Pipeline-Explosion in Nigeria: Hunderte Menschen bei schrecklichem Unglück getötet
- Unglücksort ist mit verkohlten Leichnamen übersät
- Diebe hatten in der Nacht Pipeline angezapft
Hunderte Menschen sind bei einer von Treibstoff-Dieben ausgelösten Explosion einer Pipeline in der nigerianischen Metropole Lagos ums Leben gekommen. Auch am Tag nach der Katastrophe gab es widersprüchliche Angaben über die Zahl der Todesopfer. Während die nigerianische Zeitung "Daily Triumph" von mehr als 200 Toten sprach, schrieb "This Day", dass nach unbestätigten Berichten nicht weniger als 1000 Tote befürchtet würden. Das Rote Kreuz sagte, 269 Menschen seien ums Leben gekommen.
Etwa 60 Menschen wurden lebend aus dem Inferno gerettet und in Krankenhäuser gebracht. 60 Häuser und 52 Autos gingen in Flammen auf. Bei den meisten Todesopfern soll es sich um Bewohner des dicht besiedelten Vorortes von Lagos handeln, die am frühen Morgen in ihren Betten verbrannten.
An der Unglücksstelle spielten sich grauenhafte Szenen ab. Während Feuerwehrleute fieberhaft versuchten, den Brand unter Kontrolle zu bekommen, bargen Rettungskräfte verkohlte Leichen. Zehntausende Menschen, die zum Ort der Explosion gelaufen waren, schrien vor Entsetzen beim Anblick der Szenerie. Nach Berichten von Augenzeugen hatten zwei Diebesbanden die Explosion ausgelöst, als sie nacheinander dieselbe Leitung anbohrten, um illegal den hochentzündlichen Treibstoff abzuzapfen. In dem westafrikanischen Land kommt es immer wieder zu solchen Unglücken, weil Treibstoff eine begehrte Ware auf Nigerias Schwarzmärkten ist.
"Hier herrscht großes Chaos"
Die gewaltigen Rauchschwaden an der Unfallstelle waren noch aus weiter Entfernung zu sehen. Die Feuerwehren kämpften stundenlang gegen die Flammen. Mitarbeiter des Roten Kreuzes registrierten diejenigen, die Angehörige unter den Opfern befürchteten. "Es liegen verbrannte Leichen am Boden, und es kommen immer mehr Menschen, die ihre Verwandten suchen", sagte Ige Oladimeji vom nigerianischen Roten Kreuz. "Hier herrscht großes Chaos."
Die Explosion ereignete sich in den frühen Morgenstunden. Bewohner sagten, dass eine Gruppe von Benzindieben die Leitung angezapft und bereits 150 000 Liter Benzin in große Plastiktanks abgefüllt hatte. Später sei eine zweite Diebesbande gekommen und habe die Leitung erneut angebohrt. Zahlreiche Einwohner seien zu der Stelle gekommen, um von der angebohrten Leitung zu profitieren und selbst Kanister zu füllen. Dann habe das Benzin Feuer gefangen und es sei zu einer heftigen Explosion gekommen.
Erst im Mai hatte es in einem Fischerdorf nahe Lagos bei einem ähnlichen Fall fast 200 Tote gegeben. Damals waren die Leichen durch den Druck der Explosion in die Mangrovensümpfe hinausgeschleudert worden. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo hatte damals mehr Sicherheit für die zum Teil überirdisch verlegten Leitungen gefordert. In den vergangenen Jahren sind bei derartigen Unfällen mehr als 1000 Menschen gestorben.
(apa)
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