BAWAG-Deal perfekt: ÖGB-Bank geht für 3,2 Mrd. Euro an US-Fondsgesellschaft Cerberus
- 2,6 Mrd. an ÖGB? Bundeshaftung wird nicht schlagend
Post will Anteile, aber "die Braut ziert sich ein wenig" - PLUS: Cerberus ist 16,5 Milliarden Dollar schwer
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Das viele Milliarden teure Abenteuer BAWAG hat für den ÖGB ein Ende. Der Österreichische Gewerkschaftsbund hat - nach fast einem Jahrhundert - die Trennung von seiner einstigen "Arbeiterbank" perfekt machen müssen. Der ÖGB verkauft seine Bank, die Nummer fünf in Österreich, an ein Konsortium rund um die US-Fondsgesellschaft Cerberus und mehrere Investoren aus Österreich. Es war ein Notverkauf, mit dem sich der ÖGB nach den Fehlspekulationen der einstigen BAWAG-Manager selber vor der Pleite rettete. Trotzdem wechselt die Bank nun zu einem "Traumpreis" den Eigentümer. Unterderssen wurde bekannt, dass die Post Anteile an der BAWAG kaufen will. Die Verhandlungen mit Cerberus seien zäh, denn "die Braut ziert sich ein wenig".
ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer bestätigte am Abend das Grüne Licht des 60-köpfigen Bundesvorstandes. Laut Konsortial- und Gewerkschaftskreisen wiegt der Deal insgesamt 3,2 Mrd. Euro. Exakt 2,610 Milliarden davon sollen an den ÖGB gehen, der Rest in die BAWAG fließen. Offiziell wird der Kaufpreis nicht kommentiert. Nur so viel: Er sei "das" Hauptargument für den Zuschlag gewesen. Die 6.000-köpfige Belegschaft pochte aber auf Jobgarantien.
Das Cerberus-Konsortium unter Führung von John Snow hat damit die konkurrierenden Bieter BayernLB und Lone Star ausgestochen. Auch eine mehrjährige Arbeitsplatzgarantie soll am Ende den Ausschlag gegeben haben. In rund fünf Jahren soll die BAWAG an die Börse gebracht werden. Dann will der auf solche Exits spezialisierte Cerberus-Fonds Sanierungsgewinne erzielen. Die Österreicher würden dann an Bord bleiben.
ÖGB-Chef Hundstorfer betonte, dass die Bundeshaftung für die BAWAG mit dem Verkauf nicht mehr schlagend wird und gleichzeitig der Großteil der wirtschaftlichen Probleme des ÖBB gelöst würden.
BAWAG-Chef Ewald Nowotny erklärte nach dem einstimmig über alle Gewerkschaftsfraktionen Fraktionen gefassten Beschluss, die Bank werde nicht zerschlagen. Cerberus will die BAWAG zur Europazentrale seiner Finanzaktivitäten ausbauen. Cerberus selbst hat angekündigt, die bisherige Gewerkschaftsbank mit dem Europageschäft der vom Fonds erst vor kurzem mehrheitlich erworbene "GM Bank" (GMAC) zusammenführen zu wollen.
Bei den inländischen Investoren, die sich ebenfalls an der BAWAG beteiligen, handelt es sich allen voran um die Generali Versicherung, die Wüstenrot Bausparkasse und die Post. In letzter Minute hat sich diesen Dienstag auch noch die Österreichische Post AG auf die Seite von Cerberus geschlagen. Mit an Bord ist auch noch der frühere SPÖ-Finanzminister und Industrielle Hannes Androsch. Hinter ihm steht auch eine "sehr feinen Industriellengruppe" (Hundstorfer). Zusammen werden sie laut Androsch 5 Prozent der Bank erwerben.
Österreichische Identität bleibt erhalten
Damit bleibt laut ÖGB - der die BAWAG weiter als Hausbank haben will - eine starke österreichische Identität bei der BAWAG erhalten. Die genaue Aufteilung der künftigen Beteiligungen wird erst im Detail ausgemacht. Überwiegend wird freilich Cerberus Anteile halten.
Der Verkauf ist letztendlich schneller abgewickelt worden als erwartet. Eigentlich war alles für morgen geplant gewesen. Auch mit dem erzielten Preis könne der ÖGB mehr als zufrieden sein, meint man auf Käufer-Seite. "Der Preis ist alles andere als ein Schnäppchen", wie Androsch bemerkte.
Der Verkaufserlös könnte laut Hundstorfer zumindest in kleinen Teilen jedenfalls noch heuer in die ÖGB-Bilanz einfließen. Vollwirksam wird Verkauf in der ÖGB-Bilanz dann 2007. Das Signing ist nächste Woche, Aktienübertrag in wenigen Monaten. Unter anderem müssen die FMA und die EU-Behörden ihren Sanktus geben.
Hartes Match mit BayernLB
Das Cerberus-Konsortium hatte sich im Endspurt ein hartes Match mit den Konkurrenten aus Bayern geliefert. Eine weitere Erhöhung des Kaufpreises wäre jedoch aus Sicht der BayernLB nicht zu vertreten gewesen, erklärte der Vorstandsvorsitzender Werner Schmidt in einem Statement gegenüber der APA. "BAWAG P.S.K. und BayernLB hätten gut harmoniert. Unser Angebot ging von einer gemeinsamen guten strategischen Positionierung in Zentral- und Osteuropa und damit einem langfristigen Engagement aus", erklärte er enttäuscht. Die "bisher gute Geschäftsverbindung mit der BAWAG" wollen die Bayern aber "unverändert fortgesetzt". Die Münchner Bank war bereits zwischen 1996 und 2004 an der BAWAG mit rund 46 Prozent beteiligt gewesen.
Post will Minderheitsanteil an BAWAG
Die Österreichische Post AG will sich an ihrer Partnerbank BAWAG P.S.K. mit einem "Minderheitsanteil" beteiligen. Nach dem Verkauf der Bank an Cerberus hat die Post das erstmals öffentlich bestätigt. "Die von der Bietergruppe Cerberus ausgesprochene Einladung an die Österreichische Post sich mit einem Minderheitsanteil an der BAWAG P.S.K. zu beteiligen, wird als Chance eines rentablen und werterhöhenden Investments (...) gesehen", hieß es in einer Pressemitteilung.
Details sind demnach aber noch nicht ausverhandelt. "Die Österreichische Post wird mit dem neuen Eigentümer und dem Management der BAWAG P.S.K. Gespräche führen mit dem Ziel, die bestehende Kooperation zu intensivieren und langfristig abzusichern", hieß es in der allgemein gehaltenen Erklärung.
Informelle Vereinbarung mit Cerberus
Nach bisher unbestätigten Informationen aus Post-Kreisen strebt der gelbe Riese eine Beteiligung von 5 bis 10 Prozent an der BAWAG und gleichzeitig auch ein Aufsichtsratsmandat an. Darüber soll es, wie berichtet, auch schon eine informelle Vereinbarung mit dem Konsortium um Cerberus geben.
10 Prozent der BAWAG würden, wenn es nach dem jetzigen Transaktionswert von 3,2 Mrd. Euro geht, 320 Mio. Euro kosten. Allerdings winkt man in der Post auch mit der Verlängerung des 2012 auslaufenden P.S.K.-Vertriebsvertrags, der der Bank die Mitbenützung der 1.334 Postämter garantiert. Auch der ist nach Ansicht der Post sein Geld wert. Im Jahr 2005 betrug die Vergütung aus dem P.S.K.-Vertrag für die Post 96 Mio. Euro.
Die Post geht davon aus, dass sie sich auch nach Abzug der diese Woche fixierten Mehrheitsübernahme des deutschen Logistik-Unternehmens Trans-o-Flex (Kaufpreis gemessen am Unternehmenswert 170 Mio. Euro) und der Ausgaben für den BAWAG-Einstieg noch weitere Zukäufe leisten kann. "In der (im Oktober noch mit 450 bis 500 Mio. Euro gefüllten) Kriegskasse wird schon noch etwas übrig bleiben", so der Tenor.
"Die Braut ziert sich"
Über die Details zum BAWAG-Einstieg, heißt es in den Post-Kreisen, wird mit Cerberus noch zäh verhandelt werden. "Die Braut ziert sich jetzt ein wenig", so die Botschaft. Die Verträge würden daher voraussichtlich erst im Frühjahr unterzeichnet - auch wenn grundsätzlich nicht in Frage stehe, dass sich die Post beteiligen werde.
Die BAWAG P.S.K ist die fünftgrößte Bank Österreichs. Abflüsse von mehreren Milliarden am Höhepunkt der Krise um Refco und Karibik-Altlasten hatten die Bank heuer um einen Platz zurückfallen lassen. Milliardenspekulationen der einstigen Bankführung hatten sowohl die Bank als auch deren Eigentümer ÖGB an den Rand des Zusammenbruchs getrieben. Auf die einstigen Bankmanager wartet der größte Wirtschafts-Prozess der Nachkriegsgeschichte. Die Schlüsselfigur: Ex-Bankchef Helmut Elsner.
Der ÖGB hat mit jahrelang vertuschten Garantien zur Spekulationsverlust-Verheimlichung die Bank de facto "verzockt". Vor teuren US-Klagen (Refco) hat sich das Institut im Juni frei kaufen können. Nur mit einer im Mai geschnürten Bundesgarantie über 900 Mio. Euro konnte ein Bank-Niedergang verhindert werden. Die Bundeshaftung fällt mit dem Verkauf weg. Auch der Fortbestand des gesamten ÖGB ist aber im Wesentlichen vom jetzigen BAWAG-Verkaufserlös abgehangen. Mit dem Geld werden jetzt zuletzt schon gestundete Kredite zurückgezahlt. Der ÖGB muss jetzt den Gürtel enger schnallen. Mit dem Verkauf des wichtigsten Assets fällt "der" Dividendenbringer schlechthin weg.
(apa/red)
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