Freitag, 2. März 2007

Heute Nacht wird es trotz Vollmond dunkel: Astronomen erwarten totale Mondfinsternis!

  • Durch Streulicht sind Umrisse aber trotzdem sichtbar
  • Tipp: Sonderführungen auf Österreichs Sternwarten

Trotz Vollmond wird die heutige Nacht dunkel werden. Der Mond taucht vollständig in den Schatten der Erde, daher werden wir in der Zeit zwischen 23.44 und 0.58 Uhr - so das Wetter mitspielt - eine totale Mondfinsternis sehen. Der Vollmond wird dabei nur als dunkle, geheimnisvoll kupferrote Scheibe am Himmel stehen. Die ganze Sichtbarkeit des Himmelsspektakels dauert von 22.04 bis 2.37 Uhr.

Sowohl die Erde, als auch der Mond werfen lange konische Schatten in den Weltraum. Tritt einer in den Schatten des anderen, sind bei entsprechend günstiger Position auf der Erde Finsternisse zu beobachten. Gerät dabei die Erde in den Schatten des Mondes, verfinstert sich kurzfristig die Sonne, umgekehrt sehen wir eine Mondfinsternis. Im Durchschnitt sind laut Hermann Mucke vom Astronomischen Büro Wien jährlich zwei bis drei, maximal aber fünf, Mondfinsternisse zu beobachten.

Dass der Mond auch in der totalen Phase nicht ganz verschwindet, liegt an der Erdatmosphäre. Auch wenn der Mond völlig in den Erdschatten taucht - wie es bei einer totalen Finsternis der Fall ist - erreicht ihn immer noch ein wenig Licht, das sich durch die Atmosphäre gleichsam rund um unseren Globus schummelt. Wissenschafter sprechen dabei vom Streulicht der Erdatmosphäre.

Im Süden und Osten gut Chancen auf Sicht
Für die Beobachtung der Mondfinsternis wird man laut Prognose der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien nördlich der Alpen - vom Vorarlberg bis zum Mostviertel - einiges Glück brauchen. Die Prognose lautet derzeit auf "dichte Wolken, auch Regen möglich". Besser sieht es dagegen für den Osten und Süden aus, hier sollte der Himmel mit ein wenig Glück einigermaßen klar sein.

Sonderführungen auf Sternwarten
Die Volkssternwarten bieten in ganz Österreich Sonderführungen zur Mondfinsternis. So startet die Kuffner-Sternwarte um 17.00 Uhr mit einer Kinderführung, in der Urania-Sternwarte beginnt die Beobachtungsmöglichkeit um 22.00 Uhr. Im Freiluftplanetarium Sterngarten Georgenberg in Wien-Liesing erwartet Besucher ab 21.45 Uhr eine Sonderführung. Mucke wird auf einer großen Leinwand im Freien auch Historisches präsentieren, so wie etwa Schlachten durch Finsternis-Ereignisse beeinflusst wurden.

Mondfinsternis: Erfolg und Irrtum für Christoph Kolumbus
Berechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen hatte in der Geschichte nicht nur rein akademische Gründe. Zeitweise setzten Eingeweihte ihre Kenntnisse auch ein, um Unwissende zu beeindrucken. So ist überliefert, dass vor 500 Jahren der finstere Mond Christoph Kolumbus das Leben rettete.

Holzwürmer hatten seinen Schiffe erheblich zugesetzt. Am Strande von Jamaika hoffte er zusammen mit 100 Seeleuten auf Rettung. Inselbewohner sicherten das Überleben der Europäer monatelang mit Proviantlieferungen. Doch dann verzweifelten die Gestrandeten, die Hälfte der Mannschaft meuterte und zog raubend durch die Dörfer. Darauf hin stellten die Indianer jegliche Unterstützung ein.

Dem stets mitgeführten astronomischen Almanach entnahm Kolumbus, dass am Abend des 29. Februar 1504 eine Mondfinsternis eintreten würde. Mit ihrer Vorhersage verblüffte er die Indianer. Außerdem stellte er das Himmelsereignis als zorniges Zeichen Gottes dar. Rechtzeitig vor dem Ende des Himmelsschauspiels rang er den mittlerweile völlig verängstigten Menschen das Versprechen ab, ihn weiterhin mit Nahrung zu versorgen. Daran hielten sie sich, bis zwei Schiffe aus Haiti die Männer endlich einsammelten.

Doch der Entdecker war mit seinen astronomischen Kenntnissen nicht immer so erfolgreich. Vor seinem Abenteuer auf Jamaika hatte er versucht, aus der Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und dem Ende der Finsternis seine geographische Länge zu ermitteln. Das angewandte Verfahren war korrekt, doch er verrechnete sich. Jamaika rutschte um 38 Grad zu weit von Spanien fort. Auch das bestärkte Kolumbus im Irrglauben, Asien erreicht zu haben. Diese Illusion nahm er zwei Jahre später mit ins Grab. (apa/red)

2.3.2007 17:51