Siemens versinkt im Korruptionssumpf: Skandal erreicht jetzt die Konzern-Spitze
- Ausgeschiedener Vorstand in U-Haft genommen
- Führung räumt jahrelange Korruption im Konzern ein
Der Korruptionsskandal bei Siemens hat die Konzernspitze erreicht. Der erst im September ausgeschiedene Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt wurde in Untersuchungshaft genommen. "Spiegel-Online" meldete, Ganswindt sei von zwei anderen Beschuldigten schwer belastet worden.
Unmittelbar zuvor hatte die Siemens-Führung erstmals jahrelange Korruption im Konzern offen eingeräumt. Zahlungen über 420 Millionen Euro seien als zweifelhaft einzuschätzen, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser in München. Deshalb müsse die Konzernbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr nachträglich auf 3,03 Milliarden Euro Gewinn nach unten korrigiert werden.
Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sagte, die Konzernspitze sei entschlossen, "diesem Spuk der Korruption bei uns wirklich ein Ende zu machen". Einen Rücktritt als Aufsichtsratschef lehnt er ab. Er tue alles, um "für Aufklärung und Abhilfe zu sorgen".
Laut "Spiegel-Online" wurde Ganswindt wegen dringenden Tatverdachts ins Untersuchungsgefängnis Landsberg gebracht. Ein inhaftierter ehemaliger Finanzvorstand der Telekom-Sparte (Com) habe ausgesagt, Ganswindt sei schon weit vor Anfang 2004 über das vermutete Schmiergeld-System informiert worden und habe es offenbar weiter geduldet.
Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte den Schaden für Siemens bisher mit 200 Millionen Euro beziffert. Kaeser sagte, bei internen Prüfungen habe Siemens seit 1999 dubiose Transaktionen in Höhe von 420 Millionen Euro entdeckt. Dieses Geld sei nicht in schwarze Kassen geflossen und auch nicht unbedingt Schmiergeld. Das meiste seien Zahlungen für Beraterverträge, bei denen zweifelhaft sei, ob sie steuerlich absetzbar seien. Deshalb zahle Siemens 168 Millionen Euro Steuern nach. Die US-Anwaltskanzlei Debevoise soll prüfen, ob in anderen Bereichen und Regionen ähnliche Vorgänge passiert sind.
(apa/red)

