Donnerstag, 14. Dezember 2006

16,5 Mrd. Dollar schwer: US-Fonds Cerberus
will "Heuschrecken" aus Köpfen vertreiben!

  • Langfristige strategische Investitionen in Unternehmen

16,5 Milliarden Dollar (knapp 13 Mrd. Euro) an Fondskapital verwaltet die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus. Mehr als 35 Mrd. Dollar hat die Gruppe weltweit in Wertpapierbesitz und Beteiligungen investiert. Auch in mehrere Banken.

Als Exempel für ein langfristiges Engagement im Finanzsektor gilt der Gruppe die einst zu zwei Drittel erworbene japanische Bank Aozora (ehemals Nippon Credit), bei der die Amerikaner Anfang November - zum Vielfachen des Einsatzes - nach sieben Jahren die Hälfte ihrer Aktien über die Börse wieder verkauften. Diese seinerzeit mit Staatshilfe aufgefangene japanische Bank wurde mit Cerberus-Kapital saniert. Der Berg an faulen Krediten wurde beseitigt. Es gab weder Kündigungen noch wurde die Bank zerschlagen.

Eines der prominenten Milliarden-Investments von Cerberus im Finanzbereich ist die Beteiligung an der lukrativen Finanzsparte von General Motors (GMAC). In Israel ist Cerberus maßgeblich bei der traditionsreichen Bank Leumi eingestiegen. In Deutschland ist sie an der kleinen HKB Bank beteiligt.

Cerberus - benannt nach dem dreiköpfigen "Höllenhund" (Kerberos) der griechischen Mythologie - hat sich mit dem Aufkauf von unterbewerteten schlecht performenden Unternehmensbeteiligungen bzw. Problemkonzernen in der Finanzbranche einen Namen bemacht. Die gemeinhin gebrauchte Bezeichnung Hedgefonds sieht der US-Investor bei Investitionszeiträumen zwischen 5 bis 10 Jahren nicht wirklich zutreffend auf sich angewandt. Und als "Heuschrecken", die über Unternehmen herfallen und dann weiter ziehen, will der US-Fonds schon gar nicht tituliert werden. Heuschrecken brächten, wie jeder Landwirt wisse, Übel über die Menschen - und bei Private-Equity-Investoren wie Cerberus sei genau das Gegenteil der Fall. Geschwächten Firmen mit Kapital und Know-how unter die Arme zu greifen, stärke diese im Wettbewerb, lege die Basis für Wachstum und Vermögenssteigerung und sichere und erhalte damit hochwertige Jobs.

Private Equity deckt einen immer stärker werdenden Bedarf, argumentiert denn auch der frühere US-Finanzminister John W. Snow, heute Chairman von Cerberus. Er und sein Stab rühren in Wien gerade die Werbetrommel für die Beteiligungsstrategien des stark expandierenden US-Fonds. Cerberus sei ein "ein langfristiger strategischer Investor", wie Snow vor Journalisten bei einer Präsentation betont.

Zuletzt hatte Snow eine wachsende Rolle von Beteiligungskapital durch internationale Fonds vor allem auch in Deutschland vorausgesagt. (apa)

14.12.2006 16:44