Sonntag, 24. Dezember 2006

Kampfansage an Energie-Konzerne: Barroso
will weiteren Strompreis-Anstieg stoppen

  • Macht der Unternehmen soll beschnitten werden

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso will die Macht der großen Energiekonzerne massiv beschneiden und so einen weiteren Anstieg der Strompreise verhindern. "Eine bessere, klarere Trennung von Stromerzeugung und Netzbetrieb könnte ein guter Weg zu mehr Wettbewerb und damit zur Dämpfung der Preissteigerungen sein", sagte Barroso der "Bild am Sonntag".

Barroso erklärte, in einem Strategiepapier zur Energiepolitik werde die EU-Kommission im Jänner fordern, dass Monopolstellungen großer Energiekonzerne das Funktionieren des Marktes nicht behindern dürften. "Wir haben nichts gegen Großunternehmen, aber sie sollten nicht gegen die Interessen der Verbraucher handeln", betonte er. So lange der Öl- und Gaspreis auf dem Weltmarkt steige, werde allerdings eine schnelle Senkung der Energiekosten in Europa kaum möglich sein.

Unterdessen sagte der Präsident der deutschen Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, der Nachrichtenagentur AP, seiner Ansicht nach sei die Durchsetzung von mehr Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt ein mühsames Geschäft. Kurth nannte es "eine zähe, manchmal leider auch zu zähe Veranstaltung". Man dürfe aber auch kleine Fortschritte nicht zerreden. Das Energiegeschäft sei noch immer ein "hochgradig kontroverses Feld", sagte Kurth. "Wir sind mit Regeln für den Netzzugang und den Wechsel des Anbieters ein gutes Stück vorangekommen. Es kommt Bewegung in den Markt. Die Branche sieht allmählich eine verstärkte Notwendigkeit zu kooperieren." Der anfangs mitunter schrille Tonfall sei deutlich verhaltener und sachlicher geworden.

Zwar könne für die privaten Verbraucher nicht sofort alles anders werden, räumte Kurth ein, aber es gebe Bewegung. "Wir sind bei Gas und Strom im Grunde heute da, wo wir Ende der 90er bei der Telekommunikation waren. Man verändert Märkte mit einer starken Konzentration der Anbieter nicht über Nacht."

(apa)

24.12.2006 19:39