Donnerstag, 14. Dezember 2006

Mega-Deal in Deutschland: Permira/KKR
kaufen größten TV-Konzern ProSiebenSat.1

  • Kaufpreis liegt bei rund drei Milliarden Euro

Der Milliarden-Poker um ProSiebenSat1 ist entschieden. Die Finanzinvestoren KKR und Permira kauften für rund drei Mrd. Euro von US-Milliardär Haim Saban die Mehrheit an der Sendergruppe, wie aus Verhandlungskreisen verlautete. Das Unternehmen, zu dem neben Pro Sieben und Sat 1 auch Kabel 1 und N24 gehören, dürfte Teil eines neuen europaweiten TV-Konzerns werden. Permira und KKR gehört der Medienkonzern SBS mit dutzenden Fernseh- und Radiosendern in ganz Europa. Der neue Medienkonzern dürfte seinen Sitz in München haben. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) begrüßte die Entscheidung für Permira und KKR.

Um den Zuschlag für die Sendergruppe ProSiebenSat1, die sich bisher in der Hand von Investoren um den US-Milliardär Haim Saban befand, hatten sich auch die türkische Dogan-Gruppe und ein Konsortium aus dem Finanzinvestor Apax und der Investmentbank Goldman Sachs beworben. Laut "Financial Times Deutschland" war offenbar die türkische Dogan-Gruppe bis zuletzt der härteste Konkurrent von KKR und Permira, während das Konsortium um Apax und Goldman Sachs bereits früh aus dem Rennen geschlagen wurde.

Stoiber erklärte, mit dem Verkauf an Permira sei eine "Lösung von europäischer Dimension" erzielt worden. KKR und Permira wollten ProSiebenSat1 mit dem europäischen Medienkonzern SBS zusammenführen. München steige damit "in die erste Liga der europäischen Player" im Fernsehgeschäft auf. Zu SBS gehören 19 private Fernsehsender, 20 Pay-TV-Programme und zahlreiche Radioprogramme in ganz Europa. Aus Kreisen der beteiligten Unternehmen verlautete, zwar sei die Zusammenführung von SBS und ProSiebenSat1 "hoch wahrscheinlich". Zuvor müssten aber unter anderem die kartellrechtlichen Prüfungen abgewartet werden. Sollte es zu einem Zusammenschluss kommen, werde München die Zentrale sein.

Die britische Permira und der US-Fonds KKR gehören zu den weltweit größten Private-Equity-Firmen. Solche Unternehmen, von Kritikern als "Heuschrecken" beschimpft, sind spezialisiert auf Übernahme, Umbau und Wiederverkauf von Firmen. Immer wieder hatte es Fälle gegeben, in denen die Finanzinvestoren sich in Firmen eingekauft hatten und diese rücksichtslos zerschlugen. Immer häufiger tätigen die Investoren aber auch langfristige Investments. Auch bei KKR und Permira scheint ein auf die Zukunft gerichtetes Interesse im Vordergrund zu stehen, der Aufbau eines europaweiten TV-Konzerns.

KKR (Kohlberg, Kravis and Roberts) wird geführt von Henry Kravis und George Roberts, die das Unternehmen im Jahr 1976 zusammen mit Jerome Kohlberg gründeten. Das Unternehmen gilt als Pionier der Branche und war vor allem in den 80er Jahren wegen einiger rücksichtsloser Deals in Verruf geraten. In Deutschland hat KKR inzwischen bereits zahlreiche bekannte Unternehmen gekauft, etwa die DaimlerChrysler-Tochter MTU, Auto-Teile-Unger (A.T.U.) oder den Grüne-Punkt-Betreiber Duales System Deutschland. Die britische Permira wurde 1985 gegründet und wurde in Deutschland unter anderem mit dem Erwerb der Mehrheit am Pay-TV-Sender Premiere im Jahr 2003 bekannt.

Zu Beginn des Jahres war der ProSiebenSat1-Verkauf an den Axel-Springer-Verlag am Veto des Bundeskartellamts gescheitert. Die Sendergruppe wurde daraufhin neu zum Verkauf ausgeschrieben. Der US-Milliardär Saban hatte ProSiebenSat1 im Jahr 2002 aus den Trümmern des Kirch-Imperiums übernommen und wieder zu einem profitablen Unternehmen gemacht. Auch nach dem Scheitern des Springer-Deals war aber immer klar gewesen, dass Saban die Sendergruppe weiter veräußern würde.

(apa/red)

14.12.2006 18:11