Donnerstag, 14. Dezember 2006

Verkauf der BAWAG unter Dach und Fach:
Übernahmen großer Banken in Österreich!

  • Nachlesen: Die Deals der jüngeren Vergangenheit
  • Bank Burgenland, BA-CA, Erste Bank und Co.

Mit dem Aufsehen erregenden Verkauf der angeschlagenen Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. - fünftgrößte Bank Österreichs - wird die größte Banken- und Gewerkschaftskrise der Nachkriegszeit ihrem Ende zugeführt. Aufregung gab es aber fast immer, wenn bei Kreditinstituten in Österreich Eigentümerwechsel bevorstanden. Gepokert wurde meistens bis zur letzten Minute.

Mit der BAWAG P.S.K. wird wieder eine systemrelevante Großbank verkauft. Dies gerade einmal sechs Jahre, nachdem die BAWAG AG dem österreichischen Staat die Postsparkasse (P.S.K.) abgekauft hat - um sich vorübergehend selber zu retten, wie man heute weiß.

Hick-Hack um Bank Burgenland
Ein mehrjähriges politisches Hick-Hack hatte zuletzt auch der - nach einigen Anläufen heuer doch noch abgewickelte - Verkauf der nach einem Kreditskandal mit Landesgarantien aufgefangenen Bank Burgenland beschert. Die zuvor landeseigene Bank Burgenland ging mit Beschluss vom März 2006 schließlich im Mai 2006 an die Grazer Wechselseitige Versicherung (GraWe).

Schneller Verkauf: BA-CA
Schnell und vergleichsweise ruhig ging der vorjährige Verkauf der größten Bank in Österreich, der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), an die Italiener (UniCredit) über die Bühne. Bankinterne Debatten brachte freilich der rigorose Konzernumbau. Fünf Jahre zuvor, Ende 2000 (mit Wirksamkeit ab Februar 2001), hatte der Verkauf der Bank Austria an die deutsche HypoVereinsbank (HVB) da politisch weitaus höhere Wellen geschlagen. Die Münchner HVB stellte sich bald als brustschwach heraus, musste sich selber auf Partnersuche machen und begab sich und die Tochter BA-CA schließlich in die Hände der UniCredit.

Zur echten Regierungskrise in Österreich war zum Jahreswechsel 1996/97 die Privatisierung der Creditanstalt (CA) geraten. Das Angebot der Bank Austria (sie selber entstand 1991 aus der Fusion von Zentralsparkasse/"Z" und Länderbank) für die Staatsanteile an der CA - immerhin nach fast sechsjährigem Privatisierungspoker - brachte die damalige Koalition von SPÖ und ÖVP fast ans Ende. Die tatsächliche Übernahme der CA durch die Bank Austria zog sich dann mehr als ein halbes Jahr bis in den Spätherbst 1997.

RI ging an die Börse
Die österreichische Raiffeisen Zentralbank (RZB) hat für den Teilverkauf ihrer Ostbankenholding Raiffeisen International (RI) im April 2005 den Weg über die Börse gewählt. Damit kann sich diese Ost-Bankengruppe ebenso wie bisher BA-CA und Erste Bank Kapital über die Emission junger Aktien beschaffen. Geld, das für die weitere milliardenschwere Osteuropa-Expansion gebraucht wird.

Im Spätherbst 2005 hat die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) nach kühnem Übernahmepoker gegen die heimische Konkurrenz ihr Ziel der Totalübernahme der Spezialbank Investkredit erreicht. Im Gegenzug wird die niederösterreichische Hypobank bis Mitte 2007 gerade wieder "verländert", zumindest vorübergehend. Auch bei der Hypo Niederösterreich krachte es zuvor gehörig im Aktionärsgefüge.

Hypo Alpe Adria - Börsengang geplant
In der fast zeitgleich mit der BAWAG heuer von früheren Spekulationsschäden geschüttelten Kärntner Hypo Alpe Adria Bank ändern sich die Aktionärsverhältnisse eher sukzessive. Die zwei großen Aktionäre (Land Kärnten, Grazer Wechselseitige) ziehen sich schrittweise auf geringere Anteile zurück. An einem Börsegang wird allen Zweifeln zum Trotz immer noch fest gehalten.

Milliarden teure Zukäufe von Banken in Osteuropa gehören bei den österreichischen Kreditinstituten seit Jahren zum "Tagesgeschäft". Vor allem bei Erste Bank, Raiffeisen und auch BA-CA.

Bei der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen, die sich in den vergangenen Jahren auch an großen Bundesländersparkassen in Österreich eingekauft hat, liegt der letzte wirklich spektakuläre Bankaktien-Deal im Inland knapp zehn Jahre zurück: als sie ebenfalls nach jahrelangem Streit im Sparkassensektor 1997 das damalige Sparkassen-Spitzeninstitut GiroCredit (einst Girozentrale) durch Fusion in sich aufnahm. Der damalige Wechsel der Giro-Kontrollmehrheit war eine der politischen Auflagen beim BA/CA-Deal.

Die Erste Bank, die gerade dabei ist, ihren Konzern organisatorisch neu aufzustellen, ist bei ausländischen Bankenriesen immer wieder auf dem Radar, die heimischen Hauptaktionäre wollen nach wiederholtem Bekunden jedoch keinen Verkauf. (apa)

14.12.2006 16:38