Montag, 11. Dezember 2006

Israel deutet Besitz der Atombombe an: Indirekte Bestätigung durch Premier Olmert

  • "Gleichgewicht des Schreckens" im Iran-Konflikt
  • Dementi aus Israel: Verwirrung um Atom-Aussagen

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat in einem Interview angedeutet, dass sein Land Atomwaffen besitzen könnte. In dem Interview mit dem deutschen Fernsehsender Sat.1 wurde der Regierungschef gefragt, ob Israels Atomwaffenarsenal den Bemühungen des Westens den Iran am Besitz von Nuklearwaffen zu hindern, nicht abträglich sei. Bisher hat kein israelischer Premier öffentlich zugegeben, dass das Land Atomwaffen besitzt. In seiner Antwort gab Olmert dies indirekt zu, in dem er Israel im Zusammenhang mit einer Reihe von Ländern erwähnte, die über nukleare Waffen verfügen.

"Israel ist eine Demokratie und bedroht niemanden (...) Iran droht hingegen offen und öffentlich damit, Israel von der Landkarte zu tilgen", sagte Olmert in dem Interview, das in Auszügen auch in Israel ausgestrahlt wurde. "Kann man dies gleichsetzen, wenn sie (die Iraner) nach Atomwaffen streben wie die USA, Frankreich, Israel und Russland?" fragte Olmert.

Israelische Kommentatoren werteten diese Aussage als eine Bestätigung für ein israelisches Atomwaffenarsenal. Olmerts Mitarbeiter sagten kurz darauf aber, der Regierungschef habe sich in seinen Äußerungen über die Vereinigten Staaten, Frankreich, Israel und Russland auf demokratische Länder und nicht auf atomare Länder bezogen.

Verwirrung um Olmerts Aussagen
Olmerts Sprecherin sagte jedoch, der Regierungschef habe mit den Äußerungen nicht sagen wollen, dass Israel Atomwaffen habe oder danach strebe, in ihren Besitz zu kommen.

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums meinte, Olmert wollte die vier Länder mit der Äußerung als Demokratien in Gegensatz zum Iran stellen. Er habe sich dabei nicht auf deren mögliche Atomkapazitäten oder Bestrebungen bezogen.

Israel hat bisher offen gelassen, ob es über Atomwaffen verfügt. Es betreibt aber den Atomreaktor Dimona, der der Entwicklung derartiger Waffen dienen dürfte. Nach Ansicht von Experten könnte Israel bis zu 200 Atomsprengköpfe besitzen. Jüngst hatten sich auch angesichts einer befürchteten nuklearen Bedrohung durch den Iran und des Atomwaffentests Nordkoreas in Israel Rufe gemehrt, sich offiziell als Atommacht zu deklarieren.

So hatte Anfang September der israelische Verteidigungsexperten Reuven Pedatzur gemeint, es könnte sich zwischen dem Iran und Israel ein stabiles atomares "Gleichgewicht des Schreckens" nach dem Vorbild des Kalten Krieges entwickeln.

Der israelische Luftwaffenexperte Gabi Avital forderte den sofortigen Aufbau eines atomaren Abschreckungssystems, das die arabischen Nationen und den Iran von der Illusion abbringen werde, die Juden ausrotten zu können.

(apa/red)

11.12.2006 22:36
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