Samstag, 16. Dezember 2006

Neue Spur führt nach Moskau: "Hohe Kreml-
Figur" in Mord-Fall Litwinenko verwickelt

  • Hatte Vergifteter belastendes Geheimdossier?
  • Iwanow: "Für uns war Litwinenko ein Nichts"

Die britische Polizei verfolgt in der Affäre um den Giftmord an dem russischen Ex-Spion Litwinenko eine neue Spur nach Moskau. Wie der Sender BBC berichtete, sagte ein anderer russischer Ex-Spion bei der Befragung durch Scotland Yard aus, Litwinenko sei ermordet worden, weil er für eine britische Firma ein belastendes Geheimdossier über eine "hohe Kreml-Figur" zusammengestellt habe. "Für uns war Litwinenko ein Nichts", sagt hingegen Russlands Verteidigungsminister Iwanow.

Litwinenko war - vermutlich am 1. November in London - mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergiftet worden. Er starb daran am 23. November. Bei dem anderen Ex-Agenten handelt es sich laut BBC um den in Washington lebenden Russen Juri Schwets. Dieser habe mit Litwinenko geschäftliche Beziehungen unterhalten. Nach Angaben von Schwets in einem BBC-Interview verfügt Scotland Yard inzwischen über eine Kopie des von Litwinenko angefertigten achtseitigen Dossiers.

Das nicht näher bezeichnete britische Unternehmen habe den Bericht mit internen wirtschaftlichen und politischen Informationen als Entscheidungshilfe vor einer eventuellen Millionen-Investition in Russland in Auftrag gegeben, erklärte Schwets laut BBC. Es seien jedoch Einzelheiten des belastenden Papiers an die nicht näher bezeichnete "hochrangige Moskauer Figur" verraten worden. Daraufhin soll die Ermordung Litwinenkos angeordnet worden sein.

"Er war nie ein Spion"
Litwinenko wurde der russischen Regierung zufolge wegen seines schlechten Charakters gefeuert. "Er war nie ein Spion, und er wusste nie etwas von wirklichem Wert, das er irgendeinem ausländischen Geheimdienst hätte sagen können", sagte Verteidigungsminister Sergej Iwanow.

Litwinenko war zu der Zeit aus dem KGB entlassen worden, als der Dienst vom heutigen Präsidenten Wladimir Putin geleitet wurde. Auf seinem Sterbebett machte er Putin für seinen qualvollen Tod verantwortlich. Die russische Regierung hat die Vorwürfe zurückgewiesen. "Für uns war Litwinenko ein Nichts", sagte Iwanow.

(apa/red)

16.12.2006 10:38