Unvergessliche WM: Italien holt den Titel, Zidanes Kopfstoß geht in die Geschichte ein
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Italien hat nach 24 Jahren Pause wieder den Fußball-Thron bestiegen! Die Italiener feierten im WM-Finale in Berlin einen 5:3-Sieg im Elferschießen über Frankreich und holten damit nach 1934, 1938 und 1982 ihren vierten WM-Titel. Der französische Superstar Zinedine Zidane, der mit seinem Ausschluss nach einer Tätlichkeit in der Verlängerung für den unrühmlichen Höhepunkt des Endspiels gesorgt hatte, musste nur als "Vizeweltmeister" abtreten.
Der Elferkrimi wurde notwendig, nachdem es nach 120 Minuten 1:1 gestanden war. Zidane, der mit seinem 108. Länderspiel das allerletzte Match seiner Karriere bestritt, hatte mit einem Foulelfer nach sechs Minuten für die frühe Führung gesorgt, doch Marco Materazzi gelang vor 69.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion bereits zwölf Minuten später der Ausgleich (19.).
Im Elferschießen wurde dann ausgerechnet David Trezeguet zur tragischen Figur. Jener Stürmer, der im Jahr 2000 Frankreich mit seinem Golden Goal zum 2:1 im Endspiel gegen Italien zum EM-Titel geschossen hatte, scheiterte an der Latte, während sämtliche Schützen der "Squadra Azzurra" trafen.
"Zizous" Blackout entscheidet WM
Frankreich hat nicht nur das Finale, sondern auch Zinedine Zidane verloren. Der stille Star der "Equipe tricolore" hat die Bühne in seinem 108. Länderspiel nach exakt 110 Minuten verlassen. Unrühmlich. Mit einer Roten Karten von Schiedsrichter Horacio Elizondo in die Pension geschickt, nachdem Zidane den Italiener Marco Materazzi mit einem Kopfstoß niedergestreckt hatte.
Dabei hatte der argentinische Unparteiische ebenso wie seine Assistenten an der Linie den Vorfall nicht gesehen. Aufmerksam gemacht wurde er schließlich vom vierten Offiziellen, der die Tätlichkeit auf einem Monitor gesehen hatte. "Es war der vierte Schiedsrichter mit Hilfe der Zeitlupe. So ist es gelaufen", bestätigte Italiens Teamchef Marcello Lippi.
Zidane verließ, getröstet von seinem ehemaligen "Juve"-Weggefährten Gianluigi Buffon, sichtbar geschockt das Feld. Er kam nicht mehr zurück. Nicht zum Elfmeterschießen und auch nicht zur Medaillenvergabe.
Materazzi gab später zu, Zidane in der Verlängerung des Endspiels beleidigt, eine derartige Reaktion aber nicht erwartet zu haben: "Zidanes Kopfstoß hat meine Freude über den Titel zwar nicht ruiniert, aber schon ein wenig gedämpft."
Keine neuen Superstars
In der kurzweiligen Zeit kometenhaft aufgestiegener Berühmtheiten hat ausgerechnet die WM 2006 keinen neuen Superstar herausgebracht. Kollektive und gut organisierte Teams dominierten gegenüber individueller Klasse.
Bezeichnend: Der mit überragenden Individualisten gesegnete Topfavorit Brasilien scheiterte bereits im Viertelfinale an Frankreich. Gastgeber Deutschland sicherte sich mit einem Erfolg über Portugal den dritten Platz und bescherte mit ihren Leistungen einer ganzen Nation einen unvergesslichen Sommer.
Ein Spieler vom Kaliber eines Pele, Paolo Rossi, Diego Maradona oder Ronaldo, der seiner Konkurrenz während der gesamten Endrunde die Schlagzeilen gestohlen hätte, tat sich nicht hervor. Weltfußballer Ronaldinho genügte den hohen Erwartungen in keiner Weise, der zum "Spieler des Turniers" gewählte Franzose Zinedine Zidane verabschiedete sich mit einer Tätlichkeit.
Verteidigung war Trumpf
Die neue Generation, von der sich die Welt in Deutschland so viel erwartet hatte, schaffte den Durchbruch nicht. Echten Jungstar brachte die WM keinen hervor, stattdessen zeigten Altmeister wie Portugals Luis Figo noch einmal auf. Deutschlands WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, Italiens Spielgestalter Andrea Pirlo und Portugals Maniche überzeugten zwar, der ganz große Glanz blieb aber aus.
Die Aufmerksamkeit lenkten vor allem die Abwehrreihen und die Torhüter auf sich. Italiens Gianluigi Buffon überzeugte zwischen den Pfosten ebenso wie der Tscheche Petr Cech oder der Portugiese Ricardo.
Seinen Stempel drückte der WM auch der kaum zu überwindende italienische Verteidiger Fabio Cannavaro auf. Der Kapitän wurde dafür mit der Übernahme des WM-Pokals belohnt.
(apa/red)
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