Donnerstag, 14. Dezember 2006

Schwacher UEFA-Cup-Auftritt in Barcelona: Herbe Kritik an Austria in spanischer Presse

  • "Besuch eher als touristischen Ausflug genutzt"

Spaniens Presse hat nach dem 1:0-Heimsieg von Espanyol Barcelona über Austria Magna im letzten UEFA-Cup-Gruppen-Spiel kein gutes Haar an den Wienern gelassen. "Leichter Erfolg über eine richtig schlechte Austria," wählte die Sportzeitung "As" als Titelzeile und war vom Spiel der Violetten so enttäuscht, dass der Vereinsname nicht ein zweites Mal in dem Artikel auftauchte.

Auch die katalanische Sportzeitung "Sport" ging mit den Österreichern hart ins Gericht: "Vier Spiele, vier Siege. Die Austria, die als Gruppen-Letzter auf den Montjuic gekommen war, war das letzte Opfer von Ernesto Valverdes' Truppe. Obwohl der Trainer viele Stammspieler auf der Bank gelassen und jungen Leuten aus der B-Mannschaft eine Chance gegeben hatte, zeigten sich die Blau-Weißen der Austria haushoch überlegen. Die Wiener unterstrichen auf dem Montjuic anschaulich, warum sie Gruppen-Letzter wurden."

Austria hätte vor allem in der ersten Hälfte ein paar Chancen, sei in der zweiten Hälfte aber vollkommen eingebrochen. "Das Goldtor per Kopf von Walter Pandiani rundete ein Spiel ab, in dem Espanyol beinahe beschämende Übermacht über den Gegner zeigte", so "Sport". Dennoch bemängelt auch "As" das Spiel der Katalanen. "Man merkte leider beiden Mannschaften an, dass es sich nur noch um ein Spiel handelte, in dem auch seitens der Espanyol-Akteure Lustlosigkeit zu spüren war."

Das Urteil von "Marca", Spaniens größter Sportzeitung, fällt auch nicht milder aus: "Espanyol dominierte das langweilige Spiel. Die Österreicher hingegen bewiesen, warum sie bisher nicht ein einziges UEFA-Cup-Spiel gewonnen haben. Als Mair und Aigner in der 22. Minute fast alleine vor dem Tor eine klare Torchance verbockten, war klar, dass die Austria höchstens ein Eigentor erreichen würde. Dennoch beweist der Erfolg, dass die Siegesserie von Espanyol nicht abzubrechen droht."

"Austrias Trainer Georg Zellhofer versuchte noch, das schlechte Spiel seiner Burschen damit zu rechtfertigen, dass man in den letzten Monaten viele Spiele gemacht habe und fünf Spieler verletzt seien. Doch die Akteure der Austria schienen den Besuch in Barcelona eher als touristischen Ausflug genutzt zu haben", so das Blatt weiter.

"Wir haben ein gutes Spiel gemacht und in der Gruppe das Maximum an Punkten erreicht. Das war unser Ziel. Doch bevor wir jetzt über den nächsten UEFA-Cup-Gegner sprechen, müssen wir uns auf das Heimspiel am Sonntag gegen Real Madrid konzentrieren", sagte Espanyol-Coach Ernesto Valverde, der vor zwei Jahren mit Athletic Bilbao gegen die Austria eine 1:2-Niederlage hatte einstecken müssen und nun in der Primera Division schon zehn Runden ohne Niederlage ist.

Der einzige Spieler, der hingegen die Wiener ein wenig lobte, war der Schütze des entscheidenden Treffers, Walter Pandiani. "Wir dachten, dass es ein sehr leichtes Spiel werden würde. Aber die Österreicher haben streckenweise gut verteidigt und es war nicht leicht, Torsituationen herauszuspielen", so Espanyols gefährlichster Stürmer nach Raul Tamudo. Pandiani hat von den 16 Europacup-Toren des spanischen Cupsiegers in dieser Saison allein sieben erzielt.

(apa/red)

14.12.2006 15:03