Mittwoch, 20. Dezember 2006

Erste private Autobahn Österreichs kommt: Baubeginn soll noch im Jänner '07 erfolgen

  • Konzessionsvertrage für die neuen A5 ist endlich fix
  • Asfinag will AKOR-Einstieg bei Bonaventura prüfen

Der Bau der ersten "privaten" Autobahn in Österreich ist besiegelt: Die staatliche Autobahngesellschaft Asfinag hat mit dem Konsortium Bonaventura endgültig den Konzessionsvertrag für Bau und Betrieb der Nordautobahn A5 unterschrieben. Der Vertrag umfasst zunächst die Verbindung Wien Schrick (bei Mistelbach) sowie die Anbindungen an Donauufer-Autobahn (A22) und Südosttangente (A23) - in Summe 51 Kilometer. Baubeginn wird noch im Jänner 2007 sein.

Hauptbetreiber sind die Alpine-Mayreder, die deutschen Hochtief und der französische Infrastrukturbau-Spezialisten Egis. Sie erhalten für den Bau und den dreißigjährigen Autobahnbetrieb 945 Mio. Euro. Laut Alpine-Gesellschafter Dietmar Aluta-Oltyan ist das "der größte Bauauftrag, der der jemals in Österreich öffentlich vergeben wurde".

Teilaufträge an Konkurrenten
Die unterlegenen Konkurrenten, das Konsortium AKOR rund um Raiffeisen, Strabag und Porr und der deutsche Baukonzern Billfinger-Berger, hatten nach monatelangem Streit ihre Beschwerden zurückgezogen. Sie sollen jetzt über die Hintertür einen Teil der Aufträge erhalten.

Asfinag muss noch zustimmen
Der Generaldirektor der Raiffeisen Holding, Erwin Hameseder, hat bestätigt, dass sich AKOR mit 28 Prozent an der Konzessionsgesellschaft beteiligen wird. Laut Raiffeisen ist die Asfinag über diese Vorgehensweise informiert, müsse aber zum gegebenen Zeitpunkt - also wenn die Gesellschaft gegründet ist und die Finanzverträge abgesegnet sind - dem noch zustimmen. Erst dann könne die Konzessionsgesellschaft bei der Asfinag um Aufnahme neuer Gesellschafter ansuchen, hieß es zur APA.

Dementi der Asfinag
Die Asfinag selbst dementierte, dass sie über einen Einstieg von AKOR informiert sei. "Wir hören das nur aus den Medien", sagte Unterenehmenssprecher Harald Dirnbacher auf APA-Anfrage. Die Beteiligungsstruktur der Konzessionsgesellschaft sei vertraglich festgehalten. Demnach werden sich Alpine und Hochtief unter der Führung von Alpine zu jeweils 50 Prozent den Bau teilen. Der Betrieb erfolgt unter der Führung von Egis - die Franzosen halten dann 50 Prozent an der Betreibergesellschaft, Alpine und Hochtief jeweils 25 Prozent. Die Vorfinanzierung in Höhe von 800 Mio. Euro übernehmen laut Alpine die Deutsche Bank und die Europäische Investitionsbank (EIB).

Wenn sich etwas daran ändern solle, müsse Bonaventura einen entsprechenden Antrag stellen. "Die Asfinag wird das dann überprüfen, und wenn es zu keiner Schlechterstellung aus der Vertragsveränderung kommt, dem Antrag zustimmen", erklärte der Sprecher der staatlichen Autobahngesellschaft.

Keine weiteren Verzögerungen
Den nachträglichen Einstieg der Strabag-Tochter A-Way bei der Lkw-Maut-Betreibergesellschaft Europpass hatte die Asfinag 2004 untersagt. Damals hatte man Klagen der anderen unterlegenen Bieter gefürchtet. Bei der Nordautobahn würden jetzt aber alle unterlegenen Konkurrenten einbezogen. Daher würde durch die Änderung in der Konzessionärsstruktur keine weitere Verzögerung drohen, hieß es aus dem Umfeld der Baufirmen.

Verkehrsfreigabe im Herbst 2009
Die Verkehrsfreigabe der S 1 Ost, der Wiener Außenring Schnellstraße, Abschnitt Süßenbrunn-Eibesbrunn, und der S 2 Wiener Nordrand Schnellstraße Umfahrung Süßenbrunn, ist für Herbst 2009 geplant. Anfang 2010 sollen dann die S 1 West, Abschnitt Eibesbrunn-Korneuburg, und der südliche Abschnitt der A 5 Nordautobahn Eibesbrunn - Schrick eröffnet werden. (APA/red)

20.12.2006 12:09