Montag, 18. Dezember 2006

Details zum AMIS-Anlegerbetrug: Wagner ortet "viel kriminelle Energie" von Beginn an

  • Entnahme aus Kundengelder-Fonds nicht verbucht
  • Zurückhaltung in Frage der Mitverantwortung der FMA

Details über den mutmaßlichen Anlegerbetrug beim Wertpapierdienstleister AMIS gab vor dem Banken-Untersuchungsausschuss des Parlaments der von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eingesetzte Regierungskommissär, Wirtschaftsprüfer Martin Wagner, bekannt. Der AMIS-Jahresabschluss 2004 sei eingeschränkt testiert worden, bei der AMIS sei von Beginn an "viel kriminelle Energie" angewandt worden, stellte Wagner bei der öffentlichen Befragung vor den Abgeordneten fest.

Vom Schadensfall AMIS sind rund 10.000 österreichische und etwa 6.000 deutsche Anleger betroffen. Von ihren Anlegergeldern sind rund 70 Mio. Euro verschwunden. Gegen die Verantwortlichen wird wegen des Verdachts auf schweren gewerbsmäßigen Betrug ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung. AMIS-Gründer Harald Loidl und Ex-AMIS-Vorstand Dietmar Böhmer waren vor rund einem Jahr in Venezuela verhaftet und in U-Haft genommen worden. Die geschädigten Anleger bzw. ihre Anwälte werfen der FMA "eklatantes Versagen" vor.

Wagner war im Herbst 2005, zwei Monate vor dem AMIS-Konkurs, von der FMA als Regierungskommissär bei der AMIS beauftragt worden. Bereits zwei Wochen nach Beginn seiner Tätigkeit sei ihm klar geworden, dass bei der AMIS "von Beginn an viel kriminelle Energie" angewandt worden sei, und zwar durch Falschinformation von Kunden. Konkret habe man zwar die Einzahlungen von Kundengeldern in Fonds genau verbucht, aber Entnahmen aus dem Fonds teilweise nicht. So seien die Kunden offenbar getäuscht worden.

Die Luxemburger Finanzaufsicht habe am 12. März 2004 eine Suspendierungsanzeige betreffend AMIS an die Finanzmarktaufsicht (FMA) übersendet. Darin sei es darum gegangen, dass die Depotbank der AMIS in Luxemburg, Sella, nicht mit Gewissheit das Bestehen und die tatsächliche Verfügbarkeit der angegebenen Vermögensverhältnisse der AMIS-Fonds bestätigen könne, führte Wagner aus. Konkret heißt das, dass in Luxemburg bereits gravierende Zweifel an der ordentlichen Finanzgebarung mit AMIS-Kundengeldern bestanden hatten.

Ein "Kreislauf der versteckten Provisionen", Rücklösungen von Fondsanteilen in Luxemburg, wobei die Gelder an Vertriebspartner weiter verteilt wurden, ohne dass die Kunden von der Einlösung ihre Fonds-Anteile je erfahren hätten, schilderte Wagner die Vorfälle, die letztlich die AMIS in den Konkurs geführt hatten. Gewisses Aufsehen erregte er mit seiner Aussage, dass eine Fortführung der angeschlagenen AMIS statt einer Insolvenz im Interesse der Kunden vielleicht besser gewesen wäre.

Bei der Frage nach seiner Einschätzung einer Mitverantwortung der Finanzmarktaufsicht am Schaden in Höhe von einer Milliarde Schilling bzw. 70 Mio. Euro an verschwundenen AMIS-Kundengeldern blieb Wagner zurückhaltend. Der gesetzliche Rahmen gestatte der FMA nicht viel mehr, als auf die Einhaltung der "Wohlverhaltensregeln" bei Wertpapierdienstleistern zu achten. Der Experte schlug vor, dass künftig für jeden Kunden ein eigenes Konto bei der Depotbank zu führen sei.

VP-Abgeordneter Günter Stummvoll verwies darauf, dass es sich bei der AMIS um einen Kriminalfall handle und gefälschte Depotlisten vorgelegt wurden. SP-Abgeordneter Christoph Matznetter hingegen unterstrich, dass es sogar Strafen der FMA wegen unzulässigem Halten von Kundengeldern durch die AMIS gegeben hatte. "Es gab immer wieder Hinweise darauf, dass es Halten von Kundengeldern gab", räumte Wagner ein. Auch seien die Provisionssätze von bis zu 19 Prozent für die AMIS-Vertriebspartner ungewöhnlich hoch gewesen. (apa)

18.12.2006 16:57