Donnerstag, 14. Dezember 2006

Achtung vor gefakter Führerschein-E-Mail:
Die Behauptungen sind schlichtweg falsch!

  • Die Mail drängt zum sofortigen Tausch des Deckels
  • ABER: Der alte Führerschein ist noch bis 2032 gültig!!

Ein Ketten-E-Mail sorgt für einen regelrechten Run auf das Wiener Verkehrsamt: In dem Schreiben, das von unbekannten Verfassern in Umlauf gebracht worden ist, wird behauptet, dass alte Führerscheine in die neuen Exemplare in Scheckkartenform umgetauscht werden müssen. Bei der Polizei stöhnt man: "Es reißt nicht ab." Verkehrsamtsleiter Bernhard Wesiak plädierte deshalb für Aufklärung, da das Amt in Arbeit untergeht und immer mehr Leute warten müssten.

Schauplatz des Geschehens ist das Gebäude Josef-Holaubekplatz 1 am Alsergrund: Besorgte Wiener Autofahrer geben sich hier Klinke in die Hand, weil sie laut einem seit November kursierenden E-Mail ihren Führerschein bereits bis 1. Dezember im ansässigen Verkehrsamt hätten umtauschen sollen. Jetzt versuchen sie offenbar noch schnell, den Amtsweg zu erledigen. Dass das Schreiben schlicht gefälscht ist und die darin verbreitete Information nicht stimmt, hilft da wenig, seufzte Wesiak, dessen Mitarbeiter den Ansturm irgendwie bewältigen müssen: "Wir haben teilweise das doppelte an 'Kundschaft'."

Mundpropaganda und Irrglaube
Ungünstig für die Polizei wirkt sich der Umstand aus, dass sich in der Causa Mundpropaganda und der Irrglaube, eine amtliche Information zugeschickt bekommen zu haben, zu einer hartnäckigen Melange vermischt haben. Daher wollen die Leute, wenn sie erst einmal im Verkehrsamt stehen, auch nicht mehr gehen: "In dem Mail wird suggeriert, dass das Amt lügt", sagt Wesiak, der pro Tag 400 weitere Antragsteller zählte, mehr als doppelt so viel wie zu normalen Zeiten. Nicht einmal bei der Präsentation der neuen Scheckkartenführerscheine im Frühjahr, wo ebenfalls ähnliche Fehlinformationen kursierten, gab es einen derartigen Andrang.

Amtsleiter hofft auf Einsehen
Da nicht nur die Mitarbeiter unfreiwillig zum Handkuss kommen, hofft der Amtsleiter auf ein Einsehen, dass der vermeintlich verpflichtende Führerscheinumtausch ein klassischer "Hoax" ist: "Die Leute müssen bei uns ja auch oft stundenlang warten und außerdem 45 Euro zahlen, obwohl das eigentlich nicht nötig wäre."

Polizeiappell: Umtausch bitte aufschieben!
Das Problem veranlasste die Wiener Polizei dazu, von sich aus an die Öffentlichkeit zu gehen: Es gebe weder eine Umtauschpflicht noch eine generelle Befristung der bisher ausgestellten Führerscheindokumente für die Führerscheinklassen A und B, heißt es in einer Aussendung: "Die Bundespolizeidirektion Wien ersucht daher, nicht erforderliche Führerscheinumtäusche bis zu einem späteren Zeitpunkt aufzuschieben." (APA/red)

14.12.2006 14:49