Dienstag, 12. Dezember 2006

Zugvögel machen Pause in der Sahara: Aus ökonomischen Gründen rasten sie tagsüber

  • Am Tag zu heiß: Vögel fliegen vor allem Nachts
  • Unterschiedliche Flughöhe im Frühling und im Herbst

Auf ihrem Flug über die Sahara legen Singvögel tagsüber Pausen ein, statt die Wüste nonstop zu überqueren. Das berichtet eine Gruppe um Heiko Schmaljohann von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach in den "Proceedings" der britischen Royal Society. Bisher vermuteten viele Forscher, dass die Tiere den unwirtlichen Lebensraum in einem 40 Stunden langen Dauerflug überqueren.

Schmaljohann beobachtete mit einem Radargerät, dass Zugvögel vor allem nachts über der Wüste fliegen und tagsüber pausieren, um Energie und Wasser zu sparen. Auf dem Weg von oder zu ihren Brutgebieten bewältigen etwa vier Milliarden Singvögel jedes Frühjahr und jeden Herbst die 2.000 Kilometer lange Strecke über die Sahara, berichtet Schmaljohann.

Unterschiedliche Flughöhe im Frühjahr und Herbst
Im Herbst auf ihrem Weg nach Süden flögen die Tiere beinahe nur nachts, heißt es in dem Journal. Im Frühjahr hingegen fände fast ein Fünftel der Flüge tagsüber statt. Die Vogelforscher begründen dies mit der unterschiedlichen Flughöhe: Im Frühjahr sind die Vögel demnach in Höhen zwischen zwei und vier Kilometern in kühlen und feuchten Luftmassen unterwegs. Dort verlören die Vögel auch tagsüber vergleichsweise wenig Wasser.

Tagsüber Rast im Herbst
Im Herbst hingegen flögen sie in geringen Höhen unter tausend Meter, wo heiße und trockene Passatwinde wehten. In diesem Fall sei es ökonomischer, tagsüber auf dem Wüstenboden zu rasten, erklären die Forscher. Schmaljohann betont, dass die Vögel während ihrer Rast weder essen noch trinken.

"periodische" Flugstrategie
Über Europa und anderen kühleren Regionen verfolgen die Vögel eine "periodische" Flugstrategie, bei der sie nachts fliegen und tagsüber rasten und fressen.

(apa/red)

12.12.2006 14:57