Montag, 25. Dezember 2006

Gemeinwohl über Einzelinteressen stellen: Kardinal Schönborn richtet Appell an Politik

  • Wiener Erzbischof formuliert Weihnachtsgedanken
    Soll Wohl des Landes wichtiger nehmen als Konflikte
  • PLUS: Schönborn hofft auf baldige Bundesregierung

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hat am Heiligen Abend an die Politik appelliert "das Wohl des Landes" als wichtiger zu erachten als die Konflikte zwischen den Parteien. In diesem Sinne äußerte Schönborn in der "Licht ins Dunkel"-Fernsehsendung die Hoffnung, dass die neue Regierung bald steht. Zu seinen Erwartungen an die neue Regierung sagt der Kardinal, er träume davon, dass das Gemeinwohl über Einzelinteressen gestellt werde.

Als seine Weihnachtsgedanken formulierte Schönborn das Wohlergehen der Familien und der Kindern. Eine große Sorge für das nächste Jahr sei, wie es den Familien gehen werde. Hier habe die abtretende schwarz-blaue bzw. schwarz-orange Regierung bisher "sehr viel" getan und er hoffe dass dies auch die neue tun werde. Und der zweite Weihnachtsgedanke betreffe die Kinder, denen man Liebe und Ehrfurcht entgegen bringen müsse.

Die bestehende Armut im Land sei zwar vielen bewusst aber noch zu wenig, meinte der Erzbischof. Die Schere der Einkommen gehe sehr stark auseinander. Es gehe vielen sehr gut, aber auch einer wachsenden Zahl von Menschen schlecht. Das sei eine große Herausforderung. Dass die Kirche hier zu wenig tue, wies Schönborn zurück und verwies auf das Engagment der Caritas sowie auf die Aktion für Mütter in schwierigen Situationen gemeinsam mit der Caritas und dem Roten Kreuz.

Im "Kurier" nimmt Schönborn die abtretende Regierung auch in Bezug auf das Anwachsen der versteckten Armut in Schutz. Er glaube, dass man das "nicht einer Regierung alleine zusprechen" könne. "Das ist eher eine Auswirkung der weltweiten Globalisierung und der Entwicklung der Arbeitsmarktsituation: Immer weniger fixe Anstellungen, immer mehr freie Jobs. Das Prekariat ist auf dem Vormarsch und damit verbunden soziale Unsicherheiten und reale Lohnminderungen."

Religionsgemeinschaften betonen Gemeinsames
Vertreter aller Religionsgemeinschaften haben das Gemeinsame betont. In der ORF-Sendung "Licht ins Dunkel" hoben sie hevor, dass der Interreligiöse Dialog in Österreich sehr gut funktioniere und man auch in Konfliktsituationen das Miteinander in den Vordergrund stelle.

Für den Islam stellte Carla Amina Baghajati fest, Weihnachten sei ein Anlass, um zu zeigen, dass viele Konflikte ihre Wurzeln nicht in der Religion haben. Die christlichen Werte von sozialer Gerechtigkeit und Miteinander unterstütze auch der Islam. In Österreich würden die Gemeinsamkeiten der Religionsgemeinschaften betont. Für das Judentum unterstrich Willy Weisz, dass die gemeinsamen Ideologien der Religionen in den Vordergrund gestellt würden und nicht das Trennende. Für den Buddhismus plädierte Gerhard Weissgrab für Toleranz als Voraussetzung für den Frieden. Er begrüßte, dass der interreligiöse Dialog im Steigen begriffen sei.

Der evangelische Bischof Herwig Sturm bezeichnete die Botschaft von Frieden auf Erden als die Weihnachtsbotschaft. Als Beleg für den positiven interreligiösen Dialog führte er an, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft Weihnachtsglückwünsche überbracht habe. Für die katholische Kirche lobte der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau das "sehr gute Miteinander" der Religionsgemeinsachten in Österreich. Das Gespräch zu suchen und aufeinander zuzugehen gelinge hier. Wichte Fundamente seien, Frieden zu stiften, zu Solidarität zu ermutigen, Recht und Gerechtigkeit einzufordern sowie Demokratie, Menschenrechte und Religionsfreiheit.

Schwarz: "Fest mit Energie für die Seele"
Der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz hat das Weihnachtsfest als "Fest mit Energie für die Seele und mit Kraft für einen neuen Morgen" bezeichnet. Das gemeinsame Feiern und das wachsame Schauen auf das Kind in der Krippe könne "eine Bewegung der Aufmerksamkeit und Liebe in den Herzen der Menschen auslösen", sagte der Bischof in einer in deutscher und slowenischer Sprache gehaltenen Weihnachtsansprache im ORF-Radio Kärnten.

"Wer Weihnachten im christlichen Sinn feiert, wird sich auf den Weg zur Krippe machen und in der einen oder anderen Gestalt das eigene Lebensschicksal sehen und darin inneren Halt finden", meinte Schwarz. Gott komme nicht bloß mit Worten oder mit Ratschlägen von außen, sondern zeige sich im Kind von Betlehem den Menschen.

"Das ist das große Wunder von Weihnachten, dass Gott selbst Mensch und dabei in seiner Größe noch unbegreiflicher und geheimnisvoller wird", sagte Schwarz. "Gott wird ein Kind in einer Welt, in der es Unfrieden und Leid, Not und Traurigkeit gibt. Gott lässt sich ein auf das Menschsein und auf das Leben eines Menschen", betonte der Bischof.

Die Geburt des Kindes von Bethlehem verändere die Welt und sei ein Tor zur Hoffnung in eine neue Welt hinein. Das Kind von Bethlehem zeige, dass Menschsein bedeute, sich auf die Liebe Gottes einzulassen und in den unterschiedlichsten Lebenssituationen der Liebe eine Spur, der Barmherzigkeit ein Gesicht und der Gottverbundenheit eine Stimme zu geben. Dies könne im liebevollen Umgang miteinander, in der Versöhnung, im Wahrnehmen der Welt als Schöpfung Gottes und im Unterwegssein mit Menschen gelingen.

(apa/red)

25.12.2006 09:06