Reallöhne seit 1998 gesunken: Schere zwischen Männern und Frauen weit geöffnet
- Rechnungshofpräsident legt Einkommensbericht vor
- PLUS: Zwei Prozent Kaufkraftverlust in sieben Jahren

Rechnungshofpräsident Moser hat den Einkommensbericht für die Jahre 2004 und 2005 vorgelegt. Die wichtigsten Ergebnisse: Die Österreicher haben im Schnitt immer weniger Geld in der Brieftasche, die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ist nach wie vor weit geöffnet und die höchsten Medianeinkommen gibt es in Niederösterreich. Am meisten verdienen Beamte und Ärzte (bei den Selbstständigen).
Der Rechnungshof hat in seinem aktuellen Einkommensbericht erstmals die Entwicklung der Einkommen über mehrere Jahre hinweg beschrieben. Das ernüchternde Ergebnis: Das mittlere Einkommen der österreichischen Arbeitnehmer ist seit 1998 zwar nominal gestiegen - die reale Kaufkraft ist allerdings um zwei Prozent gesunken, weil die Inflation die Lohnsteigerungen weggefressen hat. Besonders stark betroffen waren jene Gruppen, die ohnehin schon niedrige Einkommen beziehen - Frauen und Arbeiter.
Auch die Schere zwischen Männer- und Fraueneinkommen steht nach wie vor weit offen - Frauen verdienen in allen Beschäftigungsgruppen weniger als Männer und erreichen im Schnitt nur 60 Prozent des mittleren Männereinkommens. Seit 1998 hat sich diese Quote sogar leicht verschlechtert.
Zurückzuführen ist das unter anderem auf die starke Teilzeitarbeit der Frauen. Aber auch wenn nur Vollzeitbeschäftigte verglichen werden, beträgt das Medianeinkommen der Frauen nur 78 Prozent des mittleren Männereinkommens.
Beamte bei Spitzenverdienern
Bei den Unselbstständigen zählen die Beamten zu den Spitzenverdienern. Sie erhalten laut dem Einkommensbericht des Rechnungshofes ein mittleres Jahresbrutto von 40.392 Euro. Besonders wenig verdienen die Arbeiter mit 16.691 Euro. Bei den regionalen Einkommensunterschieden herrscht in Österreich ein deutliches Ost- West- bzw. Nord-Süd-Gefälle. Am meisten verdienen die Niederösterreicher mit einem mittleren Jahresbrutto von 23.776 Euro. Am schlechtesten bezahlt sind die Tiroler (20.671).
Bei den Selbstständigen gibt es die mit Abstand höchsten Einkommen im Gesundheitsbereich. Hier liegt der Mittelwert bei 35.479 Euro Jahresbrutto. Fachärzte erhalten sogar 113.184 Euro.
SPÖ und Grüne fordern Maßnahmen für Frauen
SPÖ und Grüne fordern Maßnahmen, um die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen zu schließen. SP-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek deponierte einmal mehr den Wunsch ihrer Partei nach mehr Kindergartenplätzen und einer Flexibilisierung des Kindergeldes. Die Grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger kritisiert, dass Frauen selbst dann 15 bis 20 Prozent weniger verdienen würden, wenn sie weder Kinderpausen gehabt hätten noch Teilzeit arbeiten würden.
Für Heinisch-Hosek muss das Verkleinern der Einkommensschere "eines der wichtigsten Anliegen" der künftigen Frauenministerin sein. Die SPÖ fordert daher "ausreichend Kinderbetreuungseinrichtungen", ein flexibleres Kindergeld, sowie betriebliche Frauenförderung und die Offenlegung der Frauen- und Männereinkommen in den Betrieben.
Ein "Aktionsprogramm für Einkommensgerechtigkeit" fordert Weinzinger. Sie stößt sich besonders daran, dass die größten Einkommensunterschiede laut Rechnungshof in jenen Branchen bestehen, wo die höchsten Einkommen bezahlt werden. "Das beweist, dass selbst eine gute Qualifikation und Ausbildung Frauen nicht vor der Diskriminierung beim Einkommen schützt. Und es zeigt, dass das schlechtere Einkommen der Frauen keine Frage der falschen Berufswahl ist", kritisiert Weinzinger.
(apa/red)
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