Sonntag, 24. Dezember 2006

Staatstrauer um "Turkmenbaschi": Nijasow wurde in Heimatort Kiptschak beigesetzt

  • Zehntausende bei Staatsbegräbnis des Präsidenten
  • Nachfolge unklar: Bevölkerung zutiefst verunsichert

Der verstorbene turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow ist nach einem prunkvollen Staatsbegräbnis beigesetzt worden. Zehntausende erwiesen dem autokratisch regierenden Machthaber in seinem Palast in der Hauptstadt Aschgabat (Aschchabat) die letzte Ehre. Von Kampfjets überflogen warteten die Trauernden seit der Früh geduldig in langen Schlangen, um Abschied von "Turkmenbaschi" - dem "Führer aller Turkmenen" - zu nehmen, der in einem offenen Sarg aufgebahrt wurde.

An dem Staatsbegräbnis in der marmornen Säulenhalle nahmen Vertreter von rund 40 ausländischen Regierungen teil, unter ihnen Russlands Ministerpräsident Michail Fradkow und sein ukrainischer Amtskollege Viktor Janukowitsch, sowie der Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller. Die USA wurden von Unterstaatssekretär Richard Boucher vertreten. Vielen ausländischen Journalisten wurden keine Visa erteilt, berichtete die russische Zeitung "Kommersant".

Beisetzung in Heimatort
Nach der Zeremonie, die in ihrem Personenkult an die verordnete Massentrauer nach dem Tod des sowjetischen Diktators Stalin 1953 erinnerte, wurde der im Alter von 66 Jahren gestorbene Politiker in seinem Heimatort Kiptschak beigesetzt. In Kiptschak wurde der Sarg in eine turkmenische Flagge gehüllt in die Erde hinabgelassen. Nijasow hat in seiner Heimatstadt, rund 15 Kilometer von Aschgabat entfernt, die größte Moschee Zentralasiens sowie ein Mausoleum für seine Familie errichten lassen. Soldaten begleiteten Nijasow auf seinem letzten Weg, eine Militärkapelle spielte Trauermusik aus einem turkmenischen Film der Sowjet-Ära.

Bevölkerung zutiefst verunsichert
Die straff organisierten Trauerfeierlichkeiten konnten die Unsicherheit nicht verbergen, die nach dem Herztod des "Turkmenbaschi" in dem Land eingezogen ist. "Ich habe wirklich Angst. Die Zukunft Turkmenistans ist nach dem Tod Präsident Nijasows ungewiss", sagte die Mittfünfzigerin Olga, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. Nach dem Herztod Nijasows, der die zentralasiatische Republik 21 Jahre lang mit eiserner Hand regierte, herrschen Sorgen vor Unruhen und einem Machtkampf. Nijasow hatte seine Nachfolge nicht geregelt.

Öffentliches Leben stand still
"Es war Schicksal. Aber seine Politik wird weiterleben", gab der Geschäftsmann Suleiman die offizielle Linie wieder. Andere zeigten mehr Gefühle: Einige weinten, als sie an den Sarg kamen, neben dem Nijasows Frau, Sohn und Tochter in stiller Trauer saßen. Die Straßen von Aschgabat waren leer, Kinder durften nicht draußen spielen und Verkäufer auf Märkten wurden angewiesen, Hüte oder Schleier zu tragen und nicht allzu laut zu sprechen oder zu lachen. An den Zufahrtsstraßen am Rande der Hauptstadt wurden Kontrollposten verstärkt, Hochzeiten, Sportveranstaltungen und andere Feierlichkeiten wurden abgesagt.

Gas-Reichtum ließ Menschenrechstverstöße vergessen
Ungeachtet des Vorwurfs schwerer Menschenrechtsverstöße hielten viele westliche Staaten an einer Kooperation mit Turkmenistan fest. Das Land verfügt über die fünftgrößten Erdgasreserven der Welt und ist über Gaslieferungen an Russland indirekt auch an der westeuropäischen Versorgung beteiligt.

(APA/red)

24.12.2006 14:41