Dienstag, 26. Dezember 2006

Schöne neue Bankenwelt in 2007: Brutaler Wettbewerb und neuer BAWAG-Eigentümer

  • Geld wird auch 2007 weiterhin in Osteuropa gemacht
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Banken-Ausschuss, neuer Bawag-Eigentümer und ein brutaler Wettbewerb - das Bankenjahr 2007 verspricht spannend zu werden. FORMAT präsentiert die Vorschau auf das neue Jahr.

Im Lokal VI des Parlaments wird üblicherweise der milliardenschwere Staatshaushalt diskutiert. Im neuen Jahr bekommt der größte Besprechungsraum im Hohen Haus, der "Budgetsaal", eine weitere Bestimmung: Zweimal wöchentlich werden die 17 Mitglieder des Banken-Untersuchungsausschusses dort zusammentreffen, um unzählige Auskunftspersonen aus Kreditinstituten, Aufsichtsbehörden und Wirtschaft ins Kreuzverhör zu nehmen. Untersucht werden die Finanzaffären Bawag und Hypo Alpe-Adria sowie der Umgang der Austrobanken mit dem Thema Geldwäsche. "Selbstverständlich wollen wir so rasch wie möglich fertig werden, aber gut Ding braucht Weile", sagt Ausschuss-Vorsitzender Martin Graf. Das Bankentribunal wird frühestens im Herbst abgeschlossen, befürchtet RZB-General Walter Rothensteiner - und damit eines der bestimmenden Themen im neuen Jahr sein.

Doch nicht nur Wirtschaftskrimis à la Bawag werden die Branche im Jahr 2007 beschäftigen. In der heimischen Bankenlandschaft zeichnen sich tektonische Verschiebungen ab, wie Bawag-Eigentümerwechsel und Erste-Bank-Konzernumbau erwarten lassen. Am Markt wird der Strukturwandel vor allem den Wettbewerb um die Gunst der Privatkunden anheizen und die Suche nach neuen Einnahmequellen antreiben.

"Cerberus wird über das Geld der Sparer wachen", sagt Bawag-General Ewald Nowotny in Anspielung auf seinen neuen Großaktionär: Der nach dem dreiköpfigen Höllenhund der griechischen Mythologie benannte US-Private-Equity-Fonds kaufte gemeinsam mit Partnern die Gewerkschaftsbank. Cerberus will die Bawag zur Schaltzentrale seiner europäischen Bankaktivitäten machen und kräftig in Österreich investieren. Die Konkurrenz zittert bereits vor "kompetitiven Kreditangeboten und innovativen Sparformen", die Nowotny bereits offensiv ankündigt.

Letzteres bezieht sich vor allem auf ein Geschäftsfeld, wo die Banken sich schon heuer eine goldene Nase verdient haben: nämlich Garantieprodukte. "Die kommen sehr gut an und entwickeln sich zu einer guten Alternative zum Sparbuch", sagt RZB-Boss Rothensteiner im FORMAT-Interview. Marktführer Bank Austria Creditanstalt verwaltet bereits mehr als 1,3 Milliarden Euro in "Garantiefonds". BA-CA-Vorstand Willibald Cernko: "Wir haben bereits in den ersten neun Monaten des heurigen Jahres den Vorjahresstand um 26 Prozent übertroffen. Der Markt wird auch nächstes Jahr zweistellig wachsen."

Eine Nationalbank-Statistik verdeutlicht das enorme Potenzial: Obwohl das Investmentfondsgeschäft seit Jahren stetig wächst, liegt noch immer mehr als die Hälfte des Geldvermögens der Österreicher entweder auf dem Sparbuch oder unter der Matratze. Der 184-Milliarden-Euro-Markt bietet den Banken die Möglichkeit, ihre mageren Inlandsgewinne kräftig aufzupäppeln.

Das große Geld machen die Austrobanken freilich weiterhin in Osteuropa:
Mehr als die Hälfte des Konzerngewinns scheffeln BA-CA, Erste Bank und RZB in der Region CEE (Central and Eastern Europe), was die Aktienkurse heuer um 20 Prozent und mehr in die Höhe katapultierte. "Ich schätze", so Rothensteiner über die Cashcow CEE, "dass es noch mindestens die nächsten zehn Jahre bergauf gehen wird." BA-CA-Boss Erich Hampel, der in der UniCredit-Group für das gesamte Ostgeschäft verantwortlich ist, wälzt bereits Expansionspläne für 2007. Hampel: "Wir werden uns auf Russland und die Türkei konzentrieren. Das sind Märkte mit Wachstumsraten jenseits der 30-Prozent-Marke."

Um diese Aufgabe zu erfüllen, wurde der BA-CA eine neue Struktur verpasst, die eine divisionale Steuerung des gesamten Ostgeschäfts vorsieht. Der vom UniCredit-Oberboss diktierte Konzernumbau - der größte in der BA-CA-Geschichte - ist bereits im Gange und wird nächstes Jahr fortgesetzt: In einem ersten Schritt wurde kürzlich die gruppenweite Investmentbanking-Kompetenz nach München verlagert.

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26.12.2006 08:10