Mittwoch, 20. Dezember 2006

Der ‚Fall Priklopil‘: Das Gesicht des Bösen

Vier Monate nach Nataschas Befreiung: Jetzt liegen alle Ermittlungsergebnisse über ihren Peiniger vor.

Als Wolfgang Priklopil am Mittwoch, dem 23. August 2006, kurz vor 13 Uhr – nur wenige Minuten nachdem es Natascha Kampusch gelungen war, aus seinem Haus in Strasshof, Niederösterreich, zu flüchten – Ernst H. anrief, war seine Stimme ruhig wie immer: „Ich brauch deine Hilfe, bitte hol mich gleich vom Donauzentrum ab.“

Er wirkte „völlig normal“. Und auch dann, in den folgenden Stunden, als die beiden Freunde mit H.s Wagen durch Wien fuhren, zwischendurch in einem Park Rast machten, wirkte der 44-Jährige angeblich „völlig normal“. „Wolfi“, gab Ernst H. später der Kripo zu Protokoll, „hat mir zwar erzählt, dass er ein wenig nervös sei – die Polizei fahnde nämlich nach ihm, weil er sich am Vortag einer Verkehrskontrolle entzogen hätte. Aber freilich, so sagte er auch, würde er sich ohnehin demnächst der Exekutive stellen.“

Ja, diese Worte passten so gut zu Wolfgang Priklopil. Zu dem Menschen, den Ernst H. schon so lange, seit zwanzig Jahren bereits, kannte: „So höflich, so korrekt“ habe er doch immer geschienen. Und „so fleißig“.
„Ein Tüftler, ein Perfektionist bis in die Knochen“ sei Wolfgang Priklopil eben gewesen, und sowieso habe er ja auch nach seinem „Geständnis“ sofort über „das, was ihm wirklich wichtig war“ zu reden begonnen: über Umbaupläne; über „technische Novitäten“. Außerdem: Wie so oft davor habe Wolfgang Priklopil ja auch an diesem Nachmittag „ganz entspannt“ hübschen Frauen, die an ihm vorbeigegangen sind, nachgesehen und ihre Rundungen mit flapsigen „Männersprüchen“ bedacht.

„Er wollte sich der Polizei stellen.“ Als Ernst H. Wolfgang Priklopil am frühen Abend an einer Kreuzung in Wien-Brigittenau absetzte, habe dieser also „total relaxt“ gewirkt: „Wolfi meinte, er würde nun eine Verwandte besuchen, danach aufs nächste Wachzimmer gehen und alles in Ordnung bringen.“

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20.12.2006 17:30