Freitag, 22. Dezember 2006

Einzelkämpfer in Teamkrise: Bei ÖSV-Herren kämpft jeder mit & für sich selbst

  • Von einer kollektiver Krise wollen viele nichts hören
  • Schönfelder geht mit neuer Strategie in Rennen

Auch wenn es ein-, zweimal im Jahr einen Teambewerb gibt, Skifahren ist ein Einzelsport. Wenn nach nun 13 Rennen ohne Sieg der österreichischen Herren en suite von einer kollektiven Krise gesprochen wird, dann sind die Rennläufer die letzten, die davon hören wollen.

"Wenn der Hermann Maier Rennen gewinnt, dann habe ich persönlich auch nichts davon", meinte etwa Rainer Schönfelder nach dem Super G am Mittwoch in Hinterstoder. Und Matthias Lanzinger, 18. und drittbester Österreicher im Riesentorlauf, dem letzten Rennen vor Weihnachten, sagte: "Ich habe mit mir selbst derzeit genug zu tun, um darüber nachzudenken."

Schönfelder, der mit den Rängen acht in Beaver Creek und sechs in Alta Badia eine bisher gute Riesentorlauf-Saison hatte, schied am Donnerstag im ersten Durchgang aus. Er war der zweite Ausfall in Folge nach jenen am Montag im Slalom von Alta Badia. Er fuhr nicht auf Durchkommen, er fuhr auf Spitzenplatz. "Ich habe riskiert. Ich bin schon oft im Ziel gewesen und habe mir dann gedacht, da wäre mehr drinnen gewesen. Ich riskiere nun mehr, und entweder es haut mich auf die Papp'n, oder ich komme aufs Stockerl", erklärte der Kärntner seine neue Renn-Strategie.

Zählte noch voriges Jahr ein 15., 20. Platz eines Österreichers oft kaum etwas, weil meistens gleich ein paar ÖSV-Läufer besser waren und die Aufmerksamkeit auf sich zogen, so sieht das derzeit anders aus. "Aber es wird deshalb nicht leichter, sich im Team zu halten, es ist genauso schwer. Waren es bisher halt ein paar, die ganz stark waren, und dann folgten die anderen, so sind jetzt halt mehr im mittleren Bereich", meinte Lanzinger zur Situation.

Das triste Bild im Gesamtweltcup: Titelverteidiger Benjamin Raich ist in der Weltcup-Gesamtwertung Siebenter und vor Hermann Maier bester Österreicher, Rainer Schönfelder liegt auf 14. Am 28. und 29. Dezember wird der Ski-Weltcup in Bormio fortgesetzt, für Österreichs Speed-Asse stets ein guter Boden und die Chance zum Erfolg zurückzukehren und damit für einen versöhnlichen Jahresausklang zu sorgen.

(apa/red)

22.12.2006 10:21