Donnerstag, 14. Dezember 2006

Flämische Bevölkerung unabhängig? TV schockt Öffentlichkeit mit Spaltung Belgiens

  • Staatlicher Sender wollte Debatte provozieren

Ein fiktiver Fernsehbericht über eine angebliche Spaltung Belgiens in einen niederländisch- und einen französischsprachigen Teil hat die Bevölkerung des Landes schockiert. In der Sendung des öffentlich- rechtlichen Fernsehsenders RTBF hieß es, die flämische Bevölkerung im Norden des Landes habe ihre Unabhängigkeit erklärt. Der Sender unterbrach dafür sein Programm.

Es klang überzeugend: "Das flämische Parlament hat einseitig die Unabhängigkeit Flanderns erklärt", teilte der Nachrichtensprecher mit. König Albert und seine Gattin Paola hätten in einem Flugzeug der Luftwaffe das Land verlassen. Dazu wurden unscharfe Bilder von einem Militärflugplatz und eine Gruppe Monarchie-treuer Demonstranten vor dem Palast gezeigt.

Erst nach einer guten halben Stunde klärte der RTBF darüber auf, dass das Drama nur inszeniert war. Bis dahin hatte der Sender schon einige Aufregung ausgelöst. Auf Grund hoher Nachfrage brach die Internetseite des belgischen Senders kurzzeitig zusammen.

Man habe mit dem Beitrag eine öffentliche Debatte provozieren wollen, sagte der Nachrichten-Chef von RTBF. Er zog Parallelen zum Hörspiel "Krieg der Welten" des US-Regisseurs Orson Welles, der 1938 viele US-Bürger mit der Ankündigung einer angeblichen Invasion der Erde durch Marsmenschen in Panik versetzte.

In Belgien finden in wenigen Monaten Wahlen statt. Zwischen den französischsprachigen (wallonischen) und den niederländischsprachigen (flämischen) Regionen herrschen tiefgehende Differenzen. Wahlen im flämischen Norden zeigen häufig, dass die Bevölkerung eine Abspaltung von der frankophonen Hälfte des Landes befürwortet. Das einst höher entwickelte französischsprachige Wallonien hängt seit dem Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie am finanziellen Tropf. (apa)

14.12.2006 12:53