Historisches Debakel für ÖSV-Herren: Kein einziger im Slalom von Alta Badia klassiert!
- Raich fädelt im 2. DG ein - Rest scheitert im 1. Lauf
- Schwede Larsson gewinnt vor Ligety und Kostelic

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Der erste Weltcup-Slalom der Geschichte in Alta Badia ist zu einem historischen Debakel für die österreichischen Ski-Herren geworden. Beim zweiten Weltcup-Erfolg des Schweden Markus Larsson, der 27-Jährige siegte vor dem US-Amerikaner Ted Ligety und dem Kroaten Ivica Kostelic, kam keiner der neun gestarteten ÖSV-ler in die Wertung. "Heute ist einfach alles in die Hose gegangen. Die Enttäuschung ist groß", meinte ÖSV-Herrenchef Toni Giger.
Nur Gesamt-Weltcup-Sieger Benjamin Raich hatte als Dritter die Qualifikation für den zweiten Durchgang geschafft, der Pitztaler war dann am Weg Richtung Podest, fädelte jedoch im Schlussabschnitt ein - die totale Pleite der seit nunmehr elf Rennen sieglosen Österreicher war perfekt. "Wie man sieht, kann im Leben alles passieren", meinte Raich zum blamablen Abschneiden des "Power Teams."
Zuletzt hatte es am 21. März 1986 in Bromont (Kanada) einen Herren-Slalom ohne Österreicher in der Punktewertung gegeben. Der bis dato letzte Weltcup-Bewerb ohne ÖSV-ler unter den Top-30 war am 19. Jänner 2003 die Kombination in Wengen gewesen.
"Kein Schwarzer Tag" für ÖSV-Bosse
"Ein unglücklicher Zeitpunkt für so ein Ergebnis", meinte Alpinchef Hans Pum angesichts des seit Wochen vorherrschenden Krisengeredes rund um die ÖSV-Stars, fügte jedoch hinzu: "Wichtig ist, dass die Läufer gesund bleiben. Denn dann können sie beweisen, dass sie es besser können." Auch Giger wollte nicht von einem "Schwarzen Tag" sprechen: "Ein schwarzer Tag ist es dann, wenn sich ein Läufer verletzt."
Im ersten Lauf hatten sich die Österreicher reihenweise per Ausfall "verabschiedet". Zunächst die Stars Mario Matt, Rainer Schönfelder und Manfred Pranger, danach die Hoffnungsträger Christoph Dreier und Alexander Koll. Kurt Engl, Romed Baumann und Martin Marinac kamen zwar ins Ziel, verpassten aber mit den Rängen 37, 38 und 44 die Quali fürs Finale. Ebenso wie der Neo-Bulgare Kilian Albrecht und Bode Miller (USA), die beide ausfielen.
Ursachenforschung
Auf die Frage "Was nun?" meinte Giger: "Kräftig ärgern, Emotionen rauslassen und weiterarbeiten." Der Salzburger gestand jedoch auch einen Fehler in der Vorbereitung ein: "Wir haben immer bei sehr guten Verhältnissen trainiert. Heute hat man gesehen, dass sich einige mit diesen Verhältnissen schwer getan haben. Das ist natürlich auch Pech."
Pum schloss aus, dass es nun Konsequenzen irgendwelcher Art geben könnte. "Wir arbeiten ohnehin dauernd daran, dass es immer besser geht. Und alle Skifans werden sehen, dass die Österreicher schon bald wieder gewinnen werden." Vielleicht schon bei den Heimrennen am Mittwoch und Donnerstag in Hinterstoder, für die Giger positiv gestimmt ist: "Bei Heimrennen habe ich immer ein gutes Gefühl."
Jubel bei Larsson
Der Schwede Larsson hatte hingegen Grund zum Jubeln, er fuhr vom siebenten Platz aufs oberste Treppchen. "Ich bin einfach nur glücklich. Ich habe einen guten zweiten Lauf gehabt, aber dass es für den Sieg reicht, dass hätte ich mir nicht gedacht." Raich hatte angesichts des drohenden Debakels jede Menge Druck auf den Schultern, versicherte jedoch: "Ich habe an nichts anderes als den Lauf gedacht. Ich werde auch in Zukunft immer voll riskieren, alles andere hat für mich keinen Sinn."
Auch Pranger hat nach den Plätzen neun und sieben in Levi und Beaver Creek in Südtirol "zum ersten Mal in dieser Saison richtig attackiert". "Anscheinend bin ich aber noch nicht so weit, vielleicht war ich zu ungeduldig. Ich muss mich eben wieder langsam nach vor arbeiten. Aber ein Ausfall im Slalom kann immer passieren", so der Tiroler, der sich angesichts der jungen Vaterfreuden und dem bevorstehenden Weihnachtsfest rasch trösten konnte: "Der Gedanke an meine Tochter lässt mich das heute leichter verkraften."
Elf Rennen ohne Sieg hat es übrigens zuletzt für die ÖSV-Herren zwischen 10. März 1991 und 8. März 1992 gegeben. Damals hatte es sogar 35 Bewerbe nicht geklappt, ehe Günther Mader im Super G von Panorama den Fluch beendete. So weit dürfte es jedoch allein angesichts der Form von Benjamin Raich nicht kommen. "Das Wichtigste ist, dass man gesehen hat wie schnell er ist", meinte Pum nach dem Einfädler des Tirolers.
| Ergebnis | ||||
| 1. | Markus Larsson | SWE | 1:44,51 Min. | |
| 2. | Ted Ligety | USA | 1:44,70 | +0,19 |
| 3. | Ivica Kostelic | CRO | 1:44,99 | +0,48 |
| 4. | Giorgio Rocca | ITA | 1:45,13 | +0,62 |
| 5. | Kalle Palander | FIN | 1:45,14 | +0,63 |
| 6. | Julien Lizeroux | FRA | 1:45,18 | +0,67 |
| 7. | Akira Sasaki | JPN | 1:45,22 | +0,71 |
| 8. | Jean-Baptiste Grange | FRA | 1:45,26 | +0,75 |
| 9. | Bernard Vajdic | SLO | 1:45,33 | +0,82 |
| 10. | Jens Byggmark | SWE | 1:45,35 | +0,84 |
| 11. | Patrick Thaler | ITA | 1:45,47 | +0,96 |
| 12. | Oscar Andersson | SWE | 1:45,49 | +0,98 |
| 13. | Jimmy Cochran | USA | 1:45,54 | +1,03 |
| 14. | Cristian Deville | ITA | 1:45,86 | +1,35 |
| . | Thomas Grandi | CAN | 1:45,86 | +1,35 |
| 16. | Martin Hansson | SWE | 1:45,87 | +1,36 |
| 17. | Johan Brolenius | SWE | 1:45,95 | +1,44 |
| 18. | Felix Neureuther | GER | 1:45,98 | +1,47 |
| . | Silvan Zurbriggen | SUI | 1:45,98 | +1,47 |
| 20. | Aksel Lund Svindal | NOR | 1:46,05 | +1,54 |
| . | Manfred Mölgg | ITA | 1:46,05 | +1,54 |
| . | Mitja Valencic | SLO | 1:46,05 | +1,54 |
| 23. | Mitja Dragsic | SLO | 1:46,08 | +1,57 |
| 24. | Anton Lahdenperae | SWE | 1:46,11 | +1,60 |
| 25. | Alexandre Anselmet | FRA | 1:46,13 | +1,62 |
Nicht für 2. DG qualifiziert:
| 37. | Kurt Engl | AUT | 53,68 | +3,25 |
| 38. | Romed Baumann | AUT | 53,70 | +3,27 |
| 44. | Martin Marinac | AUT | 54,47 | +4,04 |
Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.:
Alexander Koll, Christoph Dreier, Manfred Pranger, Mario Matt, Rainer Schönfelder (alle AUT), Kilian Albrecht (BUL), Bode Miller (USA), Alois Vogl (GER)
Ausgeschieden im 2. Durchgang:
Marc Gini (SUI), Michael Janyk (CAN), Pierrick Bourgeat (FRA), Stephane Tissot (FRA)
Disqualifiziert wegen Torfehlers:
Benjamin Raich (AUT)
(apa/red)
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