Mittwoch, 20. Dezember 2006

Französische Scharfschützen hatten Bin Laden zweimal im Visier: Kein Schussbefehl

  • Feuer-Freigabe durch US-Offiziere dauerte 2 Stunden
  • Al-Kaida-Vize droht den USA mit weiteren Anschlägen

Französische Elitesoldaten sollen einer Filmdokumentation zufolge zwei Mal den Moslemextremisten Osama bin Laden im Visier gehabt haben. In beiden Fällen hätten sie aber nicht den Befehl erhalten, ihn zu töten. Ein französischer Soldat wird in der Dokumentation mit den Worten zitiert: "2003 und 2004 hatten wir Bin Laden im Blick. Der Scharfschütze sagte: 'Ich hab Bin Laden'."

Die Dokumentation "Bin Laden, das Scheitern eine Verbrecherjagd" wurde von den Journalisten Emmanuel Razavi und Eric de Lavarene produziert, die für mehrere französische Medien in Afghanistan arbeiteten.

Razavi sagte, ein Soldat habe ihnen erzählt, es habe rund zwei Stunden gedauert, bis die Anfrage zur Feuer-Freigabe die US-Offiziere erreicht habe, die zur Entscheidung autorisiert gewesen seien. Es habe ein Zögern bei der Führung gegeben, wird der Soldat zitiert. Die französische Militärführung bestritt allerdings diese Darstellung. Ein Armeesprecher sagte auf die Frage, ob Bin Laden gesehen worden sei: "Das ist niemals passiert."

Bin Laden gilt als Drahtzieher mehrerer Anschläge moslemischer Extremisten, darunter auch auf das World Trade Center in New York und das Pentagon bei Washington im Jahr 2001. Frankreich hat rund 200 Elitesoldaten unter US-Kommando in Afghanistan.

Al-Kaida-Vize droht USA mit weiteren Anschlägen
Der Vize-Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Ayman al-Zawahiri, hat den USA unterdessen in einer Videobotschaft mit weiteren Anschlägen gedroht. "Wenn ihr in unseren Ländern zuschlagt, werden wir nicht aufhören, in eurem Land zuzuschlagen", sagte Zawahiri in der ausgestrahlten Aufnahme. Zudem wandte er sich gegen Neuwahlen in den Palästinenser-Gebieten, wie sie Präsident Mahmoud Abbas zur Lösung innerpalästinensischer Konflikte gefordert hat.

Den Amerikanern prophezeite er, sie würden so lange nicht von Sicherheit "träumen" können, bis "wir in Palästina und allen muslimischen Ländern sicher leben". "So wie Ihr bombt, werdet Ihr bombardiert werden, und so wie Ihr tötet, werdet Ihr getötet werden", zitierte Sawahiri den Chef des Terrornetzwerks El Kaida, Osama bin Laden.

US-Präsident Bush täusche die Amerikaner, wenn er sage: "Wir schlagen die Terroristen in ihren Ländern, damit sie uns nicht in unseren schlagen'", fügte der Al-Kaida-Vize mit Blick auf die Einsätze der US-Truppen in Afghanistan und im Irak hinzu. "Al-Kaida ist es, die den Irak kontrolliert."

Zawahiri äußerte sich zudem ausführlich zum israelisch-palästinensischen Konflikt und rief die Palästinenser zu einem "Heiligen Krieg" gegen Israel auf. Der einzige Weg zur Befreiung Palästinas sei der bewaffnete Kampf, sagte der Stellvertreter von Osama Bin Laden, wandte er sich gegen Neuwahlen. Alles andere als "Heiliger Krieg" (Jihad) werde zu "Verlust und Niederlage" führen.

(apa/red)

20.12.2006 17:09