die Regierung werde alle relevanten Entscheidungen der Abgeordneten berücksichtigen. Bereits zuvor hatte das Parlament angekündigt, es werde einen Gesetzentwurf billigen, der die Regierung verpflichtet, die Kooperation mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zu überprüfen, einzuschränken oder zu beenden. Dagegen betonte der Vizedirektor der Iranischen Energieagentur, Mohammad Saidi, alle Atomprogramme stünden unter IAEO-Aufsicht.

Beobachter in Teheran verweisen darauf, dass Atomfragen im Iran als "Staatsangelegenheit" betrachtet und damit nur auf höchster Ebene entschieden würden. Das letzte Wort habe das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte die UNO- Resolution als "ein Stück zerrissenes Papier" ("Fetzen Papier") bezeichnet. Beobachter vermuten, dass Teheran trotz der harschen Worte bereits nach Möglichkeiten sucht, die Verhandlungen mit dem Westen mittels freundlich gesonnener Staaten wie China und Russland wieder aufzunehmen.

Der Iran setzt nach Ansicht eines US-Forschers nicht nur aus politischen Gründen auf den Aufbau einer eigenen Atomindustrie, sondern ist trotz seines Ölreichtums auf die Kernkraft auch als Energieträger angewiesen. Die Nachfrage nach Energie steige im Iran schneller als die Erdölförderung, schreibt der Geograf und Umwelttechnologe Roger Stern von der John-Hopkins-Universität in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Erdölprodukte würden im Iran kräftig subventioniert, weshalb die staatliche Erdölgesellschaft damit keine Gewinne machen könne. Gleichzeitig stagnierten nach Angaben Sterns seit 1996 die Ölexporte des Iran. (apa)

26.12.2006 13:27