Dienstag, 19. Dezember 2006

Vier Monate nach der Flucht: Kampusch mit ihrer Star-Rolle "nicht wirklich glücklich"

  • Zeit kommt ihr "manchmal wie eine Ewigkeit vor"
  • PLUS: Kampusch in NEWS über ihre Weihnachtspläne

Natascha Kampusch ist mit ihrem Image als Superstar "nicht wirklich" glücklich. "Ich halte es für eine übertriebene Neugierde, die die Menschen an den Tag legen. Es gab Fragen, da stellen sich wirklich die Nackenhaare auf", erzählte die 18-Jährige in einem Interview über die Rolle, in die sie manche Medien drängen wollen.

Nach rund vier Monaten in Freiheit zog Natascha Kampusch in einem Beitrag der ORF-Sendung "Thema" Bilanz über ihre Gefangenschaft und das Leben danach. An ihre spektakuläre Flucht erinnert sich die junge Frau mit gemischten Gefühlen. "Das verschwimmt sehr stark, manchmal kommt es mir wie eine Ewigkeit vor, dann auch wieder nicht", sagte die 18-Jährige.

Familie mit neuen Problemen konfrontiert
Unter dem äußerlichen Druck leidet nicht nur Natascha Kampusch, sondern auch deren Familie. "(...) alle glauben wir müssen jetzt irrsinnig happy sein, aber im Großen und Ganzen stresst das die Familie.", erzählte die 18-Jährige. Die Sorge über ihr Verbleiben sei zwar von ihr abgefallen, jetzt müsste sie sich allerdings mit "neuen Problemen und alte Geschichten" auseinander setzten. Dass sie nach ihrer Flucht von Menschen umringt sein werde, die sich aus diversesten Gründen um sie bemühen, sei ihr allerdings bewusst gewesen.

Aufdringliche Menschenmassen
Auch der Alltag und die Konfrontation mit Menschenmassen ist für die 18-Jährige nach ihrer jahrelangen Isolation nicht immer einfach: "Teilweise ist das wirklich aufdringlich für mich, ich mag die lauten Stimmen nicht, die Menschen haben unterschiedliche Körpergerüche, sie rauchen, sie parfümieren sich (...)", erzählte Kampusch. Dennoch habe sie von Anfang an keine Schwierigkeiten im sozialen Umgang gehabt.

Briefe von Verrückten
"Es tut mir nur Leid für die Menschen, die meinen, dass es mir irrsinnig gut geht und, dass sie am Liebsten mit mir tauschen würden", sagte die 18-Jährige. "Sie sollen sich wirklich einmal hinsetzen und versuchen, sich in meine Lage zu versetzen." In ihrem jetzigen Leben werde sie von irgendwelchen Leuten verfolgt oder bekomme Briefe von Verrückten. Die Menschen könnten auch ausprobieren, einen Tag oder eine Woche in einem engen Raum zu verbringen. "Ich würd' sie gerne einen Tag mal in meine Haut schlüpfen lassen", sagte sie.

(apa/red)

19.12.2006 08:00