Privatkonkurse explodieren: Steigerung
auf 15.000 Fälle pro Jahr wird erwartet
- Firmenpleiten sind hingegen im Sinken begriffen
Die Zahl der Privatkonkurse könnte sich in den nächsten zehn Jahren auf 15.000 Fälle pro Jahr verdoppeln, so der Leiter der Insolvenzabteilung im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans Georg Kantner. Bereits heuer sind die Privatkonkurse im Jahresvergleich mit plus 16,3 Prozent auf insgesamt 7.513 Fälle kräftig gestiegen und liegen damit zahlenmäßig deutlich über den Firmenpleiten, die um 5,8 Prozent auf 6.649 Fälle zurückgegangen sind.
Während der KSV dank der guten Konjunktur auch im kommenden Jahr mit einem Rückgang bei den Firmenpleiten rechnet, werde die Zahl der Privatkonkurse weiter zunehmen, so Kantner. Derzeit haben rund 2,5 Mio. Österreicher eine oder mehrere Bankkredite. Es sei durchaus möglich, dass 0,5 Prozent aller Kreditnehmer Probleme bekommen, woraus sich langfristig ein Wert von 10.000 bis 15.000 Privatkonkurse pro Jahr ableiten lasse, was gegenüber heuer eine Verdoppelung bedeute.
Die Verschuldung der privaten Haushalte habe sich in den vergangenen 10 Jahren verdoppelt. Derzeit seien an die 100.000 Haushalte überschuldet, was so viel bedeutet, dass rund 150.000 Personen zahlungsunfähig sind. Ursache dafür sei nicht nur das übermäßige Konsumangebot, sondern auch die allzu leichtfertige Kreditaufnahme. Bedenklich sei auch die Jugend der Schuldner. Viele Schuldnerkarrieren beginnen bereits mit 18 Jahren.
Im Detail nahm die Zahl der gesamten Privatinsolvenzen um 16,3 Prozent auf 7.513 Fälle zu, die eröffneten Verfahren stiegen um 18,4 Prozent auf 6.328 Fälle, die Mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge erhöhten sich um 6,1 Prozent auf 1.185 Fälle. Die Insolvenzverbindlichkeiten bei den Privaten stieg im Jahresvergleich um 6,3 Prozent auf 811 Mio. Euro. Die meisten Privatpleiten gab es heuer in Wien mit 2.245 Fällen, gefolgt von Oberösterreich mit 1.160 Fällen und Kärnten mit 839 Privatkonkursen. Die Quoten bei Privatkonkursen liegen im Schnitt bei 15 Prozent, rund 70 Prozent aller Verfahren werden erfolgreich abgewickelt. Rund 30 Prozent der Privatpleitiers sind ehemalige Unternehmer.
Die Zahl der Firmenpleiten ist heuer gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent auf 6.649 Fälle zurückgegangen, so die "gute Nachricht", des KSV. Die Zahl der eröffneten Verfahren stieg um 4,6 Prozent auf 3.055 Fälle, davon 56 Ausgleich (plus 47,4 Prozent) und 2.999 Konkurse (minus 5,2 Prozent). Die Zahl Mangels Masse abgewiesener Konkursanträge ging erfreulicherweise um 6,7 Prozent auf 3.594 Fälle zurück. Gestiegen sind hingegen die Insolvenzverbindlichkeiten, und zwar um 4,2 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro. Dies sei auf den Konkurs der SEG StadterneuerungsGmbH mit Passiva von 107 Mio. Euro als größte Pleite des Jahres zurückzuführen. Weitere Großpleiten waren heuer die Konkurse des Technologieunternehmens I & T Innovation Technology mit Passiva von 59,9 Mio. Euro und die Pleiten der Styrian Airways mit Passiva von 50,1 Mio. Euro. Die Zahl der von einer Pleite betroffenen Dienstnehmer ging heuer im Jahresvergleich um 2,3 Prozent auf 21.600 zurück.
Besonders insolvenzanfällig ist traditionell der Bau mit 1.060 Verfahren und Passiva von 432,5 Mio. Euro. Rund ein Drittel der Bauinsolvenzen seien vorsätzlich herbeigeführt worden, so Kantner. Schuld daran sei unter anderem die Vergabepolitik der öffentlichen Hand, die die Preise zu stark drücke.
Regional gab es heuer die meisten Unternehmenspleiten in Wien mit 1.987 Fällen, gefolgt von Niederösterreich mit 1.024 Fällen und der Steiermark mit 801 Fällen. Für 2007 erwartet Kantner einen weiteren Rückgang bei den Unternehmenspleiten "in den Dimensionen wie 2006".
(apa/red)
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