Mittwoch, 20. Dezember 2006

Telekom Austria kauft weiter zu: Irische
eTel-Gruppe um 90 Mio. Euro geschnappt

  • TA mit allen Aktivitäten in Österreich und Osteuropa
  • eTel erzielte zuletzt Umsatz von 100 Millionen Euro

Die Verhandlungen über eine Übernahme des Festnetzanbieters eTel durch die börsenotierte Telekom Austria (TA) haben jetzt gefruchtet: Die TA übernimmt 100 Prozent der eTel um rund 90 Mio. Euro. Die Transaktion umfasse alle operativen Aktivitäten der eTel in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zum geplanten Zusammenschluss ist noch ausständig.

Die Transaktion werde voraussichtlich im Quartal 2007 abgeschlossen werden, hieß es. Die TA finanziere die Akquisition durch den Cash-Flow, also ohne Kapitalerhöhung. Die Akquisition werde das jetzige Aktienrückkaufprogramm und die Dividendenpolitik nicht beeinflussen, hieß es. Die operativen Gesellschaften von eTel sollen spätestens mit dem ersten Quartal 2007 in die TA-Gruppe konsolidiert werden.

Die irische eTel-Gruppe, 1999 in Dublin gegründet, hat Töchterunternehmen in Österreich und Mittel- und Osteuropa und steht im Eigentum von internationalen Investoren. eTel bietet Sprachtelefonie, Internet und Datendienste an, agiert zudem als virtueller Mobilfunkanbieter in Österreich und betreibt Wholesale-Geschäfte in Mittel- und Osteuropa. 2005 erzielte eTel mit 360 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 100 Mio. Euro.

Mit eTel erwirbt die Telekom Austria einen österreichischen integrierten Festnetzprovider, der sich als Anbieter für Klein- und Mittelbetriebe am österreichischen Markt bereits etabliert habe, hieß es von der TA. Die Akquisition ergänze das Festnetz-Segment der Telekom Austria Gruppe in Osteuropa mit der existierenden Gesellschaft Czech Online und dem Wholesale-Geschäft in den CEE Ländern.

eTel habe Verlustvorträge in der Höhe von rund 170 Mio. Euro akkumuliert, hieß es. Die Bewertung dieser Verlustvorträge ist noch nicht abgeschlossen. Der Prozess zur Kaufpreisallokation werde kurz nach Abschluss der Transaktion beginnen, hieß es weiter.

Mit der Übernahme der eTel durch die Telekom Austria schreitet die Konsolidierung des österreichischen Telekommarktes weiter voran. Die TA stärkt damit ihre Marktführerschaft. eTel war bisher nach TA, Tele2UTA und UPC/Inode der vierstärkste Betreiber. Die TA werde alle 450 Mitarbeiter der eTel übernehmen, sagte TA-Festnetzvorstand Rudolf Fischer am Mittwoch zur APA. 230 Mitarbeiter davon sind in Österreich, der Rest in Osteuropa.

"Ich sehe derzeit keine großen Redundanzen und keinen Grund, bei den Mitarbeitern Veränderungen vorzunehmen, zumal die eTel vor allem bei klein- und mittelständischen Unternehmen stark ist", so Fischer. Auch die Marke eTel soll vorerst erhalten bleiben.

Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden werde im ersten Quartal 2007 erwartet. Fischer rechnet nicht mit Auflagen für den Deal, da die Übernahme "keine wesentliche Verschiebung der Marktmächte" bewirke und eTel vor allem in Osteuropa stark sei. In Österreich würden zwei Drittel der Sprachtelefonie bereits über den Mobilfunk abgewickelt. Es wäre unverständlich, wenn man das restliche Drittel, das über das Festnetz laufe, noch mit Auflagen versehe, so Fischer.

(apa/red)

20.12.2006 15:39