ÖBB - Probleme mit dem "neuen Ferrari":
ICE-Start von Platz-Problemen überschattet
- Geschwindigkeit wird derzeit logistisch "eingebremst"
- Überbuchung aufgrund Bauweise nicht wettzumachen

Der neue Fahrplan der ÖBB ist seit dem Wochenende in Kraft getreten, bringt jedoch insbesondere für das neue Zugpferd, den ICE auf der Strecke Wien-München, nicht unerhebliche Probleme mit sich. Gerade zum Start sahen sich die Kunden mit Verspätungen und Überbuchungen konfrontiert.
Von bequemem oder gar schnellem Reisen kann hier keine Rede sein: Wer am Wochenende mit dem neuen ICE auf der Strecke von Wien nach München unterwegs sein wollte, der musste aufgrund von Buchungsfehlern entweder auf einen Sitzplatz oder gar gleich auf die Fahrt verzichten, wie der ORF berichtete. Normalerweise weiß sich die ÖBB mit zusätzlichen Waggons zu helfen, was in diesem Fall allerdings aufgrund der kompakten Bausweise des neuen ICE nicht möglich ist.
"Zukunftsweisendes Projekt"?
Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, sprach bei der Einweihung der Züge in Salzburg von einer zukunftsweisenden Kooperation. Anstatt sich nach der EU-weiten Liberalisierung des Personenverkehrs 2010 zu konkurrieren, werde man gemeinsame Züge betreiben. Eine ähnliche Verstärkung der Zusammenarbeit mit den ÖBB streben die Deutschen auch im Güterverkehr an. "Unsere Wettbewerber sind nicht die Nachbarbahnen, sondern die Straße und das Flugzeug", sagte Mehdorn.
ICE fährt in Österreich mit bis zu 200 km/h
Der neue ICE mit 230 km/h Höchstgeschwindigkeit, fährt in Österreich rund 200 km/h und benötigt damit derzeit zwischen Wien und Salzburg 2:39 Stunden und bis München etwas mehr als vier Stunden. Mit dem weiteren Ausbau der Westbahn werde die Fahrzeit Wien-Salzburg auf 2:15 Stunden und Wien-München auf knapp über drei Stunden verkürzt, sagte ÖBB-Holding-Vorstand Martin Huber in Salzburg. Er glaubt, dass "auf diesen Strecken dann alle Flüge eingestellt werden könnten".
Theoretisch ließen sich mit dem ICE auch noch weit höhere Geschwindigkeiten erzielen. Die schnellste Type (ICE 3) ist bis 330 km/h zugelassen. Laut Huber würde sich das jedoch in Österreich nicht auszahlen. 230 km/h seien ab 2012 zwischen Wien und Linz möglich. Die Kosten für die notwendigen Adaptierungen der Strecke, um die Geschwindigkeit noch weiter zu erhöhen, wären "exorbitant". "Das stünde in keiner Relation", sagte Huber.
"Die neuen Ferrari"
Die ICE-Züge bezeichnete er dennoch als "die neuen Ferrari" in der ÖBB-Flotte - "bequem, schnell und elegant". Schon jetzt gebe es über 2,2 Millionen Reisende zwischen Österreich und Deutschland. Mit dem ICE sollten es noch mehr werden, hofft Huber und sein deutscher Kollege Mehdorn glaubt, dass damit "selbst die verbissensten Autofahrer" vom Umstieg auf die Schiene überzeugt würden.
Die Züge, die im Durchschnitt schon etwa fünf Jahre in Deutschland im Einsatz waren, für die ÖBB aber komplett neu adaptiert wurden, haben 381 Sitzplätze in der zweiten Klasse und 53 in der ersten Klasse. Jeder Sitz verfügt über Steckdosen. Digitalanzeigen zeigen die Geschwindigkeit, die Fahrzeit und Umseigemöglichkeiten an. Auf Grund der Neigezugtechnik sowie einer extra Schallisolierung soll die Fahrt auch besonders ruhig sein.
Zusätzlich haben die ÖBB eine Option für weitere 40 Railjets abgeschlossen, die unmittelbar darauf bis 2012 ausgeliefert werden sollten. Diese Option werden die ÖBB aber voraussichtlich nicht voll ausschöpfen, so Wehinger zur APA. Die Entscheidung im Vorstand soll noch heuer fallen, der Aufsichtsratsbeschluss im Frühjahr folgen. Ein Railjet-Zug kostet knapp 11 Mio. Euro. In Summe - die zweite Railjet-Option noch nicht eingerechnet - geben die Bundesbahnen für neue Züge 1,2 Mrd. Euro aus. (apa/red)
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